Neurologie. Behandlung & Therapie

Überblick über unsere Behandlung & Therapie bei Bewegungsstörungen und Schmerzen

Morbus Parkinson - Lebensqualität durch individuelle Therapie

Ein besonderer Schwerpunkt der Klinik für Neurologie mit Rückenschmerzzentrum ist die Diagnostik und Behandlung von Bewegungsstörungen, hier vor allem die Parkinson`sche Erkrankung, auch Schüttellähmung genannt. Zur Behandlung der häufigsten Symptome Bewegungsverlangsamung (Akinese), Zittern (Tremor) und erhöhte Muskelspannung (Rigor) stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung. Besondere Probleme mit erheblicher Beeinträchtigung der Lebensqualität ergeben sich für Patienten und Angehörige im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Dabei sind Bewegungsblockaden (Freezing) und oft schmerzhafte Überbeweglichkeit (Dyskinesien) genauso zu berücksichtigen wie oft vorhandene Begleiterscheinungen, z.B. Schlaf- und Gedächtnisstörungen. Ziel unserer Behandlung ist es, die Lebensqualität des Patienten durch eine individuelle Auswahl der Therapiemöglichkeiten zu verbessern.

Parkinson-Diagnostik

Mit der klinisch-neurologischen Untersuchung, Anamneseerhebung, neuropsychologischen Testung, bildgebenden Verfahren (Kernspintomographie, Computertomographie) und dem L-Dopa-Stimulationstest kann die Diagnose M. Parkinson bestätigt und gegenüber anderen zugrundeliegenden Erkrankungen, sogenannten „atypischen Parkinsonsydromen“, abgegrenzt werden.

Aktivierende Therapie/Komplexbehandlung bei Parkinson

In allen Krankheitsstadien der Parkinson´schen Erkrankung können Patienten von intensivierten Therapieangeboten profitieren. Diese sind ein wichtiger Behandlungsbaustein neben Medikamenten und operativen Therapieverfahren. Für Patienten mit ambulant nicht mehr ausreichend behandelbaren Beschwerden, im fortgeschritten Stadium der Erkrankung oder postoperativ nach Tiefer Hirnstimulation bieten wir ein angepasstes Therapieprogramm aus folgenden Bereichen an:

  • Physiotherapie
  • Physikalische Therapie
  • Ergotherapie
  • Sprach-/Schlucktherapie
  • Psychologische Diagnostik und Therapie
  • Sporttherapie
  • Feldenkrais

Prakinson: Apomorphin-Pen/Apomorphin-Pumpe

Apomorphin, ein Abkömmling von Morphin, ist kein Schmerzmedikament und besitzt kein Abhängigkeitspotential. Es gehört in die Gruppe der Dopamin-Agonisten und ist nicht als Tablette verfügbar. Das Medikament wirkt sehr effektiv und schnell (4-7 Minuten) durch eine subkutane Gabe (Spritze unter die Haut). Als Bedarfsmedikation wird Apomorphin mit einem Pen, ähnlich wie Insulinspritzen bei Diabetikern, oder bei kontinuierlicher Therapie über eine externe Pumpe (Größe eines Handy) gegeben. Die Tagesdosis wird individuell ermittelt und eine Feineinstellung nach dem Basis-Bolus-Prinzip ist möglich. So können im Tagesverlauf gleichmäßige Blutspiegel erzielt und Wirkschwankungen reduziert werden. Patienten und Angehörige werden durch das Ärzteteam und das Pflegepersonal ausführlich in die Handhabung eingewiesen.

Parkinson: Duodopa-Pumpe

Auch mit der Duodopa-Pumpe wird eine kontinuierliche Stimulation der Nervenzellen im Gehirn erreicht, wodurch Wirkfluktuationen im Tagesverlauf reduziert werden. Dies wird durch eine direkte Abgabe des Medikamentes in den oberen Dünndarm über eine kleine Sonde gewährleistet. Zunächst erfolgt in der Testphase nach Anlage einer Nasen-Magen-Dünndarmsonde die klinische Beurteilung der Wirksamkeit. Die Patienten werden durch das Ärzteteam, das Pflegepersonal sowie einer spezialisierten Parkinsonpflegekraft kontinuierlich betreut, um rasch und gegebenenfalls mehrfach am Tag die Dopamin-Dosis nach dem Basis-Bolus-Prinzip anzupassen. Die externe Pumpe ist größer im Vergleich zur Apomorphin-Pumpe und wird über einen Gürtel oder Tragegurt getragen. Nach erfolgreicher Testphase wird die permanente Sonde im Rahmen eines kleinen operativen Eingriffes mit Magen-Darm-Spiegelung gelegt. Begleitend erfolgt die Schulung des Patienten und der Angehörigen.

Parkinson: Tiefe Hirnstimulation (englisch: Deep Brain Stimulation, DBS)

An operativen Behandlungsverfahren zur Therapie des M. Parkinson führen wir gemeinsam mit der Klinik für Neurochirurgie und Epilepsiechirurgie und der Klinik für Anästhesie die Tiefe Hirnstimulation durch. Dieses Verfahren wurde 1988 in Frankreich entwickelt und wird derzeit an 34 Zentren in Deutschland bei gegebener Indikation angewendet. Vom Prinzip her wird ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher ein kleiner Computer, der sogenannte Stimulator oder „Hirnschrittmacher“, unter die Bauch- oder Brusthaut implantiert. Von diesem Stimulator aus laufen - ebenfalls unter der Haut - dünne Leitungen, die Elektroden, zum Kopf und durch ein neurochirurgisch operiertes Bohrloch durch die Schädeldecke ins Gehirn, millimetergenau an die Stelle, die für die Bewegungsstörung verantwortlich ist und die vor der Operation mit modernsten Bildverfahren ermittelt wurden. An dieser Stelle löst der individuell programmierte Stimulator dann winzige elektrische Impulse aus. Die Chancen, dass damit die Hauptbeschwerden Bewegungsarmut, Zittern und erhöhter Muskeltonus reduziert werden können, sind sehr hoch. Zu erwarten ist auch eine Verringerung der bisher benötigten täglichen Medikamentenmenge. Für dieses Therapieverfahren eignen sich vor allem Patienten mit einem guten Ansprechen auf das Parkinson-Medikament Dopamin. Für diese sehr spezialisierte Behandlung bieten wir den kompletten Umfang der präoperativen Diagnostik, des intraoperativen Monitoring (Kontrolle der korrekten Elektrodenlage) und der stationären und ambulanten Nachsorge mit optimaler Programmierung der Stimulators an.

Morbus Parkinson - individuelle Nachsorge und ambulante Behandlung

Bewegungsstörungen sind sehr komplexe Erkrankungen, für die wir unseren Patienten individuelle Therapieverfahren anbieten. Über die akut-stationäre Behandlung und die multimodale Komplexbehandlung hinaus stehen wir den Patienten und Angehörigen auch im Rahmen der weiteren ambulanten Betreuung und Nachsorge zur Verfügung, sollte diese nicht durch einen niedergelassenen Neurologen oder Hausarzt sichergestellt sein. Jederzeit gerne beantworten wir den behandelnden Kolleginnen und Kollegen eventuelle Fragen zur Therapie und Nachsorge.

Behandlungskonzept Multimodale Schmerztherapie

Die multimodale Schmerztherapie ist ein Therapieansatz, der von einem ganzheitlichen, sogenannten bio-psycho-sozialen Modell des Schmerzes ausgeht. Dazu gehören neben den möglichen körperlichen Schmerzursachen (Knochen, Gelenke, Muskulatur) auch die Einstellung und Überzeugungen des Patienten, psychische Belastungen (familiär, beruflich), das Krankheitsverhalten und die sozialen Konsequenzen. Aus dieser Art desSchmerzverständnisses wird schon deutlich, dass die Erkrankung von einem Team aus verschiedenen Disziplinen angegangen werden muss. Bei uns sind dies vor allem  auf Schmerztherapie spezialisierte Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten , Feldenkrais-Therapeuten  und Masseure. Die Therapie umfasst mindestens sieben Behandlungstage und ist angezeigt, wenn mindestens drei der folgenden Merkmale vorliegen:

  • manifeste oder drohende Beeinträchtigung der Lebensqualität
  • Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit
  • Fehlschlag einer vorherigen unimodalen Schmerztherapie, eines schmerzbedingten operativen Eingriffs oder einer Entzugsbehandlung
  • bestehende(r) Medikamentenabhängigkeit oder -fehlgebrauch
  • schmerzunterhaltende psychische Begleiterkrankung
  • gravierende somatische Begleiterkrankung

Meist ist ergänzend eine medikamentöse Behandlung notwendig, die individuell mit dem Patienten abgesprochen und auf die Art der Schmerzen abgestimmt wird. Neben den klassischen Schmerzmitteln (Analgetika) kommen dabei regelmäßig auch sogenannte Ko-Analgetika zum Einsatz, zum Beispiel Antidepressiva, Muskelrelaxantien (entspannende Mittel) der Antiepileptika  bei Nervenschmerzen. Auch gezielte Infiltrationen, zum Beispiel an die kleinen Wirbelgelenke oder eine gereizte Nervenwurzel, werden in Zusammenarbeit mit der neurochirurgischen Klinik unter Bild-Kontrolle sehr exakt durchgeführt, wenn wir der neinung sind, dass hier eine der Schmerzursachen liegt.

Dieses nichtoperative Behandlungkonzept soll verhindern, dass chronische Rückenschmerzen zu Arbeitsunfähigkeit und zu Einschränkungen oder gar Velrust der Teilhabe am gewohnten Leben führen. Übergeordnetes Ziel ist der Erhalt oder die Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit und der Lebensqualität in ihrem persönlichen Umfeld.

Komplexes regionales Schmerzsyndrom

Das komplexe regionale Schmerzsyndrom (engl. complex regional pain syndrome - CRPS, früher auch als Morbus Sudeck oder Kausalgie bezeichnet) ist eine Schmerzerkrankung, die sich nach einem Knochenbruch, einer Operationen, einer Nervenschädigung oder auch mal nach einer Bagatellverletzung an Armen oder Beinen entwickeln kann. Das Krankheitsbild ist gekennzeichnet durch anhaltende stärkste Schmerzen, die durch die Verletzung nicht erklärbar sind, autonome Störungen (Schwellung, Glanzhaut, Hautverfärbung) sowie sensible Reiz- und Ausfallserscheinungen (Berührungsempfindlichkeit) und Muskelschwäche bis hin zur Gelenksversteifung. Die Erkrankung erfordert ein individuelles und multidisziplinäres Behandlungskonzept mit Krankengymnastik, Ergotherapie, physikalische Therapie, Spiegeltherapie sowie psychologische Begleitung mit Entspannungsverfahren. Entsprechend der vorrangigen Beschwerden werden verschiedene Medikamente zur Behandlung des neuropathischen Schmerzes eingesetzt. Im Einzelfall kann bei Beteiligung des sympathischen Nervensystems eine gezielte Infiltration (Stellatumblockade) durchgeführt werden. Ziel der Behandlung ist eine möglichst rasche Schmerzreduktion sowie Erhalt und Verbesserung der Beweglichkeit und Funktion der betroffenen Extremität.

Neuromodulation bei chronischen Schmerzen - wenn Tabletten nicht mehr helfen

In Kooperation mit der Klinik für Neurochirurgie bieten wir die Neuromodulation als modernes Therapieverfahren zur Behandlung von chronischen Schmerzen an. Hierdurch kann die Weiterleitung des Schmerzes zum Gehirn durch eine elektrische Stimulation im Bereich des Rückenmarks (Spinal Cord Stimulation, SCS) oder eines einzelnen Nerven (periphere oder subkutane Nervenstimulation, PNS oder SNS) so verändert werden, dass die Lebensqualität verbessert und Medikamente reduziert oder abgesetzt werden können. Für dieses Therapieverfahren geeignet sind v. a. Patienten mit Nervenwurzelreizungen, mit anhaltenden Schmerzen nach Bandscheibenoperationen oder medikamentös nicht beeinflussbaren Schmerzen. Ob die Methode für einen Patienten tatsächlich geeignet ist, kann anhand einer eingehenden Untersuchung mit Erhebung der Krankengeschichte, des körperlichen Untersuchungsbefundes und anhand bildgebender Untersuchungen (CT, MRT) fest gestellt werden. In jedem Falle sollte die Möglichkeit der Neuromodulation diskutiert werden, insbesondere dann, wenn Tabletten nicht mehr weiterhelfen.

Neuromodulation - operatives Vorgehen

Über eine Punktionsnadel wird in lokaler Betäubung eine dünne Elektrode durch den Neurochirurgen nahe an das Rückenmark oder einen peripheren Nerv platziert. Bereits in dieser Phase wird durch den betreuenden Arzt unserer Abteilung eine Teststimulation durchgeführt, um die richtige Position der Elektroden zu ermitteln. Erst nach erfolgreicher mehrtägiger Teststimulation auch im häuslichen Umfeld erfolgt dann in einem zweiten operativen Eingriff die Implantation des Nervenstimulators unter die Haut.

Neuromodulation - die Bedeutung der individuellen Nachsorge

Im Rahmen der ambulanten neurologischen und neurochirurgischen Nachsorge an der Schön Klinik Vogtareuth wird eine kontinuierliche und qualifizierte Langzeitbetreuung der Patienten gewährleistet. Durch ein externes Programmiergerät können die elektrischen Stimulationsparameter jederzeit verändert werden. Die Patienten selbst können über ein eigenes Steuergerät verschiedene Stimulationsprogramme auswählen.

Ihr Ansprechpartner

Gutwein

Kerstin Gutwein

Tel.: 08038 90-1652

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