Wintersport mit künstlichem Gelenk.
Mit künstlicher Hüfte auf die Piste?
Frisch gepuderte Berggipfel locken. Der Schnee glitzert in der Sonne. Der Berg ruft – selbst die Norddeutschen oder Flachlandbewohner. Wen zieht es bei solchen Bedingungen im Winter nicht auf die Skier? Dürfen aber auch Wintersportbegeisterte mit künstlichen Gelenken ihrer Leidenschaft nachgehen? „Sie dürfen!“, sagt Prof. Roland Wetzel, Chefarzt des Gelenkzentrums der Schön Klinik Harthausen.
Mit künstlicher Hüfte Skifahren? Oder mit dem Enkel auf dem Schlitten durch die weiße Pracht rodeln? Geht das mit künstlicher Hüfte oder neuen Kniegelenk? Diese Fragen werden Prof. Roland Wetzel, Chefarzt des Gelenkzentrums der Schön Klinik Harthausen häufig von seinen Patienten gestellt. Blickt er aus dem Fenster seines Büros, schaut er auf die Berge. So auch die Patienten in der Klinik. Gestern sind 30 Zentimeter Neuschnee gefallen. Ideale Bedingungen. „Viele meiner Patienten sind alte Hasen im Wintersport und seit vielen Jahren aktive Skifahrer“, weiß der Spezialist für Gelenkersatz und Wechseloperationen von Hüfte und Knie. „Selbst wenn die erst gestern operiert wurden, blicken einige heute schon sehnsüchtig auf die Piste. Das kann und werde ich auf keinen Fall verbieten. Schließlich soll ja mit dem Kunstgelenk ein Stück Lebensqualität zurück gewonnen werden.“
Skifahren ohne Ehrgeiz.
Lebensqualität gewinnen: Wintersport ist auch mit einer künstlichen Hüfte oder künstlichem Knie möglich – wenn ohne Ehrgeiz gefahren wird.
Also rauf auf die Bretter – aber am besten in der Nebensaison. Je weniger Betrieb auf der Piste, desto geringer sind die Risiken eines schweren Sturzes. Und keine Saisonkarte kaufen, sondern erst einmal vorsichtig wieder herantasten: Zwei Stunden Skifahren und dann eine Pause einlegen und die Aussicht in der Hütte genießen. „Fahren ohne Ehrgeiz“, sagt Prof. Wetzel, „Das ist vernünftig.“ Einem Patienten, der noch nie auf Skiern gestanden hat, rät er vom Skifahren ab. Auch Snowboarden ist weniger geeignet: Bei einem Sturz sind beide Beine fest am Brett, der Körper hat keine Ausweichmöglichkeit und muss den Sturz zwangsläufig abfangen. Die Verletzungsgefahr ist signifikant erhöht.
Risiko: Knochenbruch am Kunstgelenk.
Die große Angst der Mediziner: Ein Knochenbruch am Kunstgelenk. Denn das künstliche Hüftgelenk wird zum Beispiel in einem Teil des Oberschenkelknochens versenkt. Dieser muss dafür ausgebohrt werden. Ein Teil des Knochens ist also mit der Prothese gefüllt. Und hier entsteht eine Schwachstelle. Im Übergang zwischen dem gefüllten und ungefüllten Knochen sind die Spannungsdifferenzen innerhalb des Knochens am größten – und somit die Bruchgefahr. Unbeabsichtigt entsteht hier eine Sollbruchstelle, die nur in einer größeren OP wieder geflickt werden kann. „Ein Kunstgelenk ist eben ein pfiffiger Kompromiss, aber eben doch nicht ganz das eigene Gelenk“, so Prof. Wetzel.
Langlaufen und rodeln – niemand muss verzichten.
Andere Wintersportarten wie zum Beispiel Langlauf, ist für Könner auch kein Problem. Hier ist der klassische Stil besser geeignet als das Skaten. Auch auf den Schlitten kann ein Patient mit Knie- oder Hüftprothese steigen, sollte jedoch darauf verzichten, mit den Enkelkindern und nur einer Tüte unter dem Po die Hügel herunter zu rutschen.
„Wer vor dem künstlichen Gelenk sehr sportlich war, der wird es auch mit künstlichem Gelenk wieder sein können“, zieht Prof. Wetzel sein Fazit. Eine 76jährige Patientin von ihm fährt mit zwei künstlichen Hüftgelenken wieder regelmäßig Ski – nur das Wedeln im Tiefschnee lässt sie aus. Ein anderer ist in der letzten Saison beim Wasa-Lauf (Vasaloppet) in Schweden durchs Ziel gegangen – nach 90 Kilometern Skilanglauf über Stock und Stein!