Fußfehlstellungen bei Kindern.

Fußfehlstellungen wachsen sich in den meisten Fällen aus.

Fußfehlstellungen bei Kindern wachsen sich in den meisten Fällen aus und bedürfen nur selten einer Behandlung.

Fußfehlstellungen bei Kindern wachsen sich in den meisten Fällen aus und bedürfen nur selten einer Behandlung.

Wenn eine Mutter mit ihrem Dreijährigen in die Sprechstunde von Dr. Peter Bernius kommt, kann er sie oft beruhigt wieder nach Hause schicken. Der Chefarzt für Kinderorthopädie und Neuroorthopädie an der Schön Klinik München Harlaching sieht viele X- und O-Beine, Knick-, Senk- und Sichelfüße, die vollkommen altersentsprechend sind.

„Etwa 70 Prozent der Eltern sind nur zur Beratung und Beruhigung da. Wir sagen ihnen vor allem, dass die meisten Fehlstellungen zu bestimmten Entwicklungsphasen gehören. Sie wachsen sich normalerweise aus. Und wenn sie sich nicht auswachsen, dann kommen die Kinder später wieder.“

 

Wichtig sind Bewegung und passendes Schuhwerk.

Beine und Füße wachsen nicht nur in der Länge, sondern auch in der Drehstellung. Deshalb haben Babys O-Beine, nach außen gedrehte Knie und nach innen gedrehte Füße. „Wir zeigen den Eltern an Verlaufskurven, wie sich die Drehung entwickelt,“ erklärt Dr. Bernius. Beim Erstklässler haben sich die Beine in der Regel begradigt und beide Füße zeigen wieder nach vorne. Damit tatsächlich alles „normal“ verläuft und keine erworbenen Fehlstellungen auftreten, gibt der Chefarzt Eltern und Kindern noch einen Tipp mit: „Kinder brauchen Bewegung und passende Schuhe.“

 

Bewegungsmuffeln drohen Fehlstellungen im Erwachsenenalter.

Damit sich Füße richtig entwickeln, müssen sie laufen. Sonst werden die altersgemäßen Plattfüße später zu erwachsenen Problemfüßen. „Viele Fehlhaltungen, die wir heute sehen, entstehen, weil die Kinder sich zu wenig bewegen,“ erklärt der Kinderorthopäde. Wenn die Muskeln nicht ausreichend trainiert werden, bleibt die Entwicklung des Bewegungsapparates auf der Strecke.

Typisch für die kleinen Bewegungsmuffel sind Knickfüße, die sich nicht aufrichten. „Kleine Kinder haben einen scheinbar platten Fuß mit viel Fußsohlenfett. Das verschwindet normalerweise, wenn sie in die Schule kommen. Dann erkennen wir ein Längsgewölbe. Heute sehen wir immer mehr Schulkinder mit platten Füßen. Das kommt alleine daher, dass die Muskeln, die das Gewölbe eigentlich stützen sollen, dafür zu schlecht trainiert sind.“

Trainieren kann man diese Muskulatur beim Toben, Barfußlaufen und Gehen auf unebenem Untergrund. Unebene Böden, beklagt der Arzt, finden die Kinder aber kaum noch vor. Wenn sie dann noch mit dem Auto zur Schule gefahren werden und in der Freizeit am Computer sitzen, statt draußen zu spielen oder Sport zu treiben, dann bleibt die Fußentwicklung aus. Der Knickfuss führt auf Dauer zu Schmerzen und Abnutzungserscheinungen an anderen Gelenken.

 

Zu enges Schuhwerk schränkt das Fußgewölbe ein.

Ein weiteres Hindernis auf dem Weg zum gesunden Fuß ist für viele Kinder der falsche Schuh. Etwa zwei Drittel der Jungen und Mädchen tragen unpassendes Schuhwerk. Das tut zwar nicht weh, ein kleiner, enger oder zu fester Schuh reduziert aber den Bewegungsfreiraum des Fußes.

„Das wird oft übersehen“, so Dr. Bernius. Deshalb überprüft er immer wieder, ob die Schuhe seiner kleinen Patienten groß genug sind. „Wenn kein Zeigefinger vor die Zehen passt, hat der Fuß keinen Platz für die Abrollbewegung. Wird der Fuß nicht bewegt, sondern fixiert, dann kann sich das Fußgewölbe nicht hochziehen und der Fuß bleibt platt und untrainiert“.

 

Hilfsmitteleinsatz nur wenn nötig.

Kann durch den Einsatz der Fußmuskulatur keine Korrektur erreicht werden, können Orthesen ihre Funktion übernehmen.

Kann durch den Einsatz der Fußmuskulatur keine Korrektur erreicht werden, können Orthesen ihre Funktion übernehmen.

Manchmal gibt es auch Fälle, in denen die Fußmuskulatur nicht trainiert werden kann. Das ist zum Beispiel bei besonders schwachen Kindern oder bei Heranwachsenden mit körperlichen Behinderungen der Fall. Dann kommen verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz.

Manche Hilfsmittel, wie beispielsweise sensomotorische Einlagen, unterbinden die Muskelaktivität nicht, sondern verändern sie. „Gute Einlagen können das Knicken im Fußgewölbe verhindern, lassen aber trotzdem noch Bewegung in den Gelenken zu.“ Je stabiler das Hilfsmittel ist, desto weniger können Gelenke bewegt werden und Muskeln arbeiten. Ist gar kein Muskeleinsatz mehr möglich, dann kommen fixe Orthesen zum Einsatz. Dies geschieht aber erst, wenn der Arzt davon ausgeht, dass die Muskeln eine Korrektur des Fußes nicht mehr unterstützen können. „Das ist dann die Kapitulation vor der Bewegung,“ so Dr. Bernius.

 

Leichte Fehlstellungen verschwinden meist von selbst.

Viele leichte Fehlhaltungen, mit denen Babys auf die Welt kommen, entwickeln sich, wenn die Kleinen in der Schwangerschaft ungünstig liegen. Weil die Füße in diesem Alter noch sehr weich sind, entstehen Fehlhaltungen leichter, sie verschwinden aber auch rasch wieder. Schon wenn die Kinder auf die Welt kommen und die Füße bewegen, kann sich eine Fehlstellung wieder verlieren.

Der starke Fuß mit festen Knochen, sowie einer stabilisierenden Muskulatur mit Längs- und Quergewölbe bildet sich erst im Laufe der ersten sechs Lebensjahre heraus. Deshalb brauchen Kinder zum Stehen und später zum Laufen auch eine gewisse Übung. „Erst beim Laufen merkt der Fuß, welche Muskeln gebraucht werden“, erklärt Dr. Bernius.

 

Ein Sonderfall: Der Klumpfuß.

Dass der Fuß beim Neugeborenen noch weich und biegsam ist, nutzen Orthopäden bei einer schweren Fehlbildung aus, die sich nicht von selbst herauswachsen kann: dem Klumpfuß. Mit der Deformität kommt etwa eines von tausend Kindern zur Welt. Beim Klumpfuß ist der Fuß so stark verdreht, dass die Fußsohle nach innen, manchmal sogar nach oben zeigt. Der Fuß wird bereits in den ersten vier bis sechs Lebenswochen kontinuierlich eingegipst, in dieser Zeit stört die Behandlung den Säugling noch nicht. Zum Teil lässt sich die Drehung so bereits konservativ korrigieren.

Hinzu kommt nach einigen Wochen meist eine Korrektur der Achillessehne. Diese spezielle Operation nach Ponseti ist ein kleiner Eingriff, der unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden kann. „In der Regel erzielen wir mit dieser Behandlung sehr gute Ergebnisse. Vor allem, wenn Neugeborene direkt behandelt werden, können sie später meist problemlos laufen“. Je später ein Klumpfuß behandelt wird, desto aufwändiger ist häufig die Operation.