Der neue Ärztliche Direktor Professor Voderholzer im Interview

Aus Freiburg an den Chiemsee

Prof. Voderholzer über seine Erwartungen und Ziele.

Prof. Voderholzer über seine Erwartungen und Ziele.

Der langjährige Ärztliche Direktor, Professor Manfred Fichter, übergab nach einem Vierteljahrhundert die Ärztliche Leitung an Prof. Dr. med. Ulrich Voderholzer, der vom Universitätsklinikum Freiburg an den Chiemsee kommt. Der Nachfolger von Professor Fichter ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie und wirkte von 1994 bis 2009 in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg – zuletzt als stellvertretender Direktor der Klinik. Er ist Experte u.a. für Zwangsstörungen, Depression und Schlafstörungen.

Wann haben Sie erstmals von der Klinik Roseneck gehört?

Während meiner Zeit als Medizinstudent hörte ich erstmals von der Klinik Roseneck – und man war sich in der Psychiatrischen Klinik der LMU München einig: Patienten mit Depressionen, Essstörungen und anderen psychischen Erkrankungen, die eine intensive Psychotherapie benötigen, profitieren nachhaltig von einer Behandlung in der Roseneck-Klinik. Dieser positive Eindruck hat sich über die Jahre hinweg bestätigt: Die Klinik überzeugt durch die Qualität ihrer Behandlung sowie den Grad der therapeutischen Spezialisierung.

Ihre Erwartungen an die neue Aufgabe?

Ich freue mich sehr auf meine neue Tätigkeit am Chiemsee. Die Klinik hat sich in den vergangenen 25 Jahren mit ihren störungsorientierten Therapiekonzepten einen sehr guten Ruf erworben. Deshalb sehe ich es als erste, zentrale Aufgabe an, diesen hohen Standard zu bewahren. Weiterhin ist es wichtig, die störungsorientierten Konzepte dem ständig wachsenden Wissensstand über psychische Erkrankungen anzupassen und weiter zu optimieren.

Was können Sie uns schon über Ihre Ziele sagen?

Insbesondere ist mir die Psychotherapieforschung ein großes Anliegen, weil sich begleitende wissenschaftliche Studien langfristig auf die Qualität der klinischen Arbeit auswirken und Therapien verbessern. Es hat mich sehr beeindruckt, wie Herr Professor Fichter jährlich zahlreiche Originalpublikationen veröffentlicht hat, dies parallel zu seiner Tätigkeit als Ärztlicher Direktor einer großen Klinik. Eine kontinuierliche Evaluation der Behandlungen ist auch in Zukunft für die Weiterentwicklung der Therapiekonzepte von großer Bedeutung.

Sie sind ja Experte für Zwangsstörungen …

Für Zwangsstörungen interessiere ich mich besonders, weshalb ich diesen Schwerpunkt in der Klinik weiter ausbauen möchte. Darüber hinaus sind weitere Akzente denkbar, beispielsweise bei der Einführung neuer Psychotherapieformen oder zusätzlicher Indikativgruppen.
Persönlich ist es mir ein Anliegen, durch Öffentlichkeitsarbeit zu einem offenen Umgang mit psychischen Erkrankungen beizutragen. Die Klinik Roseneck hat ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass Essstörungen ein großes gesellschaftliches Problem sind und wesentlich zur Aufklärung beigetragen. Psychische und psychosomatische Erkrankungen sind immer noch stigmatisiert und für viele Menschen ein übermächtiges Tabu. Viele Betroffene finden oft erst nach vielen Jahren den Weg in die Behandlung. Hier sehe ich – über den klinischen Versorgungsauftrag hinaus - unsere Verantwortung.

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