Forschung & Lehre.

Seit bald 30 Jahren behandeln wir in der Schön Klinik Roseneck Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen auf Basis eines leitlinienorientierten, multimodalen und integrativen psychotherapeutischen Konzeptes. Besonders wichtig ist uns dabei, unsere Therapieangebote fortlaufend weiterzuentwickeln und begleitend wissenschaftlich zu evaluieren. Darüber hinaus zählen störungsspezifische Therapieangebote und Stationen sowie eine konsequente Ergebnismessung der Therapieeffekte einschließlich Katamnese-Untersuchungen zur Identität unserer Klinik.
Im zurückliegenden Jahr wurde das bestehende Behandlungsprogramm in vielen Bereichen durch neue Elemente erweitert. Darüber hinaus setzen wir uns für eine bessere Vernetzung über Versorgungsstufen hinweg ein und haben an allen psychosomatischen Standorten der Schön Klinik-Gruppe übergreifende Behandlungsstandards am Beispiel von Anorexia nervosa eingeführt.
Mit der Eröffnung des Neubaus „Haus B“ am Standort Prien hat sich die Schön Klinik Roseneck im Jahr 2014 auch strukturell verändert. Zudem haben wir unser Therapieangebot für jugendliche Patienten weiterentwickelt. Bei unserem 2. Symposium „Psychische Erkrankungen bei Jugendlichen – State of the Art“ diskutierten mehr als 250 Teilnehmer im vergangenen Mai über Behandlungskonzepte bei erkrankten Jugendlichen.
Es freut uns außerdem, dass die Schön Klinik Roseneck laut der aktuellen
„FOCUS Klinikliste 2014/2015“ des Magazins FOCUS Gesundheit zu den Spitzenreitern bei der Behandlung von Angststörungen, Depression und Zwangsstörungen gehört und Platz 46 in der Top-100-Liste aller deutschen Krankenhäuser belegt. Sieben Experten unserer Klinik sind darüber hinaus in der „FOCUS Ärzteliste 2014“ vertreten.

 

Themen und Projekte 2014.

Entlassmanagement und Transfer von Therapieerfolgen in den Alltag.

Zentrale Anliegen der Schön Klinik Roseneck sind, dass eine nahtlose Weiterbehandlung nach einem stationären Aufenthalt sicher gestellt ist und Therapieerfolge nachhaltig verankert werden. Wir möchten hierbei nicht nur die gesetzlichen Anforderungen an ein Entlassmanagement erfüllen, sondern bei diesem wichtigen Punkt auch unserem hohen Qualitätsanspruch als Schön Klinik folgen.

Im vergangenen Jahr wurden im Rahmen eines Pilotprojekts Patienten und Therapeuten zum Thema Entlassmanagement und Transfersicherung systematisch befragt. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse dieser Befragung haben wir unser Entlassmanagement und die therapeutischen Interventionen zur Transfersicherung konkreter definiert, standardisiert und im klinischen Alltag einer kontinuierlichen Überprüfung über den Behandlungsverlauf unterzogen. Darüber hinaus sollen die Maßnahmen an allen psychiatrischpsychotherapeutischen und psychosomatischen Standorten der Schön Klinik eingeführt werden.
Die folgenden Maßnahmen zur Verbesserung der Nachsorge werden im Projekt „Transfer und Entlassmanagement“ umgesetzt. Ihre Effektivität wird fortlaufend evaluiert, um das Entlassmanagement weiter zu verbessern. Beispiele:

  • telefonische Kontaktaufnahme mit Einweiser
  • Weiterbehandlung wird frühzeitig organisiert
  • ausführlicher Entlassbrief mit Empfehlungen für die weitere Behandlung wird in der Regel am Entlasstag dem Ein- oder Zuweiser zugeschickt, Patient erhält Kopie
  • zusätzliche telefonische Übergabe mit dem Weiterbehandler
  • Transferziele /Rückfallprophylaxe-Maßnahmen werden mit Patienten erarbeitet und im Entlassbrief festgehalten
  • häusliche Belastungserprobungen und wenn möglich Expositionen im häuslichen Umfeld
  • Familientherapie bei Jugendlichen, ansonsten Einbezug von Angehörigen, wenn sinnvoll, erwünscht und akzeptiert
  • Gruppentherapiemodul Entlassvorbereitung
  • Vernetzung mit Wohngruppen und Tagesklinik München
  • systematische Katamnesebefragungen bei Patienten mit Depression, Essstörungen und Zwangsstörungen
 

Depressionskonzept.

Im Bereich der Depressionsbehandlung hat sich die Schön Klinik Roseneck in den vergangenen zehn Jahren laufend weiterentwickelt, einen hohen Spezialisierungsgrad erreicht und wurde auf Grund ihres Depressionskonzeptes im Ranking des Magazins FOCUS als eine der Top-Kliniken in Deutschland bewertet. Neben Einzelpsychotherapie erhalten die Patienten ein intensives gruppentherapeutisches Programm, bestehend aus kognitiver Verhaltenstherapie, einer allgemeinen Problemlöse-Gruppentherapie sowie je nach Indikation und persönlicher Präferenz auch Achtsamkeitstherapie, die seit Jahren von den Betroffenen herausragend gut bewertet wird. Zusätzlich besteht für Patienten mit chronischer Depression die Möglichkeit, an einer speziellen Gruppentherapie für chronische Depression (CBASP) teilzunehmen.
Da viele depressive Erkrankungen auch im Kontext beruflicher Belastungen entstehen, wird das Angebot durch spezielle, auf berufliche Belastungen bezogene Therapieangebot (AGIL-Gruppe für Lehrer, Stressbewältigung am Arbeitsplatz) ergänzt. Darüber hinaus besteht das Angebot einer Biofeedback-Behandlung, sport- und bewegungstherapeutische Angebote, Gestaltungstherapie sowie eine ergänzende Behandlung der häufig zusätzlich bestehenden anderen psychischen Störungen, wie etwa Angststörungen oder chronischen Schmerzstörungen sowie chronischem Tinnitus.

Die Schön Klinik Roseneck orientiert sich bei ihrem Depressionskonzept auch an der nationalen Versorgungsleitlinie unipolare Depression. Eine Pharmakotherapie der Depression wird entsprechend der Leitlinien empfohlen und durch medizinische Kontrolluntersuchungen inklusive Plasmaspiegelbestimmungen überwacht.
Die Behandlungsergebnisse werden routinemäßig zu Beginn und am Ende der Behandlung durch Messung des Schweregrades erfasst und inzwischen bei allen Patienten auch durch eine 6-Monats-Katamnese nachverfolgt.

 

Best Practice: Therapie von Anorexia nervosa.

Seit fast 30 Jahren werden in der Schön Klinik Roseneck Patienten mit Essstörungen erfolgreich behandelt und die Behandlungsergebnisse therapiebegleitend evaluiert. Eine Arbeitsgruppe von Experten aus allen Standorten der Schön Klinik, an denen Patienten mit Essstörungen behandelt werden, trifft sich regelmäßig seit Mitte 2011, um ihre langjährige Erfahrung in der Behandlung auszutauschen. Ziel dieser Treffen war eine weitere und kontinuierliche Verbesserung der Behandlung von Anorexia nervosa.

In der Schön Klinik werden jährlich mehr als 1.000 Patienten mit Essstörungen behandelt. Die Therapieergebnisse der einzelnen Standorte konnten zusammengetragen, verglichen und auf dieser Grundlage für den Behandlungserfolg maßgebliche Therapieelemente herausgearbeitet und definiert werden. Auf Grundlage der Leitlinien der Fachgesellschaften zur Diagnostik und Behandlung von Essstörungen (AWMF-Leitlinien, 2010) wurden klinikübergreifend detailliertere und praxisorientierte „Best Practice“-Therapiestandards und -empfehlungen erarbeitet. Themen sind unter anderem therapeutische Essensbegleitung, ein optimiertes Gewichtsmanagement und Zielgewicht, Ernährungsmanagement mit Angeboten der Lehrküche, medizinische Versorgung, Einbindung der Familie in die Therapie, therapeutischer Umgang zur Verbesserung der Körperakzeptanz sowie Vorbereitung der Entlassung und Transfer in den Alltag mit therapeutischer Nachsorge.

Die „Best Practice“-Leitlinien sind mittlerweile an allen Standorten der Schön Klinik, an denen psychische und psychosomatische Erkrankungen behandelt werden, in den therapeutischen Alltag integriert. Ihre Umsetzung wird von der Expertengruppe begleitet, supervidiert und kontrolliert. Es zeigte sich, dass im Verlauf der Vernetzung und Umsetzung eine Verbesserung des Therapiestandards und auch der Behandlungsergebnisse erreicht werden konnte. Die Leitlinien stellen somit eine wichtige Grundlage für eine spezialisierte und für den Patienten erfolgreiche Therapie der Anorexia nervosa dar. Eine Überprüfung und Weiterentwicklung dieser Therapiestandards erfolgt auch in Zukunft in regelmäßigen Abständen durch das Expertenteam. Aufgrund der erfolgreichen Etablierung ist die Erarbeitung von „Best-Practice“-Standards auch für depressive Erkrankungen und weitere psychische sowie körperliche Erkrankungen angedacht.

 

Gezielte Vernetzung: Projekt „Aufbau eines Versorgungsnetzes Süd“.

Die gezielte Vernetzung sowohl innerhalb der Klinikgruppe Schön Klinik als auch mit externen Kooperationspartnern ist als zentraler Erfolgsfaktor im Leitbild der Schön Klinik verankert. Im Norden und im Süden Deutschlands wurden nun Initiativen innerhalb der Schön Klinik gegründet, die sich mit dem Aufbau von sektorenübergreifenden Netzwerken bei der psychosomatischen Versorgung befassen. Grundgedanke ist, hilfesuchenden Patienten in einem Stepped-Care-Modell die für sie optimale Therapie unter Nutzung der spezialisierten Behandlungsangebote der einzelnen Schön Klinik-Standorte und weiterer Kooperationspartner vermitteln zu können.
Die Schön Klinik Roseneck ist – zusammen mit ihren Schwesterkliniken an den Standorten Starnberger See, Berchtesgadener Land und Bad Staffelstein sowie mit der Schön Klinik Tagesklinik München – Teil dieser Initiative in Süddeutschland. Neben der Intensivierung der Zusammenarbeit mit bestehenden Partnern (im Essstörungsbereich beispielsweise mit ANAD e. V. und dem Therapienetz Essstörung) ist geplant, ambulante Anlaufstellen für hilfesuchende Patienten zu schaffen. Dort sollen die Patienten nach intensiver, wissenschaftlich fundierter Diagnostik eine Empfehlung zur Weiterbehandlung erhalten. An ihren Standorten bietet die Schön Klinik ein vollstationäres Versorgungsangebot für Patienten mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen, das kürzlich in Hamburg und München um Tageskliniken erweitert wurde.
Neben den Bestrebungen, die psychosomatische Versorgung zu verbessern, soll das Netzwerk auch dazu dienen, die Aus- und Weiterbildung von Fachärzten und Psychologischen Psychotherapeuten zu fördern und eine Plattform für den Austausch – auch über sektorale Grenzen hinweg – zu bieten.

 

Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT).

Zur Erweiterung des vielfältigen und störungsspezifischen Therapieangebotes wurde 2014 die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) in der Schön Klinik Roseneck eingeführt. Obgleich die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ein effektives Verfahren zur Behandlung vieler psychischer Störungen darstellt, ergeben sich in der Praxis jedoch immer wieder Probleme, die eine Modifikation der KVT nahe legen. Die Verfahren der sogenannten 3. Welle der Verhaltenstherapie stellen eine solche Modifikation bzw. Weiterentwicklung dar. Als eines dieser Verfahren
hat sich das ACT-Modell dabei als ebenso innovativ wie effektiv für die Behandlung psychischer Störungen erwiesen. Ein besonderer Vorteil gegenüber der traditionellen KVT liegt unter anderem darin, die Häufigkeit und Intensität von Rückfällen zu verringern.
Bei ACT handelt es sich um ein Therapieverfahren, das von Steven Hayes und seinen Mitarbeitern in den USA entwickelt wurde und inzwischen auch zunehmende Verbreitung in Europa findet. Es geht davon aus, dass psychische Störungen durch einen Mangel an psychischer Flexibilität bedingt werden. Dieser ist durch die Kombination mehrerer dysfunktionaler Prozesse gekennzeichnet:

  • fehlende Bereitschaft (Akzeptanz), schmerzhafte, jedoch unvermeidbare Erlebnisinhalte zuzulassen (z. B. Trauer)
  • mangelnde Achtsamkeit
  • Identifikation oder „Verschmelzung“ mit Gedanken, die nicht als solche sondern als faktische Gegebenheiten erlebt werden („Ich bin nichts wert“ anstatt „Ich denke von mir, dass ich nichts wert bin.“)
  • Schwierigkeiten, sich an (selbst gewählten) Werten zu orientieren bzw. diese in die Tat umzusetzen

ACT setzt an diesen Komponenten mit dem Ziel an, die psychische Flexibilität zu erhöhen. Dies erfolgt durch die Vermittlung von Achtsamkeitsfertigkeiten, vermehrter Akzeptanz von unangenehmen und schmerzhaften Erlebnisinhalten, der Vermittlung von Distanzierungstechniken gegenüber negativen Gedanken sowie der Klärung, Erarbeitung und Umsetzung von Werten. Gerade bei Patienten mit Essstörungen kann das Erarbeiten selbst gewählter Werte dazu beitragen, die Therapiemotivation zu verbessern und Ambivalenzen aufzulösen. ACT soll zunächst bei Essstörungen im gruppentherapeutischen Setting vermittelt und in der Einzeltherapie vertieft werden. Nach erfolgter Evaluation und Optimierung, soll das Verfahren auch bei anderen Störungsbildern verwendet werden.

 

Weiterentwicklung der Jugendabteilung.

In unserer Jugendabteilung bieten Therapeuten verschiedener Fachbereiche ein auf die Altersgruppe zugeschnittenes Therapieangebot an, das sich an den fachlichen Leitlinien für eine krankheitsspezifische Behandlung von Jugendlichen orientiert. Neben der Einzel- und Gruppenpsychotherapie umfasst dieses für Patienten mit Essstörungen auch Ernährungstherapie (mit therapeutisch geleiteter Lehrküche), therapeutische Begleitung bei allen Hauptmahlzeiten, Gestaltungstherapie, Sport- und Bewegungstherapie (mit Angeboten von Körperwahrnehmung bis therapeutischem Klettern), Gruppentherapie zur Förderung der sozialen Kompetenz, physikalische Therapieangebote sowie eine engmaschige medizinische Betreuung.

Patienten mit Angst- und Zwangsstörungen erhalten unter anderem eine störungsspezifische Behandlung mit integrativer kognitiver Einzel- und Gruppentherapie und Expositionsübungen. Das störungsspezifische Therapieangebot für Jugendliche mit depressiven Erkrankungen umfasst neben kognitiver Therapie auch Elemente zum Aufbau von Aktivitäten und Förderung der sozialen Kompetenz. Unsere Biofeedback-Abteilung bietet altersspezifische Gruppentherapie zur Förderung der Entspannungsfähigkeit sowie Neurofeedback für Patienten mit begleitender ADHS an. Auch weitere begleitende psychische Erkrankungen können mit spezialisierten Therapieangeboten behandelt werden (z.B. Gruppentherapien für Patienten mit Angsterkrankungen oder emotional instabiler Symptomatik).
Wichtig für den Behandlungserfolg ist die Einbeziehung der Familie. In regelmäßigen Familiengesprächen und Telefonaten erfolgt die gemeinsame Planung der Therapie sowie der weiteren Betreuung. Schon zu Beginn des Klinikaufenthaltes werden die ambulante Nachsorge oder weiterführende teilstationäre Behandlung mit Patienten und Eltern vorbereitet. Bei Bedarf werden unsere jugendlichen Patienten sozialtherapeutisch beraten. Entsprechend des Therapieverlaufs kann eine stundenweise Unterrichtsteilnahme an einer in Kliniknähe gelegenen Schule erfolgen.

 

Publikationen 2013 und 2014

Finden Sie hier wissenschaftliche Veröffentlichungen von bzw. mit Beteiligung von Mitarbeitern der Schön Klinik Roseneck.

Zu den Publikationen 2013 und 2014

Forschungsprojekte

Hier finden Sie Informationen zu unseren Forschungsprojekten.

Zu unseren Forschungsprojekten

 

Themen und Projekte 2013

Eröffnung von Haus Rosenheim, Golden Helix Award, neues Behandlungsangebot für Jugendliche etc.

Themen und Projekte 2013

 

Themen und Projekte 2012

Was 2012 bei uns passierte: neuer Standort, neue Abteilungen, Erweiterungen etc.

Themen und Projekten 2012