Arthrose im Sprunggelenk. Diagnostik, Therapie, OP

Die Behandlung hängt vom Stadium des Gelenkverschleißes ab.

Je nach Ausprägung der Arthrose im Sprunggelenk kann eine konservative oder operative Behandlung in Frage kommen.

Je nach Ausprägung der Arthrose im Sprunggelenk kann eine konservative oder operative Behandlung in Frage kommen.

Schmerzen beim Gehen oder in Ruhe, eine zunehmende Einschränkung der Beweglichkeit und Entzündungszeichen am Gelenk sind typische Hinweise auf eine Arthrose im Sprunggelenk. Welche Behandlung am besten hilft, hängt in erster Linie vom Stadium der Arthrose und dem Grad der auftretenden Beschwerden ab.

Stellte früher die Versteifung des Sprunggelenks die einzige Behandlungsmöglichkeit dar, gibt es mittlerweile bei Gelenkverschleiß im Sprunggelenk für jedes Stadium eine Alternative – ohne, dass Betroffene Beweglichkeit einbüßen müssen. Orthopädisches Schuhwerk, Gelenksanierungen oder der Einsatz eines künstlichen Gelenks sind einige Behandlungsmöglichkeiten.

 

Sprunggelenk-Arthrose. Diagnostik, Therapie, Behandlung & OP

Diagnostik. Der Sprunggelenksarthrose auf der Spur.

Wie wird eine Arthrose im Sprunggelenk festgestellt?

Das erste ausführliche Gespräch zur Krankheitsgeschichte liefert bereits wertvolle Hinweise bei einem Verdacht auf eine Arthrose im Sprunggelenk. Vorangegangene Unfälle mit Knochenbrüchen, instabile Bänder oder entzündliche Gelenkerkrankungen kommen beispielsweise als mögliche Auslöser in Frage und geben Anlass, das Sprunggelenk genauer zu untersuchen.

 

Röntgenbilder machen den Gelenkspalt sichtbar.

Wie groß ist der Gelenkspalt? Röntgenbilder in zwei Ebenen geben wichtige Hinweise bei einem Verdacht auf Arthrose im Sprunggelenk.

Wie groß ist der Gelenkspalt? Röntgenbilder in zwei Ebenen geben wichtige Hinweise bei einem Verdacht auf Arthrose im Sprunggelenk.

Im zweiten Schritt liefern bildgebende Verfahren die nächsten Hinweise. Röntgenbilder in zwei Ebenen unter Belastung erlaubt eine Beurteilung des Gelenkspalts – also dem Abstand der einzelnen Gelenkknochen zueinander. Ein schmaler Gelenkspalt deutet darauf hin, dass sich Knorpel im Gelenk abgerieben hat, also bereits eine Arthrose vorliegt.

Auch Fehlstellungen des Gelenks und knöcherne Auswüchse, die das Gelenk behindern können, sind auf Röntgenaufnahmen sichtbar. Steht der Patient beim Röntgen auf nur einem Bein, lässt sich auch die Beinachse beurteilen.

 

MRT & CT liefern weitere Hinweise auf Sprunggelenksarthrose.

Zur besseren Beurteilung des Gelenkknorpels und um mögliche Schäden an Sehnen und Bändern zu entdecken, ist eine Kernspintomographie (MRT) nötig. „Diese Untersuchung wird aber vor allem dann durchgeführt, wenn es darum geht, das Ausmaß des Knorpelschadens exakt zu beurteilen“, sagt Professor Dr. Markus Walther, Chefarzt der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Schön Klinik München Harlaching. „Sollen Fehlstellungen im Gelenk besser dargestellt werden, bietet sich eher die Computertomographie (CT) an. Hier sind die Abbildung des Knochens exakter ist, als beim Röntgen oder im Kernspin“.

Bei ausgeprägten Entzündungszeichen oder dem Verdacht auf eine Rheumaerkrankung, kann die Ursache der Arthrose durch eine Blutuntersuchung weiter eingegrenzt werden.

 

Konservative Therapie der Arthrose im Sprunggelenk.

Orthopädische Schuhe im Frühstadium.

Das Gelenk knackt. Es tut ab und zu weh. Es schwillt an. Der Fuß lässt sich nicht komplett bewegen – so stellt sich Arthrose meist im Anfangsstadium dar. Wird aber die Abrollbewegung des Fußes von der Schuhsohle übernommen, können die Beschwerden deutlich reduziert werden. Eine abgerundete Schuhsohle (Abrollhilfe) ist die eventuelle Lösung des Problems.

Verschiedene Hersteller bieten bereits Schuhe mit einer abgerundeten Sohle an. Alternativ können auch Konfektionsschuhe vom orthopädischen Schuhmacher eine neue, abgerundete Sohle angepasst bekommen. Eine zweite Möglichkeit bieten Schuhe, die den Fuß stabilisieren, das Sprunggelenk fassen und es von außen unterstützen. Beide Konzepte schränken die Schuhwahl jedoch deutlich ein – so stößt dieses Konzept gerade bei Frauen auf wenig Gegenliebe.

 

Operation. Von Arthroskopie bis zum künstlichen Gelenk

OP: Arthroskopie.

Bei der Arthroskopie lassen sich Wucherungen im Sprunggelenk schonend entfernen.

Bei der Arthroskopie lassen sich Wucherungen im Sprunggelenk schonend entfernen.

Ein großer Gelenkspalt weist auf einen gut erhaltenen Knorpel hin. Dies ist eigentlich positiv. Finden sich auf den Röntgenbilder aber noch knöcherne Wucherungen, sollten diese in einem arthroskopischen Eingriff abgetragen werden. Denn sie behindern die Beweglichkeit des Gelenks und sorgen zudem für einen schnellen Abrieb des noch vorhandenen Knorpels.

Bei einer Arthroskopie-OP werden über einen kleinen Schnitt eine kleine Kamera und über einen zweiten die Instrumente in das Gelenk eingeführt. Selbst relativ große knöcherne Wucherungen lassen sich so gewebeschonend entfernen. Zwar kann so nicht die Arthrose vollständig beseitigt werden, aber es wird eine deutliche Schmerzverringerung wie auch größere Bewegungsfreiheit erreicht.

 

Knorpel aus dem Labor.

Fehlender Knorpel kann auch für kleine Flächen ersetzt werden. Hierzu werden Knorpelzellen aus dem Sprunggelenk entnommen, im Labor gezüchtet und dann in einer Operation wieder zurück in das Gelenk implantiert. Alternativ werden Membranen eingesetzt, die das Einwachsen von neuen Knorpelzellen begünstigen sollen. Diese Verfahren liefern vor allem bei Knorpelschäden am Sprungbein gute Ergebnisse, wie verschiedene Studien zeigen konnten. „Aber“, schützt Prof. Markus Walther vor falschen Hoffnungen, „liegt eine umfassende Arthrose des gesamten Gelenks mit großflächigen Knorpelschäden vor, sind diese Verfahren leider nicht geeignet.“

 

OP: Künstliches Sprunggelenk.

Ein künstliches Sprunggelenk hat in den meisten Fällen eine Lebensdauer von mehr als 10 Jahren und kann danach auch häufig noch ausgetauscht werden.

Ein künstliches Sprunggelenk hat in den meisten Fällen eine Lebensdauer von mehr als 10 Jahren und kann danach auch häufig noch ausgetauscht werden.

Ähnlich wie an Knie und Hüftgelenk besteht auch inzwischen die Möglichkeit, das obere Sprunggelenk in einer Operation durch ein künstliches zu ersetzen. So kann die Beweglichkeit im Sprunggelenk erhalten bleiben. Und selbst nach 10 Jahren sind zwischen 85 bis 90 Prozent der eingesetzten Prothesen noch intakt. Selbst eine Lockerung des künstlichen Sprunggelenks ist nicht unbedingt problematisch: Es kann in vielen Fällen noch einmal gegen ein neues ersetzt werden. Ist dies nicht möglich, wird das Sprunggelenk durch eine OP versteift – was ansonsten die Alternative zur Prothese gewesen wäre.

 

Versteifung des Sprunggelenks (Arthrodese).

Für die Versteifung des Sprunggelenks wird der zerstörte Knorpel aus dem Gelenk entfernt und das Sprungbein mit dem Schienbein verschraubt.

Für die Versteifung des Sprunggelenks wird der zerstörte Knorpel aus dem Gelenk entfernt und das Sprungbein mit dem Schienbein verschraubt.

Sind weder OP noch künstliches Gelenk eine Alternative, wird das Sprunggelenk versteift. Dazu werden der zerstörte Knorpel aus dem Gelenk entfernt und das Sprungbein mit dem Schienbein fest verschraubt. Es dauert zwischen 6 bis 12 Wochen, bis beide Knochen stabil zusammengewachsen sind. Der Vorteil hierbei: Der Fuß kann wieder nahezu unbegrenzt belastet werden. Gerade jüngere, aktive Patienten laufen damit nicht Gefahr, dass sich ihre Prothese lockert und ist daher dieser Patientengruppe zu empfehlen.

Allerdings verändert die Versteifung des Sprunggelenks sichtbar das Gangbild. Langzeitanalysen haben zudem gezeigt, dass die fehlende Beweglichkeit am Sprunggelenk zu einer deutlichen Mehrbelastung von Knie, Hüfte, Wirbelsäule und Mittelfuß führt. In einer Studie fanden sich 10 Jahre nach der Versteifung des Sprunggelenks in fast 80 Prozent der Patienten mehr oder weniger stark ausgeprägte Überlastungsreaktionen in diesen Gelenken.

 

Rehabilitation nach der Sprunggelenk-OP.

Wiederherstellung der Beweglichkeit im Fokus.

Für viele unserer Patienten beginnt mit dem operierten oder künstlichen Sprunggelenk ein neuer Lebensabschnitt. Vorbei ist die Zeit mit Sand im Getriebe, mit Schmerzen bei jedem Schritt oder eingeschränkter Beweglichkeit des Fußes. Das Gelenk kann jetzt wieder seine Funktion erfüllen. Von heute auf morgen ist dies jedoch nicht möglich.

Die Beweglichkeit im Gelenk zu erhalten oder wiederherzustellen steht deshalb im Fokus der Nachbehandlung – der sich vor allem unsere Physiotherapeuten annehmen. Denn vor allem krankengymnastische Übungen unterstützen den schnellen Genesungsprozess.

 

Individuelles Therapie-Konzept für jeden Patienten.

Die Nachbehandlung beginnt bereits am Tag nach der OP mit dem Schritt aus dem Bett. Danach folgen weitere Therapieschritte zur Verbesserung der Beweglichkeit.

Die Nachbehandlung beginnt bereits am Tag nach der OP mit dem Schritt aus dem Bett. Danach folgen weitere Therapieschritte zur Verbesserung der Beweglichkeit.

In der Schön Klinik ist es unser Anspruch, ein Behandlungskonzept aus verschiedenen Bausteinen individuell für jeden Patienten zusammenzustellen – immer nach den Maßgaben des operierenden Arztes. „Die Therapiemaßnahmen werden von den Stationsärzten bei der Visite mit dem Patienten besprochen und je nach Fortschritt angepasst“, erklärt Professor Dr. Markus Walther, Chefarzt der Fuß- und Sprunggelenkchirurgie das Vorgehen. Bereits am Tag nach der OP beginnt die Nachbehandlung mit dem ersten Schritt aus dem Bett.  

Nach der Implantation eines künstlichen Sprunggelenks empfiehlt sich zudem eine intensive und fachmännisch angeleitete Rehabilitation. Diese kann sowohl stationär als auch ambulant erfolgen.

 

Drei Monate Pause – danach wird dann trainiert.

Wurde das Sprunggelenk versteift, wird das Gelenk erst einmal 12 Wochen ruhig gestellt – so lange benötigen Sprungbein und Schienbein, um stabil miteinander zu verwachsen. Deshalb empfehlen wir unseren Patienten auch die ersten sechs Wochen nach der OP den Fuß gar nicht zu belasten.

Schritt für Schritt darf ab Woche sieben der Fuß dann mit wenig Gewicht belastet werden. Die neue Gehbewegung kann aber – auch erst Schrittweise – ab Woche 13 geübt und trainiert werden. Nach Abschluss der Heil- und Genesungsphase ist aber sogar Sport in den meisten Fällen wieder problemlos möglich.

 

FAQ. Häufig gestellte Fragen & Antworten

Unser Experte beantwortet Ihre Fragen.

Prof. Markus Walther.

Prof. Markus Walther.

Kann man einer Arthrose im Sprunggelenk vorbeugen? Gibt es Alternativen zur Gelenkversteifung? Und welche Sportarten können mit einem künstlichen Sprunggelenk ausgeführt werden?

Unser Fußexperte Prof. Dr. Markus Walther, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Schön Klinik München Harlaching, beantworten häufig gestellte Fragen unserer Patienten.

 

Wie kann ich einer Arthrose im Sprunggelenk vorbeugen?

Prof. Walther: Eine sichere Möglichkeit der Arthrose im Sprunggelenk vorzubeugen gibt es nicht. Allerdings gibt es verschiedene Faktoren, die das Fortschreiten und auch die Beschwerden einer Arthrose maßgeblich beeinflussen. Ein wesentlicher Faktor ist hierbei das Körpergewicht. Haben Sie ein gesundes und normales Gewicht, sind zudem noch ein wenig sportlich aktiv – dann ist das die beste Vorbeugung.

Übergewichtige muten ihren Gelenken tagtäglich eine erhebliche Mehrbelastung zu, für die die Gelenke nicht gebaut sind. Über kurz oder lang verschleißen sie deshalb viel schneller. Auch können Achsfehlstellungen im Gelenk und instabile Bänder die Entstehung einer Arthrose begünstigen. Die Wirksamkeit von knorpelaufbauenden Substanzen konnte bisher weder in Form von Tabletten noch als Injektionen sicher belegt werden. Allerdings können diese Substanzen zu einer Reduktion der Schmerzen führen, auch wenn sich kein neuer Knorpel aufbaut.

 

Ich habe bereits eine Arthrose. Kann ich trotzdem etwas tun, um das Sprunggelenk fit zu halten?

Prof. Walther: Ja, das können Sie! Bleiben Sie auf jeden Fall aktiv – Bewegung versorgt den Gelenkknorpel mit Nährstoffen und hält ihn schön geschmeidig. Reduzieren Sie Ihre sportlichen oder generellen Aktivitäten, trocknet der Knorpel ein und die Arthrose im Sprunggelenk schreitet schneller voran. Sind Sie sportlich sehr aktiv, sollten Sie Ihre Sportarten jedoch ein wenig modifizieren und sich diejenigen mit gleichmäßiger Belastung und ohne Stöße aussuchen: z. B. Skilanglauf, Inlineskaten, Radfahren oder Schwimmen.

Besteht eine ausgeprägte Achsfehlstellung, sollte diese operativ korrigiert werden. Bei höhergradigen Instabilitäten ist eine Kapselbandrekonstruktion zu überlegen. Beide Operationen sanieren das Gelenk und verlangsamen so das Fortschreiten der Arthrose.

 

Künstliches Sprunggelenk oder Versteifung? Wofür sollte ich mich entscheiden?

Prof. Walther: Bei einer Arthrose des Sprunggelenks ist zunächst das Ziel, große Operationen wie das Einsetzen einer Prothese oder die Versteifung des Sprunggelenks zu vermeiden. Ist die Gelenkschädigung jedoch soweit fortgeschritten, dass kleinere Eingriffe oder konservative Behandlungen nicht mehr sinnvoll sind, stehen die Versteifung und das künstliche Gelenk als gleichwertige Maßnahmen nebeneinander. Beide Verfahren haben ihre speziellen Vor- und Nachteile. Es ist individuell für jeden Patienten abzustimmen und gemeinsam zu überlegen, welches Verfahren die beste Lösung darstellt. Eine pauschale Überlegenheit eines der beiden Verfahren konnte bisher wissenschaftlich nicht belegt werden.

 

Können Komplikationen beim Einsatz eines künstlichen Sprunggelenks auftreten?

Prof. Walther: Wie bei jeder Operation können auch bei dieser Komplikationen vorkommen. Deshalb müssen vor einer Operation Patienten grundsätzlich gründlich untersucht werden, damit Risikofaktoren frühzeitig erkannt und ausgeschaltet werden können. So kann der dünne Weichteilmantel am Sprunggelenk mit bereits bestehenden Narben aus Unfällen und vorangegangenen Operationen zu Problemen bei der Wundheilung führen. In einigen Fällen müssen nach dem Einsatz eines künstlichen Sprunggelenks Nachoperationen erfolgen. Gründe hierfür können fortbestehende Schmerzen sein, eine eingeschränkte Beweglichkeit oder die Lockerung von  Prothesenkomponenten.

 

Welche Sportarten kann ich mit einem künstlichen Sprunggelenk ausführen?

Prof. Walther: Schwimmen ist mit einer Prothese im Sprunggelenk problemlos möglich und empfehlenswert. Auch sportliche Aktivitäten wie Radfahren, Schwimmen, Wandern, Alpin Ski und Skilanglauf sind nach der Implantationen eines künstlichen Sprunggelenks in den meisten Fällen unproblematisch und schmerzfrei möglich.

Nicht geeignet sind Sportarten mit hoher Stoßbelastung wie Joggen, Fußball oder Tennis. Durch die hohe Belastung des Sprunggelenks verstärkt sich die Abnutzung der Prothese. Vor allem kann sie sich hierdurch eventuell lockern.

 

Arthrose im Sprunggelenk

Viel Bewegung - viel Belastung. Das Sprunggelenk muss einiges aushalten. Nutzt es sich dadurch ab, spricht man von Arthrose.

Arthrose im Sprunggelenk

Joggen im Winter

Ist Joggen im Winter gut für die Gelenke? Prof. Walther und seine Frau beantworten wichtige Fragen zum Laufsport in der kalten Jahreszeit.

Interview mit Prof. Walther

 

Ärzte & Therapeuten

Unsere Fußexperten im Überblick: Finden Sie hier unsere auf die Behandlung von Arthrose im Sprunggelenk spezialisierten Ärzte.

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Spezialisierte Kliniken

Acht Schön Klinik Standorte in ganz Deutschland haben sich auf die Behandlung von Arthrose im Sprunggelenk spezialisiert.

Spezialisierte Kliniken

 

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Klinikberatung für Gelenke