Übergewicht & Gelenke.

Erhöhte Gelenkbelastung. Wenn die Kilos zum Problem werden

Wenn permanent zuviel Gewicht auf den Gelenkknorpel drückt, kann dieser nicht mehr regenerieren und verschleißt.

Wenn permanent zuviel Gewicht auf den Gelenkknorpel drückt, kann dieser nicht mehr regenerieren und verschleißt.

Ein Gelenk ist ein hochkomplexer Mechanismus. Dass der Gelenkknorpel mit den Jahren abgenutzt wird, ist ein natürlicher Prozess. Drückt jedoch mehr als ein durchschnittliches Erwachsenengewicht auf den Knorpel, dann wird er unter der Dauerbelastung stark zusammengepresst – und der Verschleiß schreitet schneller voran. Ein folgenschweres Problem! „Übergewicht ist einer der Hauptrisikofaktoren für einen frühzeitigen Gelenkverschleiß,“ weiß Dr. Andreas Leidinger, Chefarzt im Fachzentrum für Orthopädie an der Schön Klinik Berchtesgadener Land. "Etwa jeder zweite Erwachsene in Deutschland ist übergewichtig." Und hat sich der Teufelskreis aus Gelenkverschleiß und Übergewicht erst einmal geschlossen, kommt der Geplagte nicht so leicht wieder heraus: Denn wer Schmerzen hat, bewegt sich ungern und wer sich nicht bewegt, nimmt weiter zu und belastet damit seine Gelenke.

 

Mit Ernährungsumstellung aus dem Teufelskreis.

„Wenn permanent zuviel Gewicht auf die Gelenkknorpel drückt, kann der Knorpel nicht mehr regenerieren. Dann verschleißt er,“ erklärt Chefarzt Dr. Leidinger. Ist dieser Verschleiß einmal im Gang, kommt kein belastbarer Knorpel mehr nach. „Dann reibt irgendwann Knochen auf Knochen. Und das tut sehr weh! Übergewichtigen rate ich deshalb erst einmal dazu, Gewicht zu reduzieren. Das beginnt mit einer Ernährungsberatung,“ erklärt Dr. Leidinger. Wer seine Essgewohnheiten umstellt und auf eine ausgewogene Ernährung achtet, hat meist schnell ein paar Kilos verloren.

Viele Patienten wissen zwar, dass die Tüte Chips vor dem Fernseher nicht gut für die Linie ist, eine Ernährungsberatung birgt dennoch für viele Betroffenen Überraschungen. Zuviel Eiweiß zum Beispiel ist nicht gut für die Gelenke. Tierische Fette sollte fast jeder zurückfahren, Gemüseanteile in Mahlzeiten erhöhen und Fleisch häufiger durch Fisch ersetzen.

 

Auch Untergewicht bereitet Gelenkprobleme.

Übrigens haben nicht nur Übergewichtige Probleme mit den Gelenken, auch Untergewichtige landen mit Gelenkproblemen in der Sprechstunde von Dr. Leidinger. Allerdings geht es in diesen Fällen nicht um Arthrose, sondern um Mangelerscheinungen. Die Mangelernährung geht manchmal so weit, dass es zu Osteoporose und Gelenkinstabilitäten kommt.

 

Gemäßigte Bewegung für stabile Muskeln.

Wer Sport macht, nimmt leichter ab. Bewegung ist bei Arthrosepatienten aber nicht nur ein Diätmotor. Es ist auch wichtig, dass Muskeln trainiert werden, um die angegriffenen Gelenke auf Dauer zu stabilisieren. „Gelenke werden in ihrer Haltefunktion muskulär unterstützt. Wenn Gelenke durch stabile Muskeln gut geführt sind, verschleißen sie nicht so leicht.“ Neben dem gezielten Muskelaufbau rät Chefarzt Dr. Leidinger zu einem leichten Ausdauertraining. Einfache Bewegungsabläufe, die ohne großen Kraftaufwand oft wiederholt werden, unterstützen den Kalorienabbau und sorgen dafür, dass die Gelenke nicht aus der Form geraten. Schwimmen ist hier ideal, aber auch Radfahren, Wandern oder Nordic Walking.

 

Sport ist kein Mord.

Sport ist gut für die Gelenke und hilft, überflüssige Pfunde abzubauen. Einsteigen sollte man aber mit Maß und Ziel.

Sport ist gut für die Gelenke und hilft, überflüssige Pfunde abzubauen. Einsteigen sollte man aber mit Maß und Ziel.

Um Gewicht zu verlieren, Muskeln aufzubauen und die Gelenke zu stabilisieren, muss niemand damit anfangen, auf den nächsten Marathon zu trainieren. Davon rät der Experte ohnehin ab. Alles, was mit Erschütterungen und Abbremsen zu tun hat, ist bei angegriffenen Gelenken nicht zu empfehlen. Tennis, Squash und Marathon überlässt man also lieber anderen und kümmert sich um die leichte Bewegung im Alltag. Treppensteigen statt den Aufzug zu benutzen kräftigt die Oberschenkel- und Wadenmuskulatur. Fahrradfahren statt Bahn- und Autofahren macht nebenher den ganzen Körper fit. Auch Wandern und Walken ist gut für die Knie und Hüfte.

Ein geradezu idealer Sport für Menschen mit Gelenkbeschwerden ist Schwimmen, vor allem Rückenschwimmen mit der Kraulbewegung der Beine. Weil es dabei mehr auf den Beinschlag als auf die Streckenbewältigung ankommt, kann man das selbst in einem vollbesetzten Sportbad ohne Kollisionsgefahr betreiben. Wer sich am Rand einhängt und mit den Beinen paddelt, tut schon eine Menge für seine Knie und das Körpergewicht. „Wer unsicher ist, kann sich geeignete Bewegungen von einem Physiotherapeuten zeigen lassen. Das gilt sowohl fürs Schwimmen als auch für ein medizinisches Fitness- oder Gerätetraining.“ Sport muss sich allerdings nicht anfühlen wie Krankengymnastik. Wenn schneebedeckte Berge locken, kann man auch beim Skilanglauf in der Parallelspur Gelenke und Muskeln trainieren.

 

Dem Gelenkverschleiß vorbeugen.

Übrigens gelten die Empfehlungen nicht nur für Arthrosepatienten. Auch Menschen ohne Gelenkprobleme dürfen sich in Loipen und Schwimmbädern austoben. Sport wirkt nämlich auch vorbeugend bei Gelenkverschleiß. Selbst als Nachbehandlung ist Bewegung die Allzweckwaffe. Ist die Arthrose einmal so weit fortgeschritten, dass das Gelenk ersetzt werden muss, gelten trotzdem hier alle genannten Tipps.

Auch ein künstliches Gelenk verschleißt schneller bei Übergewicht und untrainierter Muskulatur. Es kommt zu einem höheren Abrieb und höheren Lockerungsraten. „Der Schutz des künstlichen Gelenks funktioniert wie der Schutz des ursprünglichen Gelenks,“ vergleicht Dr. Leidinger. „Bei einer guten Muskulatur und Gelenkführung, vernünftiger Ernährung und schonenden Ausdauersportarten, kann man alle Gelenke erhalten – die natürlichen und die künstlichen.“

 

Knie, Hüfte, Schulter

Sind die großen Gelenke von Erkrankungen oder Verletzungen betroffen, führt dies oft zu erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Zum Bereich Knie, Hüfte, Schulter

Adipositas, Übergewicht

Adipositas ist kein unüberwindbares Schicksal. Adipositas ist eine Erkrankung, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann.

Adipositas, Übergewicht