Neurologie. Unsere Schwerpunkte
Rückenschmerzen
In Deutschland hat jeder dritte bis vierte Mensch Rückenschmerzen. Fast 70 % der Bevölkerung haben die Schmerzen mindestens einmal im Jahr, und nahezu 90 % leiden mindestens einmal im Leben an Rückenschmerzen. Am häufigsten ist dabei die Lendenwirbelsäule betroffen. Rückenschmerzen sind nach Infektionen des Atemtrakts die zweithäufigste Ursache für Arztbesuche und die häufigste Ursache für eine Krankschreibung. Auch bei den meisten Frühberentungen spielen Wirbelsäulenbeschwerden direkt oder indirekt eine Rolle, die volkswirtschaftliche Bedeutung der verschiedenen Wirbelsäulenerkrankungen ist enorm. Aber auch der Leidensdruck für den Betroffenen und die Einschränkungen der Aktivität und Teilhabe am Leben kann sehr groß sein.
Welche Rückenschmerzen unterscheiden wir?
Man unterscheidet akute Rückenschmerzen, die einmalig auftreten und in der Regel von selbst verschwinden, rezidivierende Rückenschmerzen, die in Abständen immer wiederkehren, und chronische Rückenschmerzen, die an mehr als der Hälfte der Tage eines Jahres vorhanden sind. Als Hexenschuss (Lumbago) bezeichnet man umgangssprachlich einen plötzlichen, stechenden Schmerz im Rücken, der mit einer Zwangshaltung, starker Bewegungseinschränkung und massiven Muskelverspannungen einhergehen kann, auch eine Schmerzausstrahlung ist möglich. Ausgelöst wird er meist im Bereich der kleinen Wirbelgelenke und – im Gegenteil zur weitläufigen Meinung - nahezu nie durch einen Bandscheibenvorfall.
Diagnostik & Schmerztherapie
Grundsätzlich bleibt die genaue Ursache bei etwa 90% der Rückenschmerzen unklar. Die häufigen "Verschleißerscheinungen" in den Bildern der technischen Untersuchungen (Röntgen, CT, MRT), lassen meist keinen Rückschluss auf die Schmerzursache zu, da sie bei nahezu allen Menschen ab einem bestimmten Alter auftreten. Anders ausgedrückt: Es gibt Menschen, die trotz massiver Abnutzungszeichen der Wirbelsäule und der Bandscheiben keine Schmerzen haben, während andere bei leichten oder gar keinen Veränderungen sehr starke Schmerzen empfinden. Die Hauptquelle der Schmerzen sind überwiegend muskuläre Verspannungen auf dem Boden von Fehlhaltungen und dauernde Überlastung des Muskel-Skelett-Apparates. Auch psychosoziale Belastungen (familiärer oder beruflicher Stress, Sorgen, Ängste, Depressionen) spielen bei Rückenschmerzen oft eine große Rolle.
Unser interdisziplinäres Team bietet Ihnen eine spezielle, auf mehreren Säulen ruhende sogenannte multimodale Schmerztherapie an.
Bewegungsstörungen
Die Bewegungsstörungen gehen vom zentralen Nervensystem aus.
Ein Schwerpunkt unserer Abteilung sind die sogenannten Bewegungsstörungen. Bei einer Bewegungsstörung ist die willkürliche Fähigkeit eines Menschen gestört, Bewegungen durchzuführen, sinnvoll zu steuern oder unwillkürliche Bewegungen zu unterdrücken. Ein Beispiel dafür ist die Parkinson´sche Erkrankung, auch Schüttellähmung oder Morbus Parkinson genannt. Die Beweglichkeit im Alltag, die Teilhabe und Aktivität eines Menschen sind bei dieser Erkrankung gemindert. Aber auch viele weitere neurologische Erkrankungen führen zu einer Einschränkung der Beweglichkeit im Alltag. Bewegungsstörungen sind meist langwierig und therapieintensiv. Wir bieten neben der Diagnostik dieser Bewegungsstörungen deshalb auch eine nachhaltige individuelle Therapie an.
Die Parkinson Krankheit
Der Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, deren Auslöser nicht bekannt sind. Aufgrund des Absterbens von bestimmten, vor allem den Botenstoff Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn, kommt es schleichend zu unterschiedlich ausgeprägten vier Hauptsymptomen:
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Bradykinesie (Verlangsamung der Bewegungsabläufe)
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Rigor (Starrheit, Erhöhung der Muskelspannung fehlerhafte Aktivierung von Muskeln)
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Tremor (Zittern; unwillkürliche, sich rhythmisch wiederholende Bewegungen)
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Posturale Instabilität (mangelnde Stabilität der aufrechten Körperhaltung)
Man rechnet derzeit in Deutschland mit ca. 250.000 bis 400.000 Menschen, die an einem sogenannten idiopathischen Parkinson-Syndrom (IPS) leiden. Diese Zahl wird aufgrund des immer höheren Durchschnittsalters der Bevölkerung weiter steigen, da die Erkrankung in den späten Lebensdekaden häufiger auftritt.
Die Therapieprinzipien ruhen auf der Physikalische Therapien zum Erhalt der motorischen Funktionsfähigkeiten, auf einer individuellen medikamentösen Therapie zur Besserung der gestörten Beweglichkeit und Ausgleich des Dopamindefizits, auf der gezielten Minderung des durch die Erkrankung erhöhten Krankheitsrisikos (z.B. der Sturzgefahr, z.B. der Schluckstörung) und auf der individuellen Behandlung in fortgeschrittenen Krankheitsstadien mit technisch- bzw. pumpengestützten Therapieverfahren Apomorphin-Pumpe, Duodopa-Pumpe, Tiefe Hirnstimulation
Anfallsleiden (Epilepsie)
Etwa 1% aller Menschen leiden an einer Epilepsie (Krampf- oder Anfallsleiden), damit ist diese Erkrankung etwa so häufig wie die Zuckerkrankheit oder das Gelenkrheuma. Man schätzt, dass 5 % aller Menschen einmal im Leben einen epileptischen Anfall haben. Die Erkrankung kann angeboren oder erworben sein, z.B. nach einer Gehirnverletzung bei einem Schädel-Hirn-Trauma oder nach einem Schlaganfall. Meist handelt es sich dabei um einen sogenannten Gelegenheitsanfall, wie er z.B. bei hohem Fieber bei Kleinkindern, bei Vergiftungen, starken Blutzuckerverschiebungen oder Alkoholmissbrauch vorkommen kann. Von Epilepsie spricht man erst dann, wenn sich die Anfälle von selbst und ohne besonderen Anlass wiederholen. Die Belastung für den Betroffenen hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab (Art der Anfälle, Häufigkeit, Alter, Beruf, Ansprechen auf Medikamente). Die Diagnostik und Auswahl der geeigneten Therapie muss individuell und nachhaltig erfolgen. Durch die Zusammenarbeit der Klinik für Neuropädiatrie, die Kinder und Jugendliche mit Epilepsie behandelt, der Klinik für Neurochirurgie und Epilepsiechirurgie, welche die operativen Verfahren in der Epilepsiebehandlung von Erwachsenen und Kindern anbietet, und der Klinik für Neurologie als ambulante und stationäre Anlaufstelle für Erwachsene bieten wir die Diagnostik und Therapie für sämtliche Epilepsieformen an. Wir legen hierbei größten Wert auf die individuelle Beratung und nachhaltige Betreuung und Begleitung des Patienten und seiner Angehörigen. Zur Vereinbarung eines ambulanten Vorstellungstermines wenden Sie sich bitte an das Chirurgische Versorgungszentrum an der Schön Klinik Vogtareuth.
Schmerzen bei komplexen Erkrankungen
Neben der Diagnostik und Therapie von akuten oder chronischen Rückenschmerzen bieten wir auch umfassende Diagnostik und Therapie für komplex kranke Schmerzpatienten an, wie z.B. Menschen mit mehrfacher Behinderung oder Tetraspastik. Hierfür sind speziell behindertengerechte Zimmer vorhanden, auch mit der Möglichkeit des rooming in für Angehörige oder Begleitpersonen. Die Versorgung mit spezifischen und speziellen etablierten Therapieverfahren, wie z.B. einer Baclofenpumpen- Implantation bei schwerer Spastik in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neurochirurgie, eröffnet chronisch und komplex kranken Menschen neue Perspektiven in der Behandlung ihrer individuellen Gesundheitsstörungen.