Wenn das Leben mit 90 Jahren noch einmal neu beginnt

Aneurysma auch im hohen Alter erfolgreich zu behandeln

Der älteste Patient in der Gefäßchirurgie der Schön Klinik Vogtareuth, der Priener Altbürgermeister Franz Seebauer.

Der älteste Patient in der Gefäßchirurgie der Schön Klinik Vogtareuth, der Priener Altbürgermeister Franz Seebauer.

Franz Seebauer, Altbürgermeister von Prien, hat sich einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Er machte Urlaub in der Türkei. Nicht nur sein Alter – über 90 Jahre – war an diesem Urlaub ungewöhnlich. Der rüstige Senior war zuvor mit einer Diagnose konfrontiert gewesen, die früher eine schwere Operation und einen langen Leidensweg bedeutet hätte: „Aneurysma“, eine gefährliche Erweiterung der Hauptschlagader. Das Team der Gefäßchirurgie in der Schön Klinik Vogtareuth mit Chefarzt Prof. Dr. med. Stefan von Sommoggy freut sich, dass ihr ältester Patient sich von seiner Operation sehr gut erholt hat . Möglich machen dies neue minimal-invasive OP-Techniken nach der „Schlüsselloch-Methode“.

Aneurysma von zehn Zentimeter Durchmesser

„Das Aneurysma, eine Ausbuchtung der Gefäßwand, ist eine tückische Diagnose, denn die Patienten merken zunächst nichts“, erklärt Professor von Sommoggy die Erkrankung, die vorrangig etwa ab 60 Jahren und im siebten und achten Lebensjahrzehnt gehäuft auftritt. „Das erweiterte Gefäß kann aber wie ein überdehnter Luftballon reißen und die Patienten verbluten dann innerlich.“ Früher musste man bei der Operation den Bauchraum eröffnen – ein belastender Eingriff gerade für ältere Patienten.

Auch Franz Seebauer hatte zunächst gezögert – die „minimal-invasiven“ Techniken überzeugten ihn aber schließlich. Anstatt den Bauch zu öffnen, wurde bei ihm stattdessen nur ein kleiner Schnitt in der Leistengegend vorgenommen. Die Gefäßchirurgen führten durch die Leistenarterie eine Gefäßprothese per Katheter in die Bauchschlagader ein. Unter Röntgenkontrolle wurde diese bis zur geschädigten Stelle im Bauchraum vorgeschoben und exakt angepasst. Bei Franz Seebauer, geboren am 01.03.1913, fließt das Blut so nicht mehr durch die geschädigte, überdehnte Aorta. Das Aneurysma – mit 10 cm Durchmesser wie ein kleiner Ball – wurde überbrückt und damit ausgeschaltet.

Mittlerweile 96 Jahre alt und weiterhin aktiv

Jeder Fünfte über 65 Jahre leidet an einer arteriellen Verschlusskrankheit. „Dank des medizinischen Fortschritts können wir mit Minimaleingriffen und
weiterentwickelten Prothesen mittlerweile auch neunzigjährige Patienten wie Herrn Seebauer behandeln“, sagt Professor von Sommoggy. Der Altbürgermeister hätte vor wenigen Jahren noch eine sehr schlechte Prognose gehabt. Bei geplatztem Aneurysma lag die Überlebensrate nur bei 25 Prozent. Franz Seebauer, mittlerweile 96 Jahre alt, hat sich von seiner Operation gut erholt und ist weiterhin sehr aktiv.

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