Biofeedback

Körperprozesse durch Biofeedback sichtbar machen

Ein Psychologe erklärt die Signale im Biofeedback

Ein Psychologe erklärt die Signale im Biofeedback

Wie der Name schon sagt, ist Biofeedback ein Verfahren, mit dem normalerweise unbewusst ablaufende körperliche Prozesse durch kontinuierliche Rückmeldung (engl. Feedback) sichtbar und wahrnehmbar gemacht werden. Bereits kleinste Veränderungen von körperlichen Prozessen können durch technische Hilfsmittel erfasst und visuell und akustisch rückgemeldet werden. Beispielsweise kann ein Absinken der Hautleitfähigkeit (ein Signal für innere Anspannung) während einer Entspannungsphase durch eine proportional immer leiser und tiefer werdende Tonfolge „hörbar“ oder durch eine Liniengraphik „sichtbar“ gemacht werden. Damit stellt das Biofeedback eine Erweiterung unserer Sinnesorgane dar: Ähnlich wie bei einem Fernglas können wir bislang nicht wahrgenommene Körpersignale in unser „Blickfeld“ rücken oder unsere Wahrnehmung dafür schärfen.

 

Ziele der Biofeedback-Therapie

Biofeedback ermöglicht neben einer verbesserten Wahrnehmung auch eine gezielte Beeinflussung von körperlichen Vorgängen. Mit Hilfe dieses Zugangs zum eigenen Körper und dem Erkennen von individuellen Steuerungsmöglichkeiten können PatientInnen selbst eine aktivere Rolle in der Behandlung übernehmen. Zu den wesentlichen Zielen in der Biofeedback-Therapie gehören damit

 

  • Die gezielte Beeinflussung von symptomrelevanten Reaktionsmustern (z.B. Reduktion muskulärer Anspannung bei Kopfschmerzen vom Spannungstyp)
  • Die Verbesserung der Wahrnehmung für körperliche Prozesse und die Entwicklung von einem besseren Körperbewusstsein
  • Die Stärkung von Selbsteffizienz durch die erfolgreiche Anwendung aktiver Bewältigungsstrategien
  • Das Sichtbarmachen von Zusammenhängen zwischen psychischen und physiologischen Prozessen
  • Die Verbesserung der allgemeinen Entspannungsfähigkeit

 

 

Welche Körpersignale werden beim Biofeedback erfasst?

Ein Einblick in das vegetative Nervensystem mit Hilfe von Biobeedback

Ein Einblick in das vegetative Nervensystem mit Hilfe von Biobeedback

Mit Hilfe von Biofeedback kann eine Vielzahl von körperlichen Signalen erfasst werden, die v.a. Hinweise auf die Aktivität unseres vegetatives Nervensystem geben. Das vegetative (oder auch autonome) Nervensystem spielt eine zentrale Rolle bei der Steuerung von Stress- und Entspannungsreaktionen und reguliert verschiedenste Körperfunktionen. Mit Hilfe von Biofeedback kann die Anspannung verschiedener Muskeln oder Muskelgruppen (meist Schulter-, Kiefer- oder Stirnmuskulatur) gemessen, aber auch autonome Signale wie Herz- u. Atemfrequenz, Hautleitfähigkeit, Hauttemperatur, Blutdruck und periphere Durchblutung können erfasst werden. Diese Signale geben in sehr zuverlässiger Weise Auskunft darüber, wie „angespannt“ oder „entspannt“ eine Person ist. Mit anderen Worten: sie messen unseren aktuellen "Stresspegel".

 

Biofeedback. Was ist ein psychophysiologisches Stressprofil?

Ein Stressprofil aus dem Biofeedback

Ein Stressprofil aus dem Biofeedback

Biofeedback eignet sich hervorragend, um den Patienten Einblicke in Zusammenhänge zwischen Körper und Psyche zu ermöglichen. Mit Hilfe eines psychophysiologischen Stressprofils werden nicht nur Rückschlüsse auf das aktuelle Anspannungsniveau möglich, sondern es werden auch körperliche Reaktionmuster unter Stress und Ruhe sichtbar. Damit können nicht nur typische Stressreaktionen identifiziert (Wie reagiere ich körperlich auf Stress?), sondern auch die allgemeine Entspannungsfähigkeit geprüft werden. In einem weiteren Schritt werden mit Hilfe von Biofeedback Strategien zur Entspannung eingeübt, die dann auch in Belastungssituationen eingesetzt werden können. Eine Patientin beschreibt ihre Erfahrungen folgendermaßen: „ Jetzt kann ich endlich einen Zusammenhang zwischen meiner belastenden Situation am Arbeitsplatz und meinen Kopfschmerzen erkennen – meine Schultermuskulatur spielte „verrückt“, als ich mir vorgestellt habe, wie ich mit meinem Chef spreche! Aber das Beste ist: Ich habe gesehen, wie ich selbst Einfluss nehmen und diese Anspannung wieder lösen kann! Ich werde weiter üben, dann schaffe ich das auch im Büro!“

 

Anwendungsbereiche und Indikationen für Biofeedback

Wie Biofeedback funktioniert, wird von einer Expertin erklärt

Wie Biofeedback funktioniert, wird von einer Expertin erklärt

Biofeedback kann im Rahmen einer verhaltensmedizinischen Behandlung bei den unterschiedlichsten psychosomatischen Beschwerden sinnvoll eingesetzt werden. Häufig wird Biofeedback zur Demonstration psychophysiologischer Zusammenhänge, zur Bewältigung von Stress und körperlichen Beschwerden sowie zur Entspannungskontrolle und –förderung genutzt. Es gibt jedoch auch sehr spezifische Anwendungsmöglichkeiten für Biofeedback: Vor allem bei der Behandlung von Schmerzstörungen (v. a. Migräne, Kopfschmerz vom Spannungstyp, chronische Rückenschmerzen) und der Harninkontinenz gilt Biofeedback als besonders erfolgsversprechend. So trainieren zum Beispiel Patienten mit chronischen Kopf- und Rückenschmerzen gezielt ihre Kopf-, Nacken- und Rückenmuskulatur zu entspannen. Als unterstützendes Verfahren wird Biofeedback auch bei temporomandibulären Störungen (z.B. Bruxismus), essentieller Hypertonie, neuromuskulären Störungen, Schlafstörungen, ADHS sowie Epilepsie und vielen weiteren Störungsbildern eingesetzt. In der Regel entscheiden der behandelnde Arzt bzw. Psychologe und der Patient gemeinsam, ob eine individuelle Indikation für eine Biofeedbackbehandlung gegeben ist.