Olympia aus der Sicht eines Arztes. Interview mit Dr. Christian Schneider
Als Teamarzt für die Bob- und Skeleton-Mannschaften waren Sie vor Ort im Olympischen Dorf – was waren die sportlichen und sonstigen Höhepunkte?
Dr. Christian Schneider (Mitte), Teamarzt der Bob- und Skeleton-Mannschaften, mit der Silbermedaillengewinnern Kerstin Szymkowiak (links) und der Bronzemedaillengewinnerin Anja Huber (rechts), beide Skeleton.
Die sportlichen Höhepunkte sind immer die Wettkämpfe der betreuten Mannschaften - hier im speziellen die "Abschiedsrennen" von André Lange. Negativer Höhepunkt war der Tod des Georgiers K. auf der Bahn im Whistler Sliding Center, aber in der Folge hat sich eine gute Wettkampfroutine eingestellt. Nach den "erwarteten" Erfolgen der Rodler konnten auf der Bahn auch die Skeleton Frauen Medaillen holen und der folgende Doppelsieg im Zweierbob hat den erhofften Lohn für die ganze Arbeit gebracht.
Die zweite Woche begann leider nicht so erfolgreich für unsere Damen und der Sturz einer unsere Schlitten ging recht glimpflich aus. Bei dem Sturz unseres Damenbobteams Cathleen Martini/Romy Logsch zogen sie sich Verbrennungen der Haut zu, die bei den hohen Geschwindigkeiten von über 120 km/h durch die Reibung auf dem Eis entstehen. Romy ist recht spektakulär aus dem Bob "ausgestiegen", so dass der Bob nicht regulär durch das Ziel kam und somit disqualifiziert wurde. Sie hat sich den Knöchel angeschlagen. Durch die hervorragenden diagnostischen Möglichkeiten im Olympischen Dorf konnten schwerere Verletzungen ausgeschlossen und direkt mit der konservativen Behandlung begonnen werden. Das folgende Königsrennen im Vierer-Bob war wieder von einigen Stürzen überschattet, ohne jedoch ernsthaften Schaden anzurichten und das Ergebnis mit Silber für André Lange baute seine Position als Ausnahmeathlet aus.
Wie bewerten Sie das Abschneiden der von Ihnen betreuten Mannschaften?
Das Gesamtergebnis des Bob-und Schlittenverbandes kann sich sehen lassen, im Rodeln 2 x Gold, 1 x Silber, 2 x Bronze; im Bob 1 x Gold, 2 x Silber; im Skeleton 1 x Silber, 1 x Bronze - also 10 Medaillien von 30 deutschen Medaillen. Nach den sehr unglücklichen Verletzungsproblemen am Anfang der Saison im November sah es für Anja Huber und André Lange gar nicht gut aus. Die notwendige Diagnostik wurde in München durchgeführt und dann die weiteren therapeutischen Schritte sowie die heimatnahe Fortführung eingeleitet. Unter den regelmäßigen Kontrollen konnte ein stetiger Belastungsaufbau ermöglicht werden, so dass das große Ziel Olympiateilnahme und vielleicht gar ein Medaillengewinn doch wieder möglich wurde. Umso erfreulicher ist es dann, dass beide Athleten sich den Traum inklusive Medaille erfüllen konnten.
Welche Aufgaben hatten Sie als Teamarzt in den letzten zwei Wochen?
Im Vordergrund steht die omnipräsente Anwesenheit, um schnell Erstmaßnahmen ergreifen zu können und sonst als Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen. So begleite ich natürlich das Training an der Bahn und dann auch teilweise das Training im Kraftraum/Athletikhalle. Besondere Brisanz hat bei Olympischen Spielen, dass man keine Ersatzpersonen mitnehmen darf, so dass sich wirklich niemand verletzen oder durch einen Infekt ausfallen darf. Im Vorfeld habe ich einen Anschieber austauschen müssen, aber mit dem Ersatz hat es für André Lange auch gut zu Silber im Vierer gereicht.
Was ist das Besondere an Olympia für Sie?
Olympia ist das Ereignis, wo alle Sportarten gemeinsam an einem Ort sind, man sitzt mit Skifahrern, Skispringern oder anderen am Tisch und das aus allen Nationen. Plötzlich gibt es nicht nur eine Sportart, plötzlich werden auch andere Freuden, teils auch mal andere Probleme sichtbar - ein unglaublicher Teamspirit entwicket sich und in den wenigen freien Zeiten versucht man andere Wettkämpfe live oder am Fernseher gemeinsam zu erleben. Das "Drumherum" ist auch von ganz besonderer Qualität - viele Medienvertreter, viele Politiker, alle Sponsoren, viele Sportfreunde und Fans - es macht Spaß diese Sportbegeisterung zu erleben. Und alles gipfelt dann in einer grandiosen Abschlussfeier - sichtbare Vereinigung der Nationen, die beim Einmarsch noch getrennt sind. Diese Erfahrung ist jedem Sportler zu wünschen und wenn möglich auch anderen Ärzten in der Betreuung.
Die Schön Klinik München Harlaching ist ein angesehenes deutsches Fachkrankenhaus und verfügt in medizinischen Fachkreisen weltweit über eine ausgezeichnete Reputation. Mit großem Erfolg behandeln die Spezialisten des Krankenhauses im international agierenden „Kompetenzzentrum Bewegungsapparat“ orthopädische Erkrankungen aller Schweregrade. Medizinische Schwerpunkte sind: Wirbelsäulenchirurgie, Knie-, Hüft- und Schulterchirurgie, Handchirurgie, Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Sportorthopädie, Kinderorthopädie, Septische und Rekonstruktive Chirurgie sowie Anästhesiologie und Intensivmedizin. Als eines von weltweit 18 FIFA Medical Centre of Excellence, als medizinisches Zentrum des Olympiastützpunktes Bayern und als Partner des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland genießen die hoch spezialisierten Ärzte und Therapeuten das Vertrauen vieler Profisportler. Zum umfangreichen medizinischen Angebot des Krankenhauses gehören Prävention ebenso wie ambulante Rehabilitation. Im Oktober 2009 wurde die Klinik offiziell zum Akademischen Lehrkrankenhaus der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität Salzburg (PMU) ernannt. Bereits seit 1999 ist die Klinik nach DIN EN ISO zertifiziert. Auch nach der neuen Norm DIN EN ISO 9001:2008 konnte das Gütesiegel gesichert werden. Das Krankenhaus beschäftigt 480 Mitarbeiter, verfügt über knapp 200 Betten und behandelt pro Jahr rund 9.200 Patienten.
Die medizinischen Schwerpunkte in unserem Krankenhaus sind u.a.