Hallux rigidus. Diagnostik, Therapie & OP

Behandlung bei Arthrose im Großzehengrundgelenk.

Je nach Stadium der Erkrankung kann ein Hallux rigidus konservativ oder operativ behandelt werden.

Je nach Stadium der Erkrankung kann ein Hallux rigidus konservativ oder operativ behandelt werden.

Schmerzen bei Belastung, Entzündungszeichen im großen Zeh, verminderte Beweglichkeit: Ein Hallux rigidus schränkt den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen mit Fortschreiten der Erkrankung immer mehr ein.

Im frühen Stadium kann die Arthrose des Großzehengrundgelenks oft konservativ behandelt werden. Ist der Knorpel im Gelenk stark geschädigt und nehmen die Beschwerden zu, ist eine Operation an der großene Zehe notwendig. Doch nicht immer muss es gleich eine Versteifung (Arthrodese) des Großzehengrundgelenks sein: Von der Umstellungsosteotomie bis zum Gelenkersatz gibt es heute gibt es eine Vielzahl an Eingriffen, die eine effektive Behandlung des Hallux rigidus ermöglichen.

 

Diagnostik, Therapie & Behandlung bei Hallux rigidus.

Diagnostik. So wird ein Hallux rigidus festgestellt

Wie wird eine Arthrose am Großzehengrundgelenk festgestellt?

Festgestellt wird der Hallux rigidus durch eine ärztliche Untersuchung. Aufschluss über die Gelenkerkrankung geben vor allem Röntgenbilder.

Festgestellt wird der Hallux rigidus durch eine ärztliche Untersuchung. Aufschluss über die Gelenkerkrankung geben vor allem Röntgenbilder.

Die Diagnose einer Arthrose am Großzehengrundgelenk basiert auf der Untersuchung des Gelenkes und Röntgenaufnahmen des Fußes unter Belastung. Ergibt sich auf den Röntgenaufnahmen der Hinweis auf eine entzündliche Gelenkerkrankung (z. B. Rheuma) oder eine Stoffwechselstörung (Gicht) können ergänzend Laboruntersuchungen des Blutes durchgeführt werden.

 

Klinische Untersuchung des Hallux rigidus.

Bei der Untersuchung zeigt sich eine knöcherne Auswölbung des Gelenks nach oben, die durch die mechanische Irritation im Schuh oft gerötet ist. Teilweise hat sich durch die ständige mechanische Reizung auch ein entzündlicher Schleimbeutel gebildet. Es besteht eine Einschränkung der Beweglichkeit vor allem nach oben sowie eine Druckschmerzhaftigkeit rund um das Gelenk. In frühen Stadien ist nur die kraftvolle Bewegung der Zehe in Richtung Fußrücken schmerzhaft, in fortgeschritten Stadien besteht die Schmerzhaftigkeit bei allen Bewegungen.

 

Röntgenaufnahmen.

Im Röntgenbild wird die Arthrose des Großzehengrundgelenks sichtbar.

Im Röntgenbild wird die Arthrose des Großzehengrundgelenks sichtbar.

Auf den Röntgenaufnahmen ist das Ausmaß der Gelenkspaltverschmälerung erkennbar sowie die Bildung der knöchernen Ausziehungen (Osteophyten). Im frühen Stadium ist nur der obere Anteil des Gelenks betroffen, im fortgeschrittenen Stadium das gesamte Gelenk. Auch ergeben sich auf Röntgenaufnahmen Hinweise auf Rheumaerkrankungen oder Gicht.

 

Konservative Behandlung. Therapie bei Hallux rigidus

Behandlung ohne OP im frühen Arthrosestadium.

Ein beginnender Hallux rigidus kann mit Physiotherapie behandelt werden, um die auftretenden Beschwerden zu lindern.

Ein beginnender Hallux rigidus kann mit Physiotherapie behandelt werden, um die auftretenden Beschwerden zu lindern.

In den frühen Stadien der Erkrankung kann durch nicht-operative Maßnahmen in vielen Fällen eine deutliche Beschwerdelinderung erreicht werden. Im Mittelpunkt der Behandlung stehen dabei die Reduktion der mechanischen Beanspruchung des Gelenkes, des lokalen Drucks auf die knöcherne Ausziehungen sowie der Gelenkentzündung und Schwellung.

 

Hierfür sind folgende Behandlungsansätze möglich:

  • Einlagen mit steifer Sohle 
    Eine Einlage mit steifer Sohle führt dazu, dass die Abrollbewegung vom Fuß auf die Schuhsohle verlagert wird. Beim Abrollen des Fußes wird die große Zehe weniger nach oben gebogen und damit der schmerzhafte Anteil der Bewegung vermieden.
  • Ballenrolle 
    Unter Ballenrolle versteht man eine Modifikation der Schuhsohle. Ein abgerundetes Stück Gummi wird außen an die Schuhsohle geklebt. Diese führt zu einer reduzierten Flexibilität der Sohle im Bereich des Großzehengrundgelenkes und erleichtert durch die Wölbung die Abrollbewegung im Schuh.
  • Ausfräsen des Raums unter dem Großzehengrundgelenk 
    Diese Technik hat sich vor allem bei Sportschuhen bewährt. Hierbei wird die Sohle unter der Großzehe kastenförmig ausgefräst und der Hohlraum mit einem sehr weichen Material aufgefüllt. Bei der Anrollbewegung kann die Großzehe in das weiche Material eintauchen und wird weniger in Richtung Fußrücken gedrückt.
  • Physiotherapie 
    Mit verschiedenen Übungstechniken kann versucht werden, die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk zu verbessern und gleichzeitig den Entzündungsreiz zu reduzieren. Das zugrunde liegende Problem des Gelenkverschleißes lässt sich aber auch durch Krankengymnastik nicht beheben.
  • Schuhe mit weichen Obermaterial und Großzehenraum
    Hat das Großzehengrundgelenk genug Platz im Schuh, führt dies meist schon zu einer deutlichen Verminderung der Beschwerden. Allerdings sind Schuhe mit großem Zehenraum mit den modischen Wünschen von Frauen schwer in Einklang zu bringen.
  • Entzündungshemmende Medikamente 
    Liegt eine ausgeprägte Entzündung im Großzehengrundgelenk vor, können entzündungshemmende Substanzen (z. B. Diclofenac, Ibuprofen) diese positiv beeinflussen. Eine dauerhafte Einnahme dieser Medikamente kann jedoch zu Leber- und Nierenschäden führen.
  • Knorpelaufbaupräparate 
    Die Wirksamkeit von Knorpelaufbaupräparaten ist wissenschaftlich nach wie vor umstritten. Es gibt allerdings erste Hinweise, dass zu mindestens eine Reduktion der Schmerzen erreicht werden kann. Ein tatsächlicher Aufbau von Knorpel konnte aber weder die Einnahme von entsprechenden Tabletten noch durch die Injektion dieser Substanzen ins Gelenk nachgewiesen werden.
 

Behandlung durch Operation. Hallux rigidus OP

Operative Arthroskopie des Großzehengrundgelenks.

Durch eine Arthroskopie können kleinere Schäden im Großzehengrundgelenk im Rahmen einer kurzen OP beseitigt werden.

Durch eine Arthroskopie können kleinere Schäden im Großzehengrundgelenk im Rahmen einer kurzen OP beseitigt werden.

In sehr frühen Stadien von Hallux rigidus kann durch eine Arthroskopie des Großzehengrundgelenks eine Linderung der Beschwerden erreicht werden. Hier werden die entzündliche Gelenkinnenhaut in einer OP entfernt und knöcherne Ausziehungen abgetragen. Da die Ursache der Arthrose durch die Operation aber nicht beseitigt werden kann, schreitet der Hallux rigidus trotz OP langsam weiter fort.

 

Abtragung schmerzhafter Knochenvorsprünge (Cheilektomie).

Bis zu Grad II kann durch eine Abtragung der knöchernen Vorsprünge und eine Entfernung des degenerativ veränderten Gelenkbezirks eine Besserung der Beweglichkeit und eine Reduktion der Beschwerden erreicht werden. Die Operation wird über einen kleinen Schnitt über den Großzehengrundgelenkballen durchgeführt. Wichtig ist die intensive Beübung des Großzehengrundgelenks nach der OP.

 

Umstellungsosteotomie bei Hallux rigidus.

Liegt gleichzeitig zum Gelenkverschleiß eine Fehlstellung vor, z.B. ein nach oben verschobener 1. Mittelfußkochen, so wird diese Fehlstellung im Zuge der Operation korrigiert. Durch eine Kippung der Gelenkfläche ist es in Einzelfällen auch möglich, die Gelenkkonfiguration so zu ändern, dass Ariale mit guten Knorpel in die Hauptbelastungszone gedreht werden, Ariale mit schlechten Knorpel werden entlastet (z. B. OP nach Morberg, Verkürzungsosteotomien).

 

Resektionsarthroplastik-OP bei Hallux rigidus.

Die früher bei einem Hallux rigidus häufig durchgeführten Resektionsarthroplastiken (z. B. OP nach Keller-Brandes) haben langfristig zu keinen guten Ergebnissen geführt und sind zwischenzeitlich weitgehend verlassen worden. Bei dieser Operation wird das Gelenk weitgehend entfernt.

Das grundliegende Problem dieser Eingriffe ist, dass es sich um eine innere Amputation der Großzehe handelt. Die Großzehe verliert sehr viel an Kraft vor allem in der Beugung, was zu erheblichen Störungen des Gangbilds führen kann. Aufgrund der häufig unbefriedigenden Langzeitergebnisse wird dieser Eingriff nur in Ausnahmefällen durchgeführt.

 

Arthrodese (Gelenkversteifung) bei Hallux rigidus.

Bei einer Arthrodese wird das schmerzhafte Großzehengrundgelenk in einer Operation versteift.

Bei einer Arthrodese wird das schmerzhafte Großzehengrundgelenk in einer Operation versteift.

Liegt bei einem Hallux rigidus bereits ein vollständig zerstörtes Gelenk vor, bietet die Versteifung des Großzehengrundgelenkes in einer OP eine gute Behandlungsoption bezüglich Schmerz und Belastbarkeit.

Bei dieser Operation wird der zerstörte Knorpel aus dem Gelenk entfernt und beide Gelenkflächen miteinander verschraubt. Ist die knöcherne Heilung abgeschlossen, so kann der Fuß auch sportlich uneingeschränkt belastet werden: Die Abrollbewegung wird dann weitgehend vom Großzehenendgelenk übernommen.

 

Knorpelrekonstruktion durch OP.

Verschiedene Ansätze werden aktuell verfolgt, die Gelenkfläche auch in fortgeschrittenen Stadien zu rekonstruieren, um die Versteifung des Gelenkes zu vermeiden. Hierbei kommen Knochenknorpeltransplantation (z. B. vom Knie) oder die Einlage von speziellen Membranen, welche das Einwachsen von Knorpelzellen begünstigen sollen, zur Anwendung.

Umfassende wissenschaftliche Daten zu diesem OP-Verfahren liegen derzeit noch nicht vor, so dass eine abschließende Bewertung nicht möglich ist. Es ist aber im Einzelfall sorgfältig zu überlegen, ob zur Rettung des Großzehengrundgelenks ein Stück Knorpel z. B. aus dem Knie geholt werden soll. Da die Entnahme von Knorpel am Knie in bis zu 40% der Patienten zu mehr oder weniger großen Langzeitbeschwerden am Kniegelenk führt.

 

Endoprothetischer Gelenkersatz bei Hallux rigidus.

Verschiedene künstliche Gelenke (Endoprothesen) werden derzeit für das Großzehengrundgelenk angeboten. Auch wenn für die verschiedenen Produkte immer wieder sehr gute kurzfristige Behandlungsergebnisse berichtet werden, sind die Langzeitergebnisse bisher ausnahmslos unbefriedigend. Die Implantation einer Prothese am Großzehengrundgelenk ist prinzipiell eine mögliche Option, allerdings muss mit dem Patienten klar besprochen werden, dass ein Versagen des Implantats über einen Zeitraum von 5 Jahren durchaus möglich ist und dann eine Versteifung des Gelenkes notwendig wird.

Das Problem sämtlicher gelenkerhaltender Verfahren (Arthroskopie, Cheilektomie, Umstellungsosteotomien) ist, dass diese das Grundproblem der Arthrose nicht beseitigen können. In allen diesen Fällen ist mit einem langsamen Fortschreiten der Erkrankung zu rechnen, so dass unter Umständen im weiteren Verlauf doch noch eine Arthrodese, evtl. auch Prothese, am Großzehengrundgelenk notwendig wird. Der Vorteil dieser Verfahren ist der Erhalt der Gelenkbeweglichkeit. Gerade bei den Umstellungsosteotomien und bei der Cheilektomie werden weiterhin keine Brücken abgerissen, das heißt, dass eine Versteifung oder Prothese zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit möglich ist. Nach einer Resektionsarthroplastik ist eine Versteifung technisch möglich, aber ungleich aufwändiger: der entfernte Knochen muss durch ein Stück vom Beckenknochen ersetzt werden, da sonst der große Zeh zu kurz geraten würde.

 

Rehabilitation nach einer Hallux rigidus OP.

Nach einer OP gilt es, die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk wieder herzustellen.

Nach einer OP gilt es, die Beweglichkeit im Großzehengrundgelenk wieder herzustellen.

In der ersten Phase nach einem operativen Eingriff steht die Behandlung postoperativer Schmerzen sowie Lymphdrainage zur Reduktion der Schwellung im Vordergrund. Mit Ausnahme der Gelenkversteifung wird bei allen anderen Verfahren frühzeitig mit einer Mobilisationsbehandlung am Großzehengrundgelenk begonnen.

Je nach Bewegungseinschränkung kann sich die Mobilisationsbehandlung von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten hinziehen. War das Großzehengrundgelenk vor der Operation schon weitgehend eingesteift, ist es durchaus möglich, dass kein normaler Bewegungsumfang erreicht werden kann.

 

FAQ. Häufig gestellte Fragen & Antworten

Ich möchte gerne die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks erhalten. Ist eine Prothese eine gute Behandlungsoption?

Es gibt verschiedene künstliche Gelenke zum Ersatz des Großzehengrundgelenks. Verschiedene Produkte haben auch in ersten Untersuchungen akzeptable Ergebnisse geliefert, allerdings waren die Langzeitresultate bisher immer enttäuschend. Je stärker die mechanische Belastung des Gelenks (z. B. durch Sport), desto geringer ist die Haltbarkeit eines künstlichen Gelenks. Gerade für aktive Menschen stellt die Prothese am Großzehengrundgelenk derzeit keine gute Option dar, da in weit über 50% mit einem Fehlschlag innerhalb der ersten 5 Jahre gerechnet werden muss. Möglicherweise wird sich dies in einigen Jahren ändern, derzeit ist aber die wissenschaftliche Datenlage eindeutig.

 

Kann ich nach einer Versteifung des Großzehengrundgelenks Sport treiben?

Nachdem eine Versteifung des Gelenks (Arthrodese) verheilt ist, bestehen keine Bedenken gegen Sport. Einschränkungen bestehen bei Sportarten, welche einen großen Bewegungsumfang des Großzehengrundgelenks benötigen. Beispiele hierfür sind Tanzen oder Freestyle Klettern. Laufsport ist gut möglich, ebenso Bergsteigen, Skifahren oder Radsport.

 

Wann sollte eine Operation bei Arthrose des Großzehengrundgelenks geplant werden?

Da keiner der Eingriffe die Arthrose wirklich behandelt, sondern alle Verfahren nur die Beschwerden der Arthrose, vor allem Schmerzen, therapieren, sollte sich die Indikation für eine Operation vor allem an den Beschwerden orientieren. Behandelt wird der Patient, nicht das Röntgenbild. Oft kann auch durch eine nichtoperative Behandlung eine Reduktion der Beschwerden erreicht werden. Nehmen die Schmerzen aber weiter zu, bieten die verschiedenen stadiengerechten Behandlungsverfahren gute Ergebnisse bei der Mehrzahl der Patienten.

 

Hallux rigidus

Arthrose im Grundgelenk der Großzehe ist eine häufige Ursache für Schmerzen und eingeschränkte Beweglichkeit.

Hallux rigidus

Spezialisierte Kliniken

Finden Sie hier die passende Spezial-Klinik oder ein Krankenhaus für die Behandlung von Hallux rigidus und Arthrose der Zehengelenke.

Spezialisierte Kliniken

 

Ärzte & Therapeuten

Unsere Fuss-Experten im Überblick: Hier finden Sie unsere auf die Behandlung von Hallux valgus spezialisierten Ärzte & Orthopäden.

Ärzte & Therapeuten

 

Die beste Klinik finden!

Unsere Beratung kennt die geeignete Klinik und hilft Ihnen dabei, schnell das geeignete Behandlungsangebot zu finden.

Klinikberatung für Gelenke