Künstliches Gelenk. Der richtige Zeitpunkt

Wann Patienten über eine Endoprothese nachdenken sollten.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk gekommen? Unsere Gelenkspezialisten beantworten häufig gestellte Fragen rund um das Thema Gelenkersatz.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk gekommen? Unsere Gelenkspezialisten beantworten häufig gestellte Fragen rund um das Thema Gelenkersatz.

Beschwerden beim Aufstehen, bei Bewegung und am Ende sogar in Ruhe: Bei einer Arthrose in Knie-, Hüft- oder Schultergelenk sinkt nicht nur die körperliche Leistungsfähigkeit. Auch das Sozialleben leidet häufig unter dem zunehmenden Gelenkverschleiß. Ist die Knorpelschädigung irgendwann so weit fortgeschritten, dass Schmerz und Bewegungseinschränkung den Alltag beherrschen, empfehlen Orthopäden in vielen Fällen ein künstliches Gelenk.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Gelenkersatz gekommen? Wie lange halten die Implantate - und welche Belastung kann ich dem neuen Gelenk zumuten? Diese und andere Fragen stellen sich viele Patienten vor einem Eingriff.

Unsere Gelenkspezialisten geben Antworten auf häufig gestellte Fragen.

 

Künstliches Gelenk: Häufig gestellte Fragen & Anworten.

Der richtige Zeitpunkt für eine Endoprothese.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein künstliches Gelenk gekommen?

Monika Erpenbeck-Höhl, Schön Klinik Harthausen.

Monika Erpenbeck-Höhl, Schön Klinik Harthausen.

Monika Erpenbeck-Höhl, Schön Klinik Harthausen: "Den richtigen Zeitpunkt zur Operation bestimmt im Wesentlichen der Patient selbst. Dieser ist in vielen Fällen dann gekommen, wenn die Schmerzen bei Belastung und in Ruhe – vor allem nachts – für den Patienten nicht mehr erträglich sind. Oder, wenn die für den Patienten wichtigen Tätigkeiten in Beruf, Alltag und im Zusammenleben nicht mehr möglich sind - also der eigene Anspruch an Bewegung im Alltag, Freizeit und Sport erheblich eingeschränkt wird.

Gemeinsam mit dem beratenden Orthopäden werden dann die klinischen Untersuchungsbefunde und die bildgebenden Befunde wie Röntgen oder MRT/CT bewertet und besprochen.

Die subjektive Empfindung jedes Patienten ist sehr unterschiedlich. Nur durch sorgfältige Untersuchung und Bewertung aller Faktoren mit Berücksichtigung der persönlichen Krankengeschichte und aller „Nebendiagnosen“ kann der individuell richtige Zeitpunkt gefunden werden. Die empfundene Beeinträchtigung muss größer sein, als das Risiko der Operation."

 

Das richtige Alter für ein Kunstgelenk.

Ab welchem Alter wird der Einsatz einer Endoprothese durchgeführt?

Prof. Dr. Frank Lampe, Schön Klinik Hamburg Eilbek.

Prof. Dr. Frank Lampe, Schön Klinik Hamburg Eilbek.

Prof. Dr. Frank Lampe, Schön Klinik Hamburg Eilbek: "Die Entscheidung für eine Endoprothese ist grundsätzlich nicht an ein bestimmtes Alter geknüpft. Auch jüngere Patienten können aufgrund einer angeborenen oder erworbenen Erkrankung, wie zum Beispiel der Dysplasie des Hüftgelenks, eine schwere Gelenkarthrose mit erheblichen Beschwerden entwickeln. Dann muss auch bei ihnen nach Ausschöpfen der nicht-operativen Möglichkeiten die Implantation einer Endoprothese erfolgen.

Entscheidend ist vor allem der Leidensdruck und die Lebensqualität der Betroffenen. Wenn andere therapeutische Möglichkeiten, z.B. gelenkerhaltende Operationen, bestehen, werden diese natürlich der Gelenkersatzoperation vorgezogen. Die endoprothetische Versorgung steht immer am Ende der Kette sinnvoller Behandlungsalternativen. Dies gilt für die Behandlung von Patienten jeglichen Alters in gleichem Maße."

 

Haltbarkeit & Prothesenwechsel.

Wie lange halten Kunstgelenke?

Prof. Dr. Georg Köster, Schön Klinik Lorsch.

Prof. Dr. Georg Köster, Schön Klinik Lorsch.

Prof. Dr. Georg Köster, Schön Klinik Lorsch: "Entscheidende Faktoren für die Lebensdauer eines Kunstgelenks sind die individuelle Beanspruchung, die jeweilige Knochenbeschaffenheit und das Material der Gelenkkomponenten (Gleitpartner), die sich gegeneinander bewegen.

Nach allgemeinen Erfahrungen und aktuellen Registerdaten bedeutet dies, dass nach 15 Jahren noch mehr als 90% aller künstlichen Gelenke funktionieren und nicht ausgetauscht werden müssen. Gründe für eine erneute Operation sind die Lockerung im Knochen, ein Verschleiß der Gelenkpartner, seltener eine Infektion des Gelenks oder ein Knochenbruch durch einen Sturz.

Bei jüngeren Patienten unter 55 Jahren ist die Haltbarkeit durch die altersbedingt höhere Beanspruchung im Mittel etwas geringer als bei älteren. Es gibt aber durchaus Kunstgelenke, die mehr als 25 Jahre halten."

 

Kann ein künstliches Gelenk gewechselt werden?

"Künstliche Gelenke können bei Versagen teilweise oder komplett ausgetauscht und durch ein neues Kunstgelenk ersetzt werden. Eine Austauschoperation (Wechsel-OP) ist in der Regel unproblematisch, jedoch nicht selten aufwändiger als der erste Eingriff. Auch mehrfache Austauschoperationen sind möglich.

Entscheidend für den Erfolg sind die Knochensubstanz und der Zustand der Muskulatur. Je geringer der Knochenverlust durch die Voroperation und den Lockerungsprozess, umso besser die Verankerungsmöglichkeit für das neue Gelenk. Je besser der Zustand der Muskulatur, desto besser die Funktion des neu eingesetzten Kunstgelenkes. Je nach Situation müssen ggf. spezielle Kunstgelenke - sogenannte Revisionsimplantate - für einen solchen Eingriff zum Einsatz kommen.

Nur in sehr wenigen Ausnahmefällen ist eine erneute Operation nicht mehr möglich oder sinnvoll. Die Ergebnisse nach einer Wechseloperation sind naturgemäß nicht ganz so gut wie die nach der Erstoperation. In den meisten Fällen hat der Patient nach einem solchen Eingriff jedoch wieder eine gute Gelenkfunktion und ist mobil und schmerzfrei."

 

Beweglichkeit & Belastbarkeit des neuen Gelenks.

Ist ein neues Gelenk genauso beweglich und belastbar wie das körpereigene?

Florian Holbe, Schön Klinik München Harlaching.

Florian Holbe, Schön Klinik München Harlaching.

Florian Holbe, Schön Klinik München Harlaching: "Grundsätzlich kann man sagen, dass ein künstliches Knie- oder Hüftgelenk die Beweglichkeit und Belastbarkeit des Beins wesentlich verbessert. Als Vergleich muss natürlich immer der Zustand unmittelbar vor der Operation gelten, wo wir in der Regel eine starke Einschränkung der Beweglichkeit und der Belastbarkeit haben. So kommt es beispielsweise immer zu einem sichtbaren Hinken, wenn aufgrund der Arthrose ein Hüft- oder Kniegelenk nicht mehr voll gestreckt werden kann. Hinzu kommen erhebliche Schmerzen und Schwierigkeiten beim Gehen und Sitzen.

Viele Studien zeigen, dass ein künstliches Gelenk diese Situation nachhaltig verbessert. Im Durchschnitt lässt sich etwa der Bewegungsumfang durch ein künstliches Kniegelenk um etwa 25° steigern. Damit können ein flüssiges Gangbild  - auch beim Treppensteigen –  wiederhergestellt und die Probleme beim Sitzen beseitigt werden.

Ähnliches lässt sich über die Belastbarkeit eines Kunstgelenks sagen. Die heutigen Implantate haben gezeigt, dass sie in Bezug auf Belastbarkeit so sicher geworden sind, dass der Patient in Alltag, Beruf und Sport nahezu keine Einschränkungen machen muss. Letztlich sind es nur einige wenige Sportarten mit hohen Stoßbelastungen (Fußball, Kampfsport, etc.) oder vergleichbare Aktivitäten, die nicht empfohlen werden können.

Aus meiner Erfahrung kann ich aber sagen, dass dies in der Praxis nie wirkliche Einschränkungen für die Patienten bedeutet. Vielmehr ist es so, dass sich durch ein Kunstgelenk die Mobilität und Aktivität des Patienten auf ein hohes Niveau heben lässt, das dem Patienten durch die Arthrose eigentlich schon verloren gegangen war."

 

Arbeiten & Sport mit dem Kunstgelenk.

Kann ich mit dem Kunstgelenk wieder arbeiten und Sport treiben?

Dr. Karl Christian Westphal, Schön Klinik Neustadt.

Dr. Karl Christian Westphal, Schön Klinik Neustadt.

Dr. Karl Christian Westphal, Schön Klinik Neustadt: "Mit einem Kunstgelenk kann man wieder arbeiten, wobei regelmäßige schwere körperliche Arbeit sowie Arbeiten in unsicherem Umfeld (wie etwa Leitern, Gerüsten, Bereichen mit Sturz-/Rutschgefahr) aber besonderer Aufmerksamkeit bedürfen.

Sportarten, die Patienten vorher gut beherrscht haben, können ebenfalls nach entsprechendem Training wieder aufgenommen werden. Berufliche und sportassoziierte Risikoprofile wie Stürze, Bruchgefahr, Verschleiß- oder Lockerungsrisiko oder z.B Auskugelung des Hüftgelenkes sollten individuell mit dem Operateur besprochen und dokumentiert werden.

Man sollte jedoch berücksichtigen, daß sowohl schwere körperliche Arbeit wie auch intensive sportliche Betätigung einen frühzeitigeren Verschleiß des Kunstgelenkes oder Symptome am gelenkführenden Muskel- und Bandapparat bedingen können - trotz hochwertigster Materialien. Dies ist dann kein Fehler des Implantates oder der Operation, sondern Folge der erhöhten Beanspruchung."

 

Risikofaktoren & Kontraindikationen.

Gibt es Risikofaktoren, die gegen den Einsatz einer Endoprothese sprechen?

Dr. Jürgen Esper, Schön Klinik Nürnberg Fürth.

Dr. Jürgen Esper, Schön Klinik Nürnberg Fürth.

Dr. Jürgen Esper, Schön Klinik Nürnberg Fürth: "Unter bestimmten Umständen ist der Einsatz eines künstlichen Gelenks nicht möglich oder empfehlenswert - man spricht hier von den sogenannten Kontraindikationen.

Diese sind beispielsweise bestehende Infekte, schwere Haut- oder Weichteilschäden im OP-Gebiet, eine frische Thrombose bzw. Embolie, schwere knöcherne Defekte mit mangelnder Verankerungsmöglichkeit der Endoprothese oder eine nicht rekonstruierbare Gelenkinstabilität. Aber auch eine neuropathische Gelenkdestruktion (Gelenkzerstörung, deren Ursache in einer Erkrankung des zentralen Nervensystems liegt), schwere neurologische oder neuromuskuläre Insuffizienzen mit fehlender neuromuskulärer Kniegelenkskontrolle (z.B. schwere Poliomyelitis), eine fehlende Quadrizepsfunktion sowie eine höhergradige arterielle Durchblutungsstörung können (zunächst) gegen eine Endoprothesenversorgung sprechen."

 

Nachsorge & Kontrolle.

Muss das neue Gelenk nach dem Einbau regelmäßig kontrolliert werden?

Dr. Oliver Braunsperger, Schön Klinik Vogtareuth.

Dr. Oliver Braunsperger, Schön Klinik Vogtareuth.

Dr. Oliver Braunsperger, Schön Klinik Vogtareuth: "Die Versorgung eines Hüft- oder Kniegelenkes mit einem künstlichen Gelenk zählt zu den erfolgreichsten Eingriffen in der orthopädischen Chirurgie. Aber obwohl mit einem künstlichen Hüft- oder Kniegelenk nach derzeitigem Stand der Technik mittlerweile in ca. 90% der Fälle Standzeiten von mehr als 20 Jahren erreicht werden, kann es zu gravierenden Spätfolgen in Form einer Lockerung der Prothese kommen.

Eine solche Lockerung zeigt sich bei einer künstlichen Hüfte anfangs in Form eines ziehenden Schmerzes in der Gesäßregion, in der Leiste oder im Oberschenkel. Bei der Lockerung eines künstlichen Kniegelenkes kommt es in der Regel zum Wiederauftreten von Schmerzen in der Knieregion mit Ausstrahlung in den Unterschenkel. Die langsam zunehmenden Schmerzen führen im Laufe der Zeit zu starken belastungsabhängigen Beschwerden, die zur vollkommenen Gehunfähigkeit des Patienten führen können.

Je nach Art des eingebauten Implantates sind für diese Lockerungen entweder Veränderungen in der Verbindung zwischen Prothese und Knochen oder zwischen Knochenzement und Knochen verantwortlich. Dabei spielen Abriebs- bzw. Verschleißerscheinungen zwischen dem künstlichen Hüftkopf und der Hüftgelenkpfanne oder beim Knie zwischen den Prothesenanteilen von Ober- und Unterschenkel eine bedeutsame Rolle. Da dieser Abrieb meist aus Kunststoff (Polyethylen) besteht, können sich im Verlauf der Jahre kleinste Kunststoffpartikel im Gelenk absetzen, die im Verlauf eine starke Gewebsreaktionen zwischen Knochen und Prothese und damit eine Lockerung einleiten können.

Aus diesem Grunde empfehlen wir unseren Patienten regelmäßige, alle 1 bis 2 Jahre stattfindende Kontrolluntersuchungen, bei denen solche Veränderungen zum Beispiel anhand von Röntgenaufnahmen frühzeitig erkannt werden können, bevor größere Knochenschädigungen eine notwendige Wechseloperation zum komplizierten Eingriff werden lassen.

Ist die Kontrolluntersuchung ohne Befund, kann der Patient seinen Aktivitäten und sportlichen Leidenschaften beruhigt und ohne Sorge nachgehen."

 

Das ENDO AKTIV Programm

Unser ganzheitliches Therapie-Konzept bietet frühere Mobilisation und raschere Genesung bei Gelenkersatz von Knie & Hüfte.

Hüft-TEP & Knie-TEP

Wechsel-OP an Knie & Hüfte

Hat sich eine Endoprothese im Knie oder der Hüfte gelockert, muss das Implantat in einer Revisions-Operation ausgetauscht werden.

Wechsel-OP Knie & Hüfte