Frühkindliche Hirnschädigung – Infantile Cerebralparese (ICP). Therapie.

Welche Behandlungsmöglichkeiten einer infantilen Cerebralparese gibt es?

Das Kind muss Schritt für Schritt Vertrauen zum Therapeuten aufbauen.

Das Kind muss Schritt für Schritt Vertrauen zum Therapeuten aufbauen.

Die Behandlung orientiert sich am Alter des Kindes und an der Schwere der Beeinträchtigung. Im Mittelpunkt der Behandlung der infantilen Cerebralparese steht eine multidisziplinäre Therapie, die alle vorliegenden Funktionsstörungen berücksichtigt. Dabei ist entscheidend, dass diese so früh wie möglich im Verlauf der Erkrankung beginnen sollte. Aufgrund der Vielfältigkeit der betroffenen Organsysteme ist eine kausale Therapie in den seltensten Fällen möglich. Das mehrfach behinderte Kind sollte von Anfang an innerhalb eines Therapeutenteams versorgt werden, das es bis zum Ende des Wachstums und manchmal darüber hinaus begleiten sollte.

Konservative Therapie einer infantilen Cerebralparese

Zu den unterstützenden konservativen Maßnahmen zählen Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, orthopädische Maßnahmen, sowie spezielle medikamentöse Therapien. Erst wenn bei einem fortschreitenden Verlauf der Erkrankung alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft sind, sollten operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.

Die Physiotherapie. Je früher desto besser die Erfolge bei einer Cerebralparese

Bei der Frühbehandlung der infantilen Cerebralparese kommt der Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage eine herausragende Stellung zu. Für den Erfolg physiotherapeutischer Maßnahmen ist vor allem das Alter von wesentlicher Bedeutung. Die physiotherapeutische Frühbehandlung sollte sofort nach Diagnosestellung, wenn möglich vor Ablauf des ersten Lebenshalbjahres beginnen. Je älter das Kind ist, desto geringer ist der funktionsverbessernde Erfolg. Aus diesem Grund verlagert sich der Schwerpunkt mit zunehmendem Alter auf die Erhaltung der Leistungsfähigkeit. Ziel der Behandlung ist es, vorhandene Fähigkeiten zu trainieren und zu verbessern, Bewegungsabfolgen beschleunigter und geschickter zu ermöglichen, Kontrakturen sowie Fehlhaltungen vorzubeugen bzw. zu verbessern. Wichtig ist die Einbeziehung der Eltern, um das tägliche Üben zu ermöglichen.

 

Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage

Grundprinzip dieser speziellen neurophysiologischen Physiotherapie ist das Training normaler Bewegungen bei gleichzeitiger Hemmung der krankhaften Einflüsse des Gehirns.

  • Methode nach Bobarth: Diese Methode zielt darauf ab, dem Kind normale Bewegungsmuster und -erfahungen zu vermitteln (insbesondere Stell- und Gleichgewichtsreaktionen) und abnorm koordinierte Haltungs- und Bewegungsmuster zu hemmen.
  • Methode nach Vojta: Die entwicklungskinesiologische Behandlung nach Vojta versucht durch spezielle Behandlungstechniken reflektorische Fortbewegungsmuster auszulösen und somit Ersatzmuster für die Fähigkeit zur Aufrichtung des Körpers bereitzustellen.
    Daneben gibt es zahlreiche weitere Behandlungsmethoden wie z.B. PNF, Feldenkrais etc.

Ergotherapie bei einer infantilen Cerebralparese

Die Ergotherapie setzt sich mit dem gezielten Training der Hände auseinander

Die Ergotherapie setzt sich mit dem gezielten Training der Hände auseinander

Diese Beschäftigungstherapie dient vor allem der Anleitung zur Selbsthilfe. Sie setzt sich z. B. mit dem Eß- und Schreibtraining, dem Anziehtraining, Toilettentraining und der Körperpflege auseinander sowie mit dem gezielten Training der meist schwer gestörten sensomotorischen Funktion der Hände.

Logopädie bei einer infantilen Cerebralparese

Darunter versteht man die Behandlung von Sprachstörungen sowie eine Esstherapie.

Konduktive Förderung nach Petö bei einer infantilen Cerebralparese

Die Therapie nach Petö ist eine ganzheitliche Behandlung. Ausgangspunkt ist dabei die Tatsache, dass selbst bei Schädigungen des zentralen Nervensystems immer wieder neue neuronale Verknüpfungen gebildet werden können. Die Voraussetzung dazu ist eine Behandlung, die verschiedene Aspekte berücksichtigt und zusammenführt (lateinisch: „konduktiv“ = „leiten, führen). Mit Hilfe ausgebildeter Spezialisten soll der Patient lernen, mit seiner Behinderung umzugehen. Ziel ist, dass der Betroffene im Alltag mit möglichst wenig Hilfsmitteln so gut es geht selbst zurechtkommen kann.

Orthopädietechnische Maßnahmen bei einer infantilen Cerebralparese

Die Aufgaben der Orthopädietechnik sind zweierlei. Zum einen, die vorbeugende Aufgabe, die darin besteht, dass durch Verordnung von Hilfsmitteln (z.B. Steh-, Geh-, Sitz- und Greifhilfen, Einlagen, Innenschuhe, orthopädische Schuhe, Rollstühle) die physiotherapeutischen Maßnahmen unterstützt und Muskelverkürzungen verhindert werden. Zum anderen die therapeutische Aufgabe, die darin besteht, dass eingetretene Kontrakturen, die zu Funktionsverlusten führen können, zu korrigieren und die Physiotherapie zu erleichtern.

Medikamentöse Therapie bei einer infantilen Cerebralparese

Zur Therapie der ständigen Muskelanspannung kann „Botox“ angewendet werden.

Zur Therapie der ständigen Muskelanspannung kann „Botox“ angewendet werden.

Als Medikamente kommen bei der Behandlung der Spastik z.B. Antispastika, Anticholinerika oder Myotonlytika zum Einsatz. Tranquilizer und Psychopharmaka werden zur begleitenden Behandlung psychischer Störungen oder Unruhezuständen verschrieben. Zur Therapie der ständigen Muskelanspannung kann Botulinumtoxin („Botox“) angewendet werden.

Operative Techniken bei einer infantilen Cerebralparese

Im Mittelpunkt der operativen Therapie der infantilen Zerebralparese steht, erworbene oder angeborene Kontrakturen und Deformitäten zu korrigieren und vorzubeugen sowie das Muskelgleichgewicht bestmöglich wiederherzustellen, um weitergehende pathologische Bewegungsmuster zu verhindern.
Diese operativen Techniken stehen zur Verfügung:

  • Sehnenverlängerung (Tenotomie) und Muskeleinkerbung (Myotomie) sowie Muskelursprungsverlagerung: Hierbei wird eine Muskelkontraktur beseitigt, um gleichzeitig die Spannung der Muskulatur zu schonen.
  • Knochenumstellungen (Osteotomie): Dieses Verfahren kommt zum Einsatz, wenn sich Gelenke und Knochen bereits verformt haben und eine Sehnenverlängerung aus medizinischer Sicht nicht sinnvoll ist.
  • Nervendurchtrennung (Neurotomie): Bei schwersten spastischen Kontrakturen, insbesondere wenn der Betroffene nicht zu gehen in der Lage ist, wird durch de Nervendurchtrennung irreversibel eine spastische Lähmung in eine schlaffe umgewandelt.
  • Gelenkversteifung (Arthrodesen): Instabile Gelenke werden durch diese Technik dauerhaft korrigiert.
     

Muskelverlängerung nach Ulzibat

Durch die Ulzibat-Methode können durch Spastik verkürzte Muskeln wieder verlängert werden. Die Kinder haben wieder mehr Bewegungsraum.

Knochenverformungen bei Spastik

Kinder mit spastischer Bewegungsstörung leiden oft unter Knochenverformungen, die behandelt werden müssen.

Fachliche Betreuung

Bernius

Der Beitrag wird betreut durch

Dr. med. Peter Bernius