Aus der Zwangsstörung in ein "normales" Leben.
Patient befürchtete durch Lebensmittel vergiftet zu werden
Das Leben meinte es nicht gut mit M. K.. Da er sich im Alter von 28 regelmäßig absichtlich erbrach, kam er zu einem ersten Vorgespräch in die Medizinisch-Psychosomatische Klinik Bad Bramstdt. Es zeigte sich, dass der Patient permanent befürchtete, durch öffentlich zugängliche Lebensmittel vergiftet zu werden. Die mit der Angst zusammen auftrendende Anspannung konnte er nur durch Erbrechen lösen. Doch wie kam M. K. zu dieser Störung?
Der Weg in die Krankheit
Aufgewachsen in einem Heim, wurde ihm im Alter von 16 Jahren von seinen Mitbewohnern LSD in das Essen gemischt, eine starke, Halluzinationen auslösende Droge. Der Drogenrausch löste bei ihm eine schwere Psychose aus, die stationär mehrere Tage in einer Psychiatrie behandelt werden musste. Zu diesem Zeitpunkt trat das zwanghafte Brechverhalten auf und er entwickelte ein umfassendes Misstrauen gegenüber allen Mitmenschen, später selbst bei der eigenen Ehefrau. Die ständig bestehenden Ängste, das Misstrauen, die seelische Belastung und seine Brechsucht führten im Weiteren auch zu einer muskulären Anspannung, Schlafstörungen und einer chronischen Magenschleimhautentzündung. Da Dosenbier ein für ihn "sicheres" Nahrungsmittel war, begann er exzessiv zu trinken, was zu einer Alkoholabhängigkeit führte.
Therapie und Behandlungsansatz
Aufgrund seiner schweren paranoiden (misstrauischen) Persönlichkeitsstörung brach M. K. die ersten sechs Aufenthalte in Bad Bramstedt vorzeitig ab. Erst beim siebten Aufenthalt in der Klinik gelang es seinem Bezugstherapeuten, Chefarzt Dr. Michael Armbrust, nach und nach erstmals eine längere, vorsichtige, zwischenmenschliche Vertrauensbildung aufzubauen. Parallel fanden Übungen statt, in denen der Patient lernte, die zum Teil automatisch ablaufenden Brechhandlungen wieder selbst zu kontrollieren. Beim achten und neunten Aufenthalt gelang es ihm dann, seine Essgewohnheiten so zu normalisieren, dass er z.B. im Speisesaal oder in der Cafeteria "offene" und sogar von anderen mitgebrachte Speisen konsumieren konnte, ohne sich zu erbrechen. Höhepunkt der Übungen war das angstfreie Verzehren einer Currywurst am Bahnhof, die er vor der Behandlung ganz sicher als "drogenvergiftet" eingeschätzt hätte. Die durch die Zwangsstörung verdeckten Probleme in der Spannungs- und Gefühlsreaktion wurden durch spezielle Therapieverfahren gelöst und durch vielfältige Übungen, auch im häuslichen Umfeld, unterstützt. Die übernahme einer ehrenamtlichen Tätigkeit in einer Selbsthilfegruppe half dem Patienten zusätzlich, seiner belastenden Dauerarbeitslosigkeit zu entfliehen.
Behandlungserfolg
"Nach dem zehnten Aufenthalt hat M. K. hinsichtlich der Zwangshandlungen, des Alkoholkonsums, des zwischenmenschlichen Misstrauens und anderer Ängste keine Symptome mehr", erklärt Chefarzt Dr. Michael Armbrust. "Und besonders freut mich, dass er schon seit längerer Zeit nun eine sehr positive, emotionale Paarbeziehung führt."