Hilfe für Patienten im Netzwerk

Unser Umgang mit dem Thema Essen

Therapie – über den Klinikaufenthalt hinaus. Dazu arbeiten Kliniken und Beratungsstellen im „Therapienetz Essstörung“ zusammen Andreas Schnebel ist Geschäftsführender Vorstand und Therapeutischer Leiter von ANAD e.V. Die Organisation unterhält eine Beratungsstelle für Essstörungen und therapeutischen Wohngruppen für Betroffene.

Wie hat sich der Umgang mit dem Thema Essen im letzten Vierteljahrhundert verändert?

Menschen mit mangelndem Selbstvertrauen leiden häufig an Essstörungen.

Menschen mit mangelndem Selbstvertrauen leiden häufig an Essstörungen.

Gemeinsame Mahlzeiten sind für immer mehr Patienten, die zu uns kommen, ungewohnt. In vielen Familien wird nicht gemeinsam gegessen, geschweige denn gekocht. Essen passiert „nebenbei“, während wir fernsehen oder mit dem Handy hantieren. Der gesellschaftliche Wandel hat dazu beigetragen, dass wir einen natürlichen Umgang mit Lebensmitteln zunehmend verlernen. Dazu kommen schwierige Vorbilder: Heute wollen junge Frauen sein wie Kate Moss, die erst kürzlich sagte, dass „nichts so gut schmeckt, wie sich dünn sein anfühlt". Es wäre aber falsch, Essstörungen allein auf ein Zeit- und Medienphänomen zu reduzieren. Wer einmal „Heilfasten“ ausprobiert hat, weiß, dass es so etwas gibt, wie die „Euphorie des leeren Magens“. Wer hungert, gewinnt auch Kontrolle über seinen Körper, und das spricht Menschen besonders an, die unter mangelndem Selbstvertrauen leiden. Sie erhalten positive Rückmeldung auf ihr schlankes Aussehen und so die gewünschte Bestätigung. Diese Anreize können den Boden für eine Essstörung bereiten.

Im „Therapienetz Essstörung“ arbeiten unterschiedlichste Einrichtungen – Kliniken und Beratungsstellen – zusammen. Wo liegt der Vorteil für die Patienten?

In den Anfangsjahren haben Einzelpersonen und Kliniken bei der Therapie von Essstörungen Aufbauarbeit geleistet. Das war wichtig, aber erfolgte häufig unabhängig voneinander. Relativ bald haben wir festgestellt, dass eine Klinikbehandlung nur so erfolgreich ist wie die anschließende Nachbetreuung. Eine so enge Zusammenarbeit wie im Fall von ANAD und der Klinik Roseneck war zunächst revolutionär. Mittlerweile arbeiten im „Therapienetz Essstörung“ städtische Krankenhäuser, Beratungsstellen und Wohngruppen, aber auch Kliniken in privater Trägerschaft zusammen. Diese Kooperation ist deutschlandweit vermutlich einmalig und bietet für Patienten zahlreiche Vorteile. Gemeinsam bieten wir eine individuelle Beratung, Diagnostik und Begleitung sowie Überbrückungsangebote an. Damit ist eine lückenlose Behandlung möglich.

Ihr Ansprechpartner

Rempert

Gabi Rempert

Tel.: 08051 68-3510

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