Schwerpunkt Zwangsstörungen
Was ist eine Zwangsstörung?
Häufiges Kontrollieren ist typisch für manche Zwangsstörung
Haben Sie die Kaffeemaschine wirklich ausgeschaltet? Haben Sie die Tür abgeschlossen? Gehen Sie lieber noch mal nachschauen. Sind Sie sicher, dass Sie heute bei der Arbeit keinen Fehler gemacht oder nichts Wichtiges vergessen haben? Oder hatten Sie vielleicht heute einen unsinnigen und nicht akzeptablen Gedanken, der gar nicht zu Ihnen passt? Sind Ihre Hände beim Waschen auch wirklich sauber geworden? Vielleicht sollten Sie sie noch mal gründlicher säubern.
Wenn Sie sich in diesen Beispielen wiederfinden und jetzt etwas beunruhigt sind, brauchen Sie sich noch keine Sorgen zu machen, denn fast alle Menschen kennen solche und ähnliche Erfahrungen. Sie sind manchmal nützlich, denn man könnte ja tatsächlich etwas Wichtiges vergessen haben. Oft sind diese Gedanken aber nur lästig und letztlich harmlos.
Eine Zwangsstörung kann stark belasten
Es ist aber auch durchaus möglich, dass derartige Sorgen und Verhaltensweisen den Menschen emotional sehr stark belasten und nach und nach den Alltag sehr stark bestimmen können. Dann spricht man von einer Zwangsstörung. Zwangsgedanken oder -handlungen treten dabei wiederholt auf und sind oft mit starkem Unbehagen verbunden. Dieses kann so quälend werden, dass lang andauernde Zwangsrituale scheinbar die einzige Möglichkeit darstellen, bestimmte Situationen einigermaßen zu bewältigen.
Häufigste Form von Zwangsstörungen: Kontrollzwänge
Die häufigsten Formen von Zwangsstörungen sind die Kontrollzwänge: die Person befürchtet, etwas falsch gemacht zu haben, und dieser Fehler könnte weitreichende schlimme Konsequenzen haben. Diese Sorge, gepaart mit der Unsicherheit über die eigene Wahrnehmung, führt zu ausgiebigen Kontrollritualen.
Andere Betroffene haben Angst vor Schmutz oder Verseuchung. Zur Abwendung von Unheil werden einzelne Körperteile, Wäschestücke oder andere Gegenstände sehr häufig, intensiv oder nach gewissen Regeln gereinigt. Wieder andere Personen haben das Gefühl, gewisse Handlungen oder Gedanken wiederholen zu müssen, und hier spielen oft bestimmte Zahlen eine bedeutsame Rolle: "ich muss den Artikel genau drei Mal lesen, sonst habe ich ihn nicht verstanden." Auch das Abzählen von Gegenständen, das übertriebene Sammeln und Horten sowie die zwanghafte Langsamkeit gehören in den Bereich der Zwangsstörung. Praktisch jede Zwangsstörung zeichnet sich durch sehr starre Regeln oder sogar ein kompliziertes Regelwerk aus, denen sich der Betroffene unterwirft, um mit seinen Gefühlen im Alltag klarzukommen.
Zwangsgedanken sind ebenfalls eine Form von Zwangsstörungen
Auch Zwangsgedanken können großes Leid verursachen: die Person schafft es nicht, aufdringliche und oftmals belastende und nicht akzeptable Gedanken loszuwerden, sondern sie muss diese gegen ihren Willen immer wieder denken. Häufig drehen sich derartige Gedanken um die Themen Sauberkeit, Ordnung, Aggression, Sexualität und Religion. Obwohl sie sich oft nur im Kopf abspielen, können die Beschäftigung mit diesen Gedanken und vor allem die Rituale gegen die Gedanken so viel Raum einnehmen, dass alltägliche Abläufe stark gestört werden.
Ein Angestellter der Müllabfuhr, der zum Beispiel den erschreckenden Gedanken hatte, er könne kleine Kinder sexuell missbrauchen, traute sich sehr bald nicht mehr auf die Straße und konnte nicht mehr zur Arbeit gehen.
Keine Sorge: SIE SIND NICHT VERRÜCKT!
Die Rituale und das Vermeidungsverhalten im Rahmen einer Zwangsstörung kommen dem Betroffenen oft arg "verrückt" vor, da er ja letztlich weiß, dass es für sein Verhalten keine vernünftigen Gründe gibt. In der Behandlung der Zwangsstörung wird den Patienten ein einleuchtendes Modell vermittelt, warum sie diese Rituale ausführen: es geht nicht um die Sache, sondern letztlich um Gefühle.
Weitere Informationen zum Behandlungsbild ‚Zwangsstörungen‘ finden Sie hier