Essstörungen

Wann entwickeln Menschen Essstörungen?

Bild einer Patientin mit Essstörungen

Bild einer Patientin mit Essstörungen

Essen hat außerhalb von Essstörungen verschiedene Funktionen: Es erfüllt einen biologischen Zweck zur Erhaltung des Lebens. Es kann Quelle von Genus sein. Es kann im sozialen Kontext eine wichtige kommunikative Rolle einnehmen, z.B. als Festessen. Für Personen mit Essstörungen verändern sich diese Funktionen. Menschen, die im Rahmen von Essstörungen hungern, erleben den Nahrungsmangel als quälend und für jene, die versuchen, absichtlich an Gewicht abzunehmen, kann Essen stark emotional besetzt werden (Panik, Ängste, Gier, Angst die Kontrolle zu verlieren). Sowohl ein Zuviel als auch ein Zuwenig an Essen kann gesundheitsschädlich sein. Nahrungsmittelverweigerung kann auf gesellschaftlicher Ebene ein politisches Druckmittel sein. Innerhalb einer Familie kann die Essensverweigerung einer Patientin mit Anorexie (Magersucht) - mangels anderer Ausdrucksmöglichkeiten - den Ausdruck eigenen Widerstandes, einen Versuch der Abgrenzung und eine Möglichkeit darstellen, aus Angst vor den Anforderungen der Erwachsenen (Sexualität, Beziehungen, Beruf, Leistung) auf gewohnte kindliche Muster zurückzugreifen. Quelle: "Fichter MM (2008): Essstörungen. In: Möller HJ, Laux G, Kapfhammer HP (Hrsg.). Psychiatrie und Psychotherapie. Band 2: Spezielle Psychiatrie. 3. vollständig neu bearbeitete und aktualisierte Auflage. Springer, Heidelberg, 949-970".

Folgende wichtige Kennzeichen finden sich bei allen Essstörungen

  • Eine Störung des Körperbildes, d.h. des Gefühls für den eigenen Körper
  • Eine Störung der interozeptiven, propriozeptiven und emotionalen Wahrnehmung, d.h. der Wahrnehmung körpereigener Vorgänge und der Wahrnehmung von Gefühlen
  • Ferner ein alles durchdringendes Gefühl eigener Unzulänglichkeit.

(Bruch, H. (1973). Eating disorders: obesity, anorexia nervosa and the person within. New York: Basic Book.)

 

 

Häufigkeit von Essstörungen

In den westlichen Industrienationen haben Essstörungen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Sie sind dabei die häufigste psychosomatische Erkrankung im jungen und mittleren Erwachsenenalter und stellen eine ernsthafte Erkrankung dar, die manchmal sogar lebensbedrohlich sein kann.

Ursachen von Essstörungen

Man kann davon ausgehen, dass stets mehrere Faktoren bei der Entstehung und Aufrechterhaltung von Essstörungen beteiligt sind. Die Spannbreite reicht dabei von biologischen und genetischen Faktoren über spezielle Merkmale in der Persönlichkeit der Betroffenen und ihrer Familien bis zu soziokulturellen Faktoren, etwa dem Schlankheitsideal. In den letzten Jahren wurden erhebliche Anstrengungen unternommen, um wissenschaftlich fundierte Therapiekonzepte zur Behandlung von Essstörungen auszuarbeiten und sie entsprechend zu überprüfen. Auf Basis dieser Entstehungsbedingungen sind Essstörungen vor allem ein Versuch, mit unterschiedlichen emotionalen Belastungen fertig zu werden. Aufgabe der Therapie ist demnach, zusammen mit der Patientin/dem Patienten, alternative Bewältigungsstrategien für den Umgang mit ihren/seinen emotionalen Stressoren zu finden, so dass nicht mehr auf Essstörungen bzw. zuviel oder zuwenig essen zurückgegriffen werden muss.

Wichtig! Nicht näher bezeichnete Essstörungen

Auch wenn Sie nicht alle Merkmale einer Essstörung aufweisen oder Sie eine Mischung aus Merkmalen mehrerer Essstörungen bei sich selbst kennen, kann unter Umständen eine behandlungsbedürftige Essstörung bestehen. Man spricht dann von einer Nicht Näher Bezeichneten Essstörung (Atypische Essstörung).

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Cuntz

PD Dr.med. habil. Dipl. Psych. Ulrich Cuntz

Tel.: 08051 68-3524

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