Aphasie. Wie ein Patient seine Aphasie erlebte

Die Internet-Redaktion interviewte einen Aphasie-Patienten.

Der Patient sitzt im Therapieraum und erklärt, was er auf den Bildkarten vor sich sieht. Wenn ihm die Worte nicht sofort einfallen, zeichnet er mit dem Finger Buchstaben auf den Tisch. Eine kluge Strategie um Wörter zu aktivieren, sagt die Therapeutin. Vor anderthalb Jahren hatte der 50jährige einen Schlaganfall.

 

I-R: Können Sie sich noch an Ihren Schlaganfall erinnern?

Patient: Kaum. Ich hatte starke Kopfschmerzen und habe mich hingelegt. Dachte, eine Kopfschmerztablette würde helfen. Aufgewacht bin ich erst wieder im Krankenhaus. Ich habe erst mal gar nicht realisiert, was jetzt eigentlich los war. Ich wollte den Arzt, der bei mir stand, fragen was denn los ist, aber ich brachte keinen Ton über die Lippen. Das fand ich sehr erschreckend.

 

I-R: War Ihnen in diesem Moment klar, dass Sie einen Schlaganfall hatten?

Patient: Der Arzt hatte es mir gesagt. Er hat gesehen, dass ich wach war und unruhig wurde und mir gesagt, dass ich einen Schlaganfall hatte. Ich habe ihn verstanden, aber antworten konnte ich nicht. Ich hab immer gedacht, so etwas würde mich nie treffen.

 

I-R: Wann konnten Sie das erste Mal wieder sprechen?

Patient: Am zweiten Tag brachte ich unverständliche Wörter im wirren Zusammenhang heraus. Niemand hatte mich verstanden. Weder meine Frau noch meine Ärzte. Dabei wollte ich nur wissen, wann ich wieder nach Hause und an meine Arbeit gehen könnte. Ich sagte Kaffee, Gehalt, Stuhl, Treppe. Ich verstand nicht was ich sagte. Irgendwann begriff ich, dass ich nicht verstanden wurde. Ich merkte, dass sich meine Frau sehr bemühte, aus meinem Kauderwelsch etwas Sinnvolles heraus zu verstehen. Aber immer wenn sie meinte zu verstehen und mir antwortete, wiederholte ich die Wörter wieder. Ich konnte zu dem Zeitpunkt noch nicht mal ja oder nein sagen. In diesen Momenten habe ich völlig verzweifelt, weil ich dachte, dass ich nie wieder reden könnte.

 

I-R: Wann haben Sie wieder Hoffnung gefasst?

Patient: Hoffnung fasste ich erst wieder, als ich in die Sprachtherapie kam. Ich wusste inzwischen dass ich eine Aphasie hatte und was das für mich bedeutete. Ich musste das Sprechen wieder neu erlernen. Auch viele Wörter musste ich neu lernen. Ich lernte Worte wie Rücken, Tisch, Wohnung. Man vergisst schnell, wie groß der eigene Wortschatz eigentlich ist. Es war bitter zu sehen, wie viel verloren war. Ich dachte häufig ans aufgeben. Aber dann machte ich wieder einen Schub und ich war total stolz auf mich, dass ich Telefon dem Bild Telefon zuordnen konnte. Meine Frau hat mich viel unterstützt. Ich war sehr ungeduldig, weil ich dachte, es müsste viel schneller gehen. Schließlich konnte ich all das ja alles schon mal. Das hätte doch alles in meinem Gehirn noch irgendwo sein müssen. Ich bin richtig depressiv geworden. Es hat lange gedauert zu akzeptieren, dass alles nur in kleinen Schritten voran geht und dass ich meinen alten Wortschatz vielleicht nie wieder erreichen werde.

 

I-R: Anderthalb Jahre sind nach dem Schlaganfall jetzt vergangen. Wie geht es Ihnen heute?

Patient: Ich habe immer noch ein wenig Probleme mit dem Sprechen. Das Wort Kühlschrank macht mir Probleme. Manchmal kann ich es nicht behalten. Ich kann inzwischen schon ein wenig Zeitung lesen. Aber nur kleine, leichte Texte. Schreiben geht echt gut. Manchmal bleibe ich aber immer noch mitten im Satz hängen und weiß nicht mehr, wie der Satz hätte heißen sollen. Ich gehe weiterhin in die Sprachtherapie und freue mich über jeden Fortschritt. Ich habe die Hoffnung, dass ich mich wieder ganz normal unterhalten kann.

 

Aphasie. Therapie

Ziel der Therapie ist, das Sprechen und das Sprachverständnis wieder zu reaktivieren.

Therapie

Aphasie. Symptome

Typische Symptome einer Aphasie sind Sprachstörungen und Verständnisstörungen.

Symptome

 

Aphasie. Diagnose

Bei Behandlungsbeginn erfolgt eine auf wissenschaftlichen Erkenntnissen basierende Sprachdiagnostik.

Diagnostik