Sport mit Endoprothese.

Sportliche Aktivitäten können die Haltbarkeit der Prothesen verlängern.

Sportliche Aktivitäten können die Haltbarkeit der Prothesen verlängern.

Der endoprothetische Ersatz, die sogenannte Totalendoprothese (TEP), an geschädigten Gelenken ist längst Routine geworden. Jährlich werden in Deutschland rund 200.000 Hüft-TEP, 160.000 Knie-TEP und 15.000 Schulter-TEP implantiert. Mit der neu gewonnenen Lebensqualität hegen die Patienten oft den Wunsch, ihre alten sportlichen Aktivitäten wieder aufzunehmen. Ist das überhaupt möglich?

 

Patienten sollten weiterhin Sport treiben.

Untersuchungen zeigen, dass eine regelmäßige und moderat betriebene sportliche Aktivität auf die Lebensdauer einer Endoprothese positive Auswirkungen hat. Gründe hierfür sind zum einen eine Verbesserung des knöchernen Einwachsens des Kunstgelenkes durch die Beanspruchung des Knochens. Dadurch wird einer Osteoporose durch Inaktivität vorgebeugt. Zum anderen werden die koordinativen Fähigkeiten verbessert und Muskelkraft aufgebaut, die dem stabilisierenden Gelenkschutz dienen. Auch der mit sportlichen Aktivitäten verknüpfte Erwerb von mehr Bewegungssicherheit und die Motivation, Bewegungsängste bezüglich nachteiliger Folgen auf das Operationsergebnis abzubauen, können positive Aspekte der Sportaktivitäten sein. Da cirka 50 Prozent der jüngeren Endoprothesenträger nach der Implantation wieder sportlich aktiv sein möchten, muss vom Operateur der Patient hinsichtlich seiner Sportfähigkeit individuell beraten werden. Unter Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses sind daher einige Schwerpunkte bei der Beurteilung der Sportfähigkeit von Endoprothesenträgern zu berücksichtigen.

 

Was muss für die Sportfähigkeit beachtet werden?

  • stabile Implantatverankerung
  • kein prothesenbedingter Ruhe- und/oder Belastungsschmerz
  • Stabilität der Muskeln und Bänder
  • angemessener Bewegungsumfang
  • funktionelles Gangbild, kein Hinken, keine Gehhilfen bzw. größere Beinlängendifferenz
  • radiologisch keine Zeichen der Lockerung oder  Osteoporose
  • stabile Herz-Kreislaufverhältnisse (Belastungs-EKG bei > 40 Jahren)
 

Was sind die individuellen Voraussetzungen?

  • Alter, Körpergewicht, Herz-Kreislauferkrankungen
  • Prothesendesign, Implantattechnik (zementiert/unzementiert)
  • sportliche Vorerfahrungen
  • psychische Sportfähigkeit (Ehrgeiz, Risikobewusstsein)
 

Besonders geeignete Sportarten:

  • Schwimmen (Kraulbeinschlag)
  • Radfahren (Damenrad mit tiefem Einstieg, alternativ Heimtrainer)
  • Wandern (Schuhwerk, Gehstock!)
  • Walking, Nordic-Walking
  • Aqua-Jogging
  • Gymnastik (Dehnung und Kräftigung)
  • Rudern (Sitzstellung, Bootsbreite, Ein- und Ausstieg beachten)
  • Paddeln
  • Tanzen (kein Turniertanz)
 

Bedingt geeignete Sportarten:

  • Skilanglauf (Diagonalschritt)
  • Golf (Schlagtechnik mit weniger Torsion in Knie- und Hüftgelenk)
  • Tennis (Vorerfahrungen, Doppelspiel, Sandplätze)
  • Tischtennis
  • Kegeln, Bowling
  • Reiten
  • Alpiner Skilauf (Vorerfahrung, Schontechniken)
  • Jogging (Intervalljogging)
 

Das Erlernen neuer Sportarten sollte vermieden werden.

Der Patient sollte seine Sportart, die er gerne wieder ausüben möchte, bereits sehr gut beherrschen. Neue (Risiko-)Sportarten sollten nach Möglichkeit vermieden werden. Als absolute Kontraindikationen für sportliche Aktivitäten sind die Gelenkinfektion und die radiologisch und klinisch sichere Implantatlockerung zu betrachten.

Nicht zu empfehlen sind ebenfalls Leistungs- und Wettkampfsport in den sogenannten „Kontakt“-Sportarten. Ausnahmen sind kritisch zu bewerten und bedürfen der individuellen Beratung und Entscheidung durch den behandelnden Facharzt. Ziel der ärztlichen Beratung zur individuellen sportlichen Aktivität ist es, unter Abwägung der endoprothesen- und patientenbezogenen Besonderheiten einen Kompromiss zwischen gelenk-stabilisierenden Bewegungsreizen und schadender Überbeanspruchung zu finden. 

 

Was spricht generell gegen eine sportliche Aktivität?

  • Gelenkinfektion
  • Implantatlockerung
  • Gelenkinstabilität
  • Wechselendoprothese
  • Muskelschwäche
  • Übergewicht (BMI>29,5 kg/m2)
 

Nicht empfehlenswerte Bewegungsformen:

  • abrupte Drehbewegungen
  • starkes Anspreizen (Scheren, Kreuzen der Beine)
  • Belastungsspitzen (Sprünge, Ballspiele)
 

Nicht empfehlenswerte Sportarten:

  • Kampfsportarten/Wettkampfsport
  • Ballsportarten
  • Leichtathletik (Sprung / Schnellkraft)
  • Geräteturnen
  • Eislaufen
  • Squash
  • Mountainbiking
  • Inline-Skating
 

Warum sollte man keine Risikosportarten ausüben?

Grundsätzlich sind Sportarten mit erhöhtem Verletzungsrisiko, die gleichzeitig auch zu höheren Beanspruchungen der Endoprothese führen können, nicht geeignet. Allerdings sind aus ärztlicher Praxis etliche Patienten bekannt, die sich nicht an diese Empfehlungen halten und trotzdem auch nicht empfohlene Sportarten bzw. Risikosportarten mit einer Endoprothese ausüben. Wer dies macht, muss sich über die Risiken klar sein. Denn Verrenkung, Bruch oder Lockerung einer Prothese, sind ernsthafte Komplikationen, die oft nur mit aufwendigen Operationen behandelt werden können und die Ergebnisse nach solchen Behandlungen sind häufig nicht so gut, wie nach der Erstimplantation.

 

Besonderheiten bei Knie-Endoprothesen.

Auch nach heutigem Kenntnisstand ist die sportliche Belastung nach einem künstlichen Kniegelenk problematischer anzusehen als bei einer Hüft-TEP. Studien zeigen, dass achsgekoppelte Endoprothesen eine größere Einschränkung hinsichtlich der sportlichen Belastung  besitzen als Oberflächenersatzimplantate. Die Kraftübertragung auf die Implantat-Knochengrenze ist erheblich größer und Wiederholungseingriffe sind daher risikoreicher und eingeschränkter möglich.

 

Empfehlenswerte Bewegungsformen/Sportarten mit Kniegelenkersatz:

  • Schwimmen /Aqua-Jogging
  • Radfahren (Sattel/Pedalhöhe beachten, Heimtrainer)
  • individuelle Gymnastik
  • Wandern (Bergauf/Gehstock/Schuhwerk)
  • Walking und Nordic Walking
 

Unser beratender Experte.

Dr. Peter Wulff

Oberarzt in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie der Schön Klinik Neustadt.

Profil von Dr. Peter Wulff