Morbus Dupuytren. Diagnostik, Therapie & OP

Die Handveränderung kann meist gut behandelt werden.

Neben der operativen Versorgung kann der Morbus Dupuytren auch konservativ behandelt werden.

Neben der operativen Versorgung kann der Morbus Dupuytren auch konservativ behandelt werden.

Für einen erfahrenen Arzt ist der Morbus Dupuytren meist gleich erkennbar: Die typischen Fingerverkrümmungen geben in Verbindung mit einer Prüfung der Fingerbeweglichkeit, familiärer Häufung sowie dem Tastbefund der Hand rasch Hinweise auf die Erkrankung. Diese ist heute mit verschiedenen Therapieansätzen gut behandelbar.

War bei Morbus Dupuytren früher eine Operation oft unausweichlich, stehen dem behandelnden Arzt heute auch konservative Therapievarianten zur Verfügung. So können die verwachsenen Bindegewebsstränge in der Hand etwa durch den Einsatz von Medikamenten oder feiner Nadeln auch ohne einen Eingriff gelöst werden.

 

Diagnostik, Therapie, Behandlung & OP bei Morbus Dupuytren.

Diagnostik. Dem Morbus Dupuytren auf der Spur

Wie wird ein Morbus Dupuytren festgestellt?

Bei der ärztlichen Untersuchung der Hand kann ein Morbus Duputren gut erkannt werden.

Bei der ärztlichen Untersuchung der Hand kann ein Morbus Duputren gut erkannt werden.

Für einen erfahrenen Arzt ist die Erkrankung eine Blickdiagnose. Diese wird durch die Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) und Untersuchung des Patienten ergänzt.

 

Dazu gehören:

  • Klärung der familiären Häufung
  • Vorliegen von Erkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), Epilepsie, Lebererkrankung, Nerveneinengung (Nervenkompression)
  • Untersuchung der Hand sowie der Finger nach Verhärtungen, Überprüfen der Hautverschieblichkeit
  • Funktionsprüfung, d. h. inwieweit kann der Finger bewegt werden (Faustschluss, -streckung, -spreizung)
  • Sensibilitätsprüfung (liegen Gefühlsstörungen vor?)
  • Überprüfung der Durchblutung
 

Differentialdiagnose bei Morbus Dupuytren.

Als Differentialdiagnose sollten geschrumpfte und verhärtete Narben (Narbenkontraktur), Arthrose der Fingergelenke, angeborene Fingerkrümmungen (Kamptodaktylie), Ringbandstenose, umgangsprachlich „Schnappfinger“ oder „schnellender Finger“ in Betracht gezogen werden.

 

Konservative Behandlung. Therapie bei Morbus Dupuytren

Neue Therapien bieten Alternativen zur OP.

Lange Zeit konnten Patienten mit Morbus Dupuytren nur durch aufwendige Operationen behandelt werden. Diese versprechen zwar dauerhafte und langfristige Verbesserungen, gehen jedoch auch mit längerer Erholungsphase und Ruhigstellung der betroffenen Hand einher.

Jetzt stehen sogar gleich zwei ambulante Verfahren zur Verfügung: Die Collagenasebehandlung (Enzymbehandlung) und die Nadelfasziotomie. Sie bieten vielversprechende Alternativen zur OP.

 

Alternative I: Collagenasebehandlung oder Enzymbehandlung.

Mit der Collagenasebehandlung oder Enzymbehandlung kann ein Morbus Duputren konservativ behandelt werden.

Mit der Collagenasebehandlung oder Enzymbehandlung kann ein Morbus Duputren konservativ behandelt werden.

Die Behandlung mit einem Medikament, die Collagenasebehandlung oder Enzymbehandlung, ist für Patienten mit Morbus Dupuytren eine vollkommen neue Möglichkeit. Diese Methode ist erst seit Mai 2011 in Deutschland zugelassen. Da unsere Handchirurgen aber teilweise bereits in der Erprobungsphase in Schweden hiermit Erfahrungen sammeln konnten, blicken wir auf mehr als fünf Jahre Erfahrung mit dieser Methode zurück.

Das Vorgehen hierbei: Das Enzym Collagenase wird direkt in den verdickten  Bindegewebsstrang in der Hand eingespritzt und schwächt diesen. „Stellen Sie sich das vor als hätten Sie einen Eisklotz in der Hand, der jetzt zum Schmelzen gebracht wird“, erklärt Handchirurg Dr. Bernhard Lukas. Die Spritze kann durch einen erfahrenen Spezialisten ambulant gezielt gesetzt werden. Dann heißt es warten.

Nach 24 Stunden ist der Strang dann so geschwächt, dass der Handchirurg ihn mit einer gezielten Überstreckung der Handfläche zerbrechen kann. „Unsere Patienten kommen für diese Behandlung also lediglich zwei Tage hintereinander kurz vorbei, brauchen keine Vollnarkose und haben keine offenen Wunden“, sagt Dr. Lukas den Vorteil dieser Behandlung. Die Hand wird einen Tag geschient und kann am nächsten wieder voll eingesetzt werden. Voraussetzung ist allerdings ein bereits sehr ausgeprägter, gut tastbarer Bindegewebsstrang.

 

Alternative II: PNF Methode oder Nadelfasziotomie.

Bereits seit einigen Jahren wird bei Morbus Dupuytren Patienten ambulant und unter örtlicher Betäubung mit einer feinen Nadel der Bindegewebsstrang durch die Haut zerstochen. So wird dieser wie bei der Enzymbehandlung geschwächt und kann ebenfalls unter Zug zerbrochen werden. Dieses Verfahren nennt sich PNF Methode oder Nadelfasziotomie und kann ambulant durchgeführt werden.

„Gerade bei einer Krümmung im Grundgelenk sind die Ergebnisse hierbei relativ gut“, so Handchirurg Dr. Lukas. Voraussetzung ist allerdings ebenfalls ein ausgeprägter, gut tastbarer Bindegewebsstrang: „Sonst kann ich als Arzt nicht gezielt stechen. Das ist zu riskant.“

 

Operative Versorgung. OP bei Mobus Duputren

Operation durch neuen Methoden nicht überholt.

Eine Operation bietet bei Morbus Duputren bessere Langzeitergebnisse als die konservative Therapie.

Eine Operation bietet bei Morbus Duputren bessere Langzeitergebnisse als die konservative Therapie.

Bei noch nicht gut tastbaren Strängen, also im Anfangsstadium der Krankheit, wie auch in sehr fortgeschrittenen Stadien mit sehr stark verkrümmten Händen (mehr als 90 Grad) bietet eine Operation weiterhin die besten wie auch sichersten Behandlungsergebnisse. Zudem bietet eine OP bessere Langzeitergebnisse, auch wenn diese mit einem Krankenhausaufenthalt und einer längeren Regenerationszeit verbunden sind. Nach einer OP dauert es etwa sechs bis acht Wochen, bis die Hand wieder eingesetzt werden kann.

„Ambulant ist schneller und einfacher geholfen – aber der Patient ist auch schneller wieder bei uns, weil wahrscheinlich ein Folgeeingriff nötig ist“, erklärt Handchirurg Dr. Lukas die Vor- und Nachteile. „Bei der Hälfte der Patienten treten nach den ambulanten Behandlungen nach etwa drei Jahren wieder Probleme auf. So muss individuell bei jedem Patienten entschieden werden, welche Behandlungsmethode aktuell am besten zur Verbesserung der Lebensqualität geeignet ist.“

 

OP-Nachsorge: Regelmäßige Bewegungsübungen.

Im Anschluss an die Operation muss die Hand für einige Zeit ruhig gestellt werden. Hierfür bekommen unsere Patienten eine maßgefertigte Ergoschiene angepasst. In den ersten zwei Wochen nach der OP muss die Schiene Tag und Nacht getragen werden sowie weitere sechs Monate nachts.

Bereits ein oder zwei Tage nach der Operation wird die Schiene aber zu Übungszwecken abgenommen, damit Finger und Hand so früh wie möglich wieder bewegt werden können. Unsere Therapeuten zeigen dann, wie auch Zuhause die Hand durch gezielte Übungen trainiert und wieder optimal beweglich wird.

 

Nachsorge nach Hand-OPs

Operationen an der Hand verfolgen das Ziel, die Handfunktion möglichst optimal wiederherzustellen.

Nachsorge nach Hand-OPs

 

Experten-Interview: Operation bei Morbus Duputren.

Interview mit unserem Handchirurgen Dr. Bernhard Lukas.

Wie lässt sich der Morbus Dupuytren behandeln? Handexperte Dr. Bernhard Lukas gibt Antworten.

Wie lässt sich der Morbus Dupuytren behandeln? Handexperte Dr. Bernhard Lukas gibt Antworten.

Wenn Finger vor Kälte steif werden, lässt es sich am besten nachvollziehen: Hände sind das wichtigste Werkzeug des Menschen. Der Mensch denkt. Die Finger handeln! Sind sie steif gefroren, ist es schwierig einen Schlüssel aus der Tasche zu fingern und die Haustür aufzuschließen.

Lassen sich Finger krankheitsbedingt nicht mehr strecken, ist deshalb ärztlicher Rat gefragt. Ein Gespräch mit dem Handchirurgen Dr. Bernhard Lukas, Chefarzt der Schön Klinik München Harlaching.

 

Finger, die sich nicht mehr strecken lassen, immer verkrümmter und unbeweglicher werden. Das gibt es?

Dr. Lukas: Oh ja! Es kann sich dabei um die gutartige Bindegewebserkrankung Morbus Dupuytren handeln. Die Patienten können irgendwann ihre Hand nicht mehr flach auf den Tisch legen. Die Finger verkrümmen sich immer stärker. So, als würde die Handfläche ein oder zwei Finger magisch anziehen – sehr selten sind alle fünf betroffen. Das Bindegewebe dieser Patienten bildet zuerst Knoten, später Stränge. Die kann man in der Hand oft auch gut sehen oder tasten. Die Stränge breiten sich von der Handfläche über die Gelenke zu den Fingerspitzen aus.

 

Gibt es weitere Anzeichen?

Dr. Lukas: Nein. Ein oder mehrere krumme Finger – so zeigt sich die Krankheit. Warum sich diese knotigen Stränge bilden ist noch nicht komplett erforscht, liegt aber im Erbgut. Männer sind acht Mal häufiger betroffen als Frauen. Vor allem Männer ab 50, die viel und hart gearbeitet haben. Schmerzhaft ist die Erkrankung kaum oder gar nicht. Aber lästig! Unsere Hände und Finger sind ja im Alltag ständig im Einsatz.

 

Wie lange kann es dauern, bis ein Patient Beschwerden wahrnimmt? Bis der erste Finger krumm ist?

Dr. Lukas: Es gibt keine Zeitschiene. Viele Betroffene können auch die Ursache für ihre krummen Finger erst nicht einordnen. Sie glauben, es handelt sich um eine Sehnenverkürzung. Generell gilt aber: Je jünger der Patient, desto aggressiver ist in der Regel der Verlauf. Bei einem Patienten mit 70 Jahren verkrümmen sich also die Finger sehr langsam, bei einem mit 40 Jahren wird der Zustand sehr schnell schlechter – manchmal innerhalb weniger Monate.

 

Heißt das dann sofort OP?

Dr. Lukas: Nein. Aber das heißt handeln! Krumme Finger müssen nicht krumm bleiben. Egal in welchem Alter. Sie müssen auch nicht gleich operiert werden. Aktuell kann ein Patient zwischen drei Behandlungsoptionen wählen. Völlig neu ist die Behandlung mit einem Medikament: Die Collagenasebehandlung. Hier wird ein Enzym in den Strang gespritzt, der dann langsam aufweicht. Als würde ich eine Schulter einrenken, muss ich als Handspezialist nur einmal fest an der Hand ziehen – und der Strang geht kaputt. Die Finger sind wieder beweglich. Diese Methode ist erst seit Mai in Deutschland zugelassen. Keine Vollnarkose, keine offene Wunde und die Hand nach wenigen Tagen wieder einsetzbar.

 

Und die zweite Möglichkeit?

Dr. Lukas: Seit einigen Jahren gibt es bereits eine Methode, bei der wir mit einer feinen Nadel unter örtlicher Betäubung den Bindegewebsstrang durch die Haut zerstechen und dadurch schwächen. Wieder kann ich mit einem gezielten Griff den Strang zerstören. Ebenfalls ambulant.

 

Ist eine Operation also durch die neuen Methoden überholt?

Dr. Lukas: Ganz und gar nicht. Das ist Option drei. Wer zu lange wartet, den können wir mit Methode eins und zwei oft nicht mehr behandeln. Ich sehe aktuell in der operativen Methode auch noch den Vorteil eines besseren Langzeitergebnisses. Was die beste Methode ist, muss ganz individuell entschieden werden. Wichtig ist, dass der Patient wieder ohne Probleme im Alltag greifen und fassen kann. Schlüssel nehmen. Haustür aufschließen. Jacke aufknöpfen und ausziehen – sie glauben gar nicht, wie viel Fingerfertigkeit das benötigt.

 

Ärzte & Therapeuten

Unsere Spezialisten im Überblick: Finden Sie hier Ihren Arzt für die Behandlung von Morbus Duputren und Handveränderungen.

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