Essstörung: Bulimie, Magersucht und Co.
Wenn Kalorienzählen den Alltag bestimmt
Essstörungen wie Magersucht und Ess-Brech-Sucht (Bulimie) beeinträchtigen das gesamte Leben der Betroffenen
Mehr als eine halbe Million junge Mädchen und Frauen in Deutschland leiden unter den Symptomen einer Essstörung. Sie zählen die Kalorien von Salatblättern oder erbrechen nach dem Essen die Nahrung wieder (Bulimie). Hinter Körpermaßen, die in der Werbung als Norm postuliert werden, verbirgt sich oft eine gefährliche psychosomatische Erkrankung. Bis zu jede siebte Patientin, die unter Magersucht („Anorexia nervosa“) leidet, stirbt im Langzeitverlauf an den Folgen dieser Erkrankung. Betroffen sind junge Frauen – und immer öfter auch Männer – in der Altersspanne zwischen 12 und 35 Jahren.
Eine Essstörung ist eine ernstzunehmende Erkrankung
Dabei sind Störungen des Essverhaltens ernstzunehmende Erkrankungen. Essgestörte haben oftmals ein verzerrtes Selbstbild und fühlen einen starken Druck, den sie durch ihr Essverhalten kompensieren. Die Auswirkungen dieser Erkrankungen haben Einfluss auf das gesamte Leben. Leider sehen viele Erkrankte ihre Essstörung nicht als solche an und verstecken die Anzeichen vor anderen. Aufmerksamkeit und Unterstützung durch das soziale Umfeld sind bei allen Essstörungen entscheidend. Der Hausarzt initiiert meist die Suche nach therapeutischen, beratenden oder anderen Maßnahmen. Hier bietet in Hamburg die Universitären Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Schön Klinik Hamburg Therapien an, die sehr breit gefächert sind und sich nach den Umständen des Patienten und der Schwere seiner Erkrankung richten. „Gerade bei den Magersuchtspatientinnen wollen wir nicht, dass sie zuviel Sport machen, weil sie so wieder Kalorien verbrennen würden, wobei die Bewegungstherapie für BED-Patienten genau richtig ist. Die Kunsttherapie empfinden viele als positiv, weil es ein nonverbaler Weg ist, Gefühle auszudrücken und man einiges über sich lernen kann“, berichtet Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Bernd Löwe der Schön Klinik Hamburg-Eilbek. „Wenn jemand mit Magersucht, der zum Beispiel 30 Kilo wiegt, zu uns kommt, wird er wohl bei der Entlassung keine 50 Kilo wiegen, aber vielleicht 40 Kilo und damit auf dem richtigen Weg sein.“
Interdisziplinäres Team hilft Patienten mit Essstörungen
Konferenz des interdisziplinären Teams
In der Universitären Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie werden Patienten mit dem gesamten Spektrum psychosomatischer Erkrankungen (z.B. Essstörungen wie Magersucht, Bulimie oder Angststörungen) sowie primär körperlich erkrankte Menschen mit begleitenden psychischen Beschwerden behandelt. Dabei steht Ihnen ein interdisziplinäres Team zur Verfügung, das aus psychotherapeutisch qualifizierten Ärzten, Psychologen, Pflegekräften, Sport- und Physiotherapeuten besteht. „In den letzten Jahrzehnten haben sich die Therapiemöglichkeiten etwa für eine Anorexia nervosa – also die Magersucht - erheblich verbessert. Früher war die therapeutische Haltung gegenüber dieser gravierenden und gefährlichen psychischen Erkrankung eher als resignativ zu bezeichnen. Heute allerdings haben sich neue Möglichkeiten der Therapie eröffnet, in vielen Fällen wird nun eine primäre Remission (Rückbildung) ermöglicht,“ so Löwe.
Familiäre Situation hat Einfluss auf eine Essstörung - und ist wichtig zur erfolgreichen Behandlung
Wichtig bei einer Essstörung: die familiäre Situation
Bei der Behandlung einer Essstörung ist in den meisten Fällen nicht nur die betroffene Patientin krank. Häufig krankt auch das familiäre oder berufliche System in dem sich die Patientin befindet. Einerseits leiden Angehörige und andere Bezugspersonen oft erheblich darunter, wenn sie ansehen müssen, wie eine Essstörung Besitz über einen jungen Menschen ergreift. Andererseits kann auch ein schwieriges Umfeld zur Entstehung und Aufrechterhaltung einer Essstörung beitragen. Aufgrund dieser Situation sollte das familiäre und persönliche Umfeld bei der Behandlung von Essstörungen mit einbezogen werden; dazu zählen z.B. bei jungen Patientinnen mit Magersucht in erster Linie die Eltern und Geschwister. Bei der Einbeziehung der Eltern, Geschwister und ggf. weiterer Angehöriger geht es nicht darum herauszufinden, wer "schuld" an der Erkrankung ist, sondern Informationen über die Erkrankung zu vermitteln und einen gemeinsamen Weg aus der Essstörung zu finden.
SERVICE: Formen der Essstörungen
Latente Essstörung
Eine latente Essstörung ist vorhanden, tritt aber nicht vollständig in Erscheinung. Sie kann Vorbote einer ausgeprägten und behandlungsbedürftigen Essstörung sein. Diese Form der Erkrankung begünstigt den Einstieg in andere Essstörungen, z.B. in Bulimie oder Magersucht. Typische Anzeichen hierfür sind Einsatz von Appetitzüglern oder Abführmitteln, Verwendung von Lightprodukten, Wechsel zwischen übermäßigem Essen und Diät, das Zählen von Kalorien, hohe Gewichtsschwankungen und Angst vor Gewichtszunahme.
Magersucht (Anorexie / Anorexia nervosa)
Magersüchtige sind von ihrem äußeren Erscheinungsbild auffallend dünn. Sie sind hoch sensibel für die Bedürfnisse anderer und können sich verbal gut mit Freunden, Bekannten und Verwandten auseinandersetzen. Der Zugang zu ihrer eigenen Gefühlswelt ist ihnen jedoch sehr schwer möglich. Daher ist es auch für nahestehende Personen schwer, sie emotional zu erreichen und zu stützen. Magersüchtige haben einen schwachen Bezug zu ihrem Körper und dessen Bedürfnissen. Sie fühlen sich zu dick, wiegen sich oft und leiden unter depressiven Verstimmungen. Ihre Nahrung nehmen sie extrem langsam, sehr heiss oder kalt vorzugsweise in breiiger Form zu sich. Zu exzessiver sportlicher Aktivität gesellt sich gelegentlich das Tragen schwerer Taschen.
Ess-Brech-Sucht (Bulimie / Bulimia nervosa)
Vom äußeren Erscheinungsbild sind bulimische Frauen und Männer scheinbar normal, meist schlank. Sie sind sehr gepflegt und ehrgeizig. Durch diese perfekte Fassade ist es kaum zu erkennen, dass sie Probleme haben und Hilfe benötigen. Sie unterscheiden erlaubte und verbotene Lebensmittel und horten von ersteren große Mengen. Wie bei Magersüchtigen sind viele sportliche Aktivitäten, übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht, Vernachlässigung von Interessen und depressive Verstimmungen typisch. Bulimikerinnen verheimlichen ihre Essattacken und beenden diese oft durch selbstinduziertes Erbrechen oder durch Einnahme von Abführmitteln.
Binge Eating Disorder (BED)
Der Unterschied zur Bulimie besteht darin, dass das Essen nicht durch Erbrechen, Abführmittel oder extremen Sport kompensiert wird. Die „Schlinger“ sind meist stark übergewichtig und schlucken ihre Gefühle wortwörtlich in Form von Fressanfällen herunter, ohne danach zu erbrechen. Häufiger Heißhunger, häufiges Diäthalten und dessen Abbruch, geringe körperliche Aktivität, alleine essen bis zu einem belastenden Völlegefühl, Antriebslosigkeit, Depressionen, Vermeidung von Spiegeln sind typische BED-Symptome. Zusätzlich kann es zu Alkoholmissbrauch, Angstzuständen, Selbsthass, zwanghaften Handlungen kommen.