Frühkindliche Hirnschädigung – Infantile Cerebralparese (ICP). Symptome.
Welche Beschwerden können bei einer infantilen Cerebralparese auftreten?
Aufgrund der gestörten Entwicklung des zentralen Nervensystems kommt es zu einer verlangsamten motorischen Entwicklung, zu einer Störung des Muskeltonus, der Muskelstärke sowie der Koordination und des Ablaufes von Bewegungen. Grundsätzlich lassen sich verschiedene Störungsformen der Haltung und der Bewegungsabläufe unterscheiden, die nicht selten in Mischformen auftreten (ca. 1/3 der Fälle):
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Spastik: Steifheit der Glieder aufgrund eines erhöhten Muskeltonus mit verlangsamtem oder eingeschränktem Bewegungsablauf
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Athetose: unwillkürliche, langsame, verkrampfte Bewegungsmuster
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Ataxie: Koordinations- und Gleichgewichtsstörung mit abgehackten Bewegungsabläufen
Im Vordergrund einer infantilen Cerebralparese stehen spastische Lähmungen
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Zahlenmäßig im Vordergrund (75 % der Fälle) stehen die spastischen Lähmungen. Je nach Lokalisation der Störungen können folgende Körperteile betroffen sein:
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Tetraparese: Beteiligung der Beine, der Arme, des Halses und Kopfes, einschließlich des Rumpfes
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Diparese: Befallsmuster mit stärkerer Beteiligung der Beine als der Arme
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Hemiparese (Halbseitenlähmung): Beteiligung der Gliedmaßen einer Körperhälfte
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Paraplegie: Spastische Lähmung beider Beine oder Arme
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Monoplegie: Spastische Lähmung eines Armes oder Beines
Bestimmte Anomalien in der Haltung bzw. in den Bewegungsabläufen sind bei den verschiedenen Störungsmustern mehr oder weniger typisch ausgeprägt. Häufig treten diese nicht in der oben beschriebenen reinen Form auf, sondern häufig als gemischte Syndrome. Außerdem kommt es neben Störungen in der Motorik auch zu epileptischen Anfällen.
Infantile Cerebralparese. Beschwerden bei spastischen Lähmungen
Unter Spastik versteht man eine ständige zu hohe Anspannung der Muskulatur (Spasmus), die die Gliedmaßen in eine typische, nicht funktionelle Haltung zwingt und damit zwangsläufig zu einer Einschränkung der Bewegungsfähigkeit führt (Hypokinese). Infolge der spastischen Lähmungen kommt es zu Gelenkversteifungen, wobei besonders die langen Beugemuskeln und die Adduktoren (Muskeln zum Heranziehen eines Körpergliedes) von der Spastik betroffen sind.
Folgende typische Beschwerden der einzelnen Gelenke können auftreten:
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Die Oberarme sind meist an den Körper gedrückt (adduziert), während die Unterarme, in den Ellenbogen gebeugt, stark einwärts gedreht abstehen (abduziert). Die Hände sind zu Fäusten geschlossen mit eingeschlagenem Daumen (Pronationsstellung).
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Die Beine sind gestreckt und einwärts gedreht, die Hüfte steht angewinkelt gebeugt und die Füße stehen in Spitzfußstellung (maximale Beugung im Sprunggelenk).
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Finger, Handgelenk und Ellenbogen neigen zur Beugeversteifung.
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Die Wirbelsäule zeigt eine Verkrümmung (Skoliose).
Diese Haltungsanomalien führen zu einer Verkürzung der Muskeln und in der Folge zu Gelenkversteifungen und –fehlstellungen. Die Muskeln können ohne therapeutische Unterstützung nicht entspannt und andere Bewegungsabläufe erlernt werden. Die Betroffenen haben eine eingeschränkte Beweglichkeit, und ihre Kraft beispielsweise beim Greifen ist vermindert. Einzelne Bewegungen sind mühsam und es kommt zu assoziierten Mitbewegungen an anderen Gliedmaßen.
Infantile Cerebralparese. Beschwerden bei ataktischen Störungen
Die feine Abstimmung der Bewegung fehlt
Ataktische Syndrome entstehen mit überwiegender Beteiligung des Kleinhirns, das u.a. die sensomotorische Koordination sowie die Steuerung des Gleichgewichts übernimmt. Der Begriff „Ataxie“ leitet sich aus dem griechischen Wort „ataxia“ ab, was „ohne Ordnung“ bedeutet. Die Betroffenen haben Schwierigkeiten, zielgerichtete Bewegungen auszuführen, weil ihnen die feine Abstimmung des Bewegungsablaufes fehlt. Ihre Bewegungen sind verwackelt, unkontrolliert, unschlüssig, zittrig oder über das Ziel hinausschießend. Der Gang ist unsicher, staksig, schwankend und breitbeinig und es besteht eine große Balanceunsicherheit mit großen Ausgleichsbewegungen der Arme. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Treppensteigen oder Platz nehmen. Die Muskelanspannung ist eher niedrig, verbunden mit einer raschen Ermüdbarkeit der Muskulatur. Weitere Beschwerden sind Sprach-, Hör- und Gleichgewichtsstörungen, unkontrollierte Mimik (häufiges Grimassieren), Schütteln (Tremor), Epilepsie, psychische Störungen (z. B. Verhaltensstörungen), Schielen, Minderwuchs, Muskelschwund sowie eine verzögerte Entwicklung.
Infantile Cerebralparese. Beschwerden bei Athetose
Der Begriff „Athetose“ (wörtlich übersetzt „ohne festen Halt“) bezeichnet unregelmäßige, nicht durch den Willen beeinflussbare, langsam ablaufende Bewegungen (überwiegend der Hände), die oft drehenden, schraubenden, verkrampft wirkenden Charakter haben. Die Betroffenen haben große Probleme mit der Kontrolle und Steuerung der Bewegungen der Gliedmaßen. Es fällt ihnen schwer, eine Bewegung fließend auszuführen; sie werden immer durch ausfahrende, ruckartige Bewegungsmuster gestört. Es fällt ihnen schwer, in einer bestimmten Position zu bleiben, denn die kleinste Korrekturbewegung kann eine Athetose auslösen und den Betroffenen ganz aus der gewünschten Haltung bringen. Der Grund für Athetosen liegt im sich ständig ändernden Muskeltonus. Ein Muskel, meist ganze Muskelgruppen, kann von einer Sekunde auf die andere vom entspannten, schlaffen Zustand in die totale Verkrampfung kommen.
Fachliche Betreuung
Der Beitrag wird betreut durch
Dr. med. Peter Bernius