Persönlichkeitsstörungen – Therapeutischer Ansatz und Behandlungskonzept

Persönlichkeitsstörungen sind bunt und oft dynamisch

Persönlichkeitsstörungen sind bunt und oft dynamisch

Seit Mitte der 90er Jahre werden in unserer Klinik Menschen mit Persönlichkeitsstörungen in einem Schwerpunktbereich behandelt. Die Akzeptanz jedes Einzelnen mit seinen „Eigenarten“ ist uns hierbei ebenso wichtig wie die Förderung eines Zugehörigkeitsgefühls und die Auseinandersetzung mit der Patientengemeinschaft auf einer Schwerpunktstation.
Für alle Formen von Persönlichkeitsstörungen sind die Methoden der kognitiven Verhaltenstherapien einsetzbar. Bestimmte Persönlichkeitsstörungen sind recht selten und so existiert hierzu noch keine etablierte Therapiemethodik und wissenschaftliche Evaluation, bei anderen Persönlichkeitsstörungen gibt es hingegen schon sehr etablierte Konzepte, die auch in der Schön-Klinik Bad Bramstedt umgesetzt werden.
Vorrangig ist hier zu nennen die emotional-instabile Persönlichkeitsstörung, für deren Behandlung die DBT, die Dialektische Verhaltenstherapie nach Marsha M. Linehan, vielfältig erprobt und evaluiert ist. In unserem Schwerpunkt für Persönlichkeitsstörungen setzen wir vorrangig diese Therapieform ein.
Sehr wesentlich für diese Therapieform ist eine dialektische Grundhaltung der Behandler und des Gesamtteams. D.h. es muss eine Ausgewogenheit zwischen verschiedenen Störungsanteilen, auch versteckten, hergestellt und ständig eine Balance gewahrt werden zwischen Akzeptanz und Verände-rung des Patienten oder zwischen standardisiertem und individuellem Vorgehen. Dialektische Fragen und Interventionen ziehen sich durch den gesamten Therapieprozess und erfordern ein hohes Maß an Teamkohärenz, Störungswissen und Supervision.

Rahmenbedingungen

5 zertifizierte DBT-Therapeuten und 6 zertifizierte DBT-Cotherapeuten arbeiten im Schwerpunktbereich, der vom Dachverband DBT zertifiziert ist.
Es bestehen fünf Stationen mit ~ 110 Betten für diese Indikation - die Zuordnung erfolgt v.a. nach Begleitsymptomatik, Zielsetzungen und Alter.
Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 12 Wochen bei einem Minimum von 8 Wochen mit der Möglichkeit einer baldigen Wiederaufnahme.

Zugangsbedingungen

Vor der Aufnahme erfolgt ein Vorgespräch mit einem der Teamleiter. Patienten mit einem höheren Betreuungsbedarf mangels selbständiger Tagesgestaltung, akuter Suizidalität oder extrem ungesteuerten Fehlverhaltensweisen können nicht aufgenommen werden.

Zielprobleme und Behandlungsstrategie

Folgende häufige und oft charakteristische Verhaltensstörungen werden bearbeitet:
niedrige Frustrationstoleranz, erhöhte zwischenmenschliche Kränkbarkeit, unzureichende Fähigkeit zur Spannungsregulation, mangelhafte Impulskontrollfähigkeit, instabile Emotionsregulation, mangelnde Problem- und Konfliktlösefähigkeit, mangelndes Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsvermögen, situationsinadäquate Selbstwahrnehmung, instabiles Identitätserleben, dissoziative Phänomene - v.a. Entfremdungserleben ("Flucht nach innen") -, stark erhöhtes, andere belastendes, Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung, unzureichend kontrollierbares selbst- und fremdverletzendes Verhalten, selbstschädigender Substanzmittelmissbrauch
Im Rahmen unseres DBT-orientierten Behandlungsverfahren werden hauptsächlich Verbesserungen angestrebt in der situativen Achtsamkeit, der Stresstoleranz, der Gefühls- und Selbstwertregulation, der Beziehungsfähigkeit, der sozialen und assertiven Kompetenz, der Problemlösefertigkeiten, der Angstbewältigung, der Regulierung des Essverhaltens, dem Aufbau positiver Aktivitäten und der Korrektur wenig realitätsgerechter Grundüberzeugungen. Letzteres kann auch sehr individuell, differenziert und tiefgehend mit den Strategien der Schematherapie behandelt werden.
Im Zentrum unseres kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept stehen also Verhaltens-aufbau- und Problemlösetraining, Expositionsübungen und spezifische kognitive Verfahren.
Darüber hinaus werden die Methoden und Prinzipien der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) in allen Einzel- und Gruppentherapien angewendet.
Individuelle Therapiepläne und längerfristig gedachte Therapie- und Zielvereinbarungen, auch mit Verträgen und klar abgesprochenen Konsequenzen sorgen für einen festen Therapierahmen.
Ein Schwerpunkt liegt auf der konstruktiven Gestaltung der therapeutischen Beziehung und eines tragfähigen Arbeitsbündnisses durch vielfältige Strategien des sogenannten Commitments und der Validierung. D.h. der Patient wird nicht nur in die Verantwortung genommen, ihm wird auch vermittelt, dass seine subjektive Sicht der Dinge verstanden wird.
Medikamentöse Behandlung ist zumeist eine notwendige Ergänzung.

Einzeltherapie

Dem Bezugstherapeut obliegt die Organisation und er erstellt den individuellen Behandlungsplan, der auf die patientenspezifischen Erfordernisse abgestimmt wird. Er ist verantwortlich für Diagnostik, gemeinsame Definition der Therapieziele und die Ausformulierung der oft sinnvollen individuellen Therapieverträge sowie die Vermittlung störungsspezifischen Wissens und die Integration der Interventions-effekte in die Gesamtbehandlungsstrategie. Die Therapeuten akzeptieren jeden Patienten in seinen "Selbstschutz"-Strategien und stellen eine hohe Transparenz des therapeutischen Vorgehens bzgl. aller Veränderungsschritte sicher. Neben regelhaft geplanten Einzelsitzungen obliegt dem Bezugs-therapeuten zumeist auch Durchführung des Krisenmanagements.

Co-Therapie

Jeder Patient kann auch von einer Co-Therapeutin zur Bewältigung des Stationsalltags mit konkreten Hilfestellungen und Kriseninterventionen betreut, zur Umsetzung der Verhaltensänderungen motiviert und in der Erarbeitung einer Tagesstruktur und Verhaltensanalysen angeleitet werden. In Absprache mit dem Bezugstherapeuten sind auch Einzelgespräche möglich.

Fertigkeitentraining und Interaktionelle Gruppenverhaltenstherapie in 2 Stufen

In dieser 2x wöchentlichen gruppentherapeutischen Behandlung wird gerade die Unterschiedlichkeit der kognitiven und handlungsbezogenen Verhaltensmuster der Teilnehmer zur Erarbeitung effektiver Fertigkeiten, zur Entwicklung hilfreicher Denkmuster gegenseitigen Korrektur vereinseitigter und sozial wenig angepasster Verhaltensmuster gewinnbringend genutzt. Gemäß des Grund-„Spirits“ der DBT wird hier empirisch vorgegangen, d.h. die Gruppentherapeuten wissen nicht „die Lösung“, sondern alle Teilnehmer tragen mit ihrem Wissen (professionelles oder aus Eigenerfahrung) zu gemeinsam erarbeiteten Lösungsschritten bei, die dann von den Betroffenen zwischen den Sitzungen eingeübt werden müssen.
In Stufe 1 werden grundlegende Fertigkeiten zur Stressbewältigung und -toleranz erarbeitet Die regelmäßige Besprechung der Anwendung der erarbeiteten Fertigkeiten dient v.a. der Erstellung individueller "Krisenpläne" und Bewältigungsstrategien, u.a. auch einem „Notfallkoffer“. Parallel erfolgt der Einstieg in erste Fertigkeiten zur für das Störungsbild zentralen Emotionsregulation.
In Stufe 2 wird dies ausgebaut und mit dem Aufbau von Fertigkeiten zur Interaktionssteuerung und Selbstwertregulation weitergeführt. Im Gruppenprozess werden Problemsituationen aktiviert/ aktualisiert, analysiert, grundlegend modifiziert und über Verhaltensübungen gezielt einem situationsadäquateren Interaktionsverhalten zugeführt. Die Patienten werden hierbei angeleitet, sich gegenseitig in zumutbarem Maße bzgl. ihres Problemverhaltens zu konfrontieren, ihre Wahrnehmungsfähigkeit und Gefühlsregulation zu schulen und Handlungsfähigkeit aufzubauen.

Einführung und Basisgruppe

In diesen wöchentlichen Sitzungen werden grundlegende Informationen zu Diagnose und Störungs-bild, zu den Behandlungsmöglichkeiten - v.a. den Prinzipien der DBT - und zu den stationären Rahmenbedingungen vermittelt.

Achtsamkeitsgruppe

Die in dieser wöchentlichen Gruppe vermittelten speziellen Übungen helfen, innere Prozesse wie Gedanken und Gefühle und die Umwelt wertungsfrei wahrzunehmen, um so in der Lage zu sein, angemessen darauf zu reagieren. Das Ziel der Achtsamkeit ist damit, handlungsfähiger zu werden, negative Gefühle, Stress und Anspannung abbauen und bewältigen zu können und insgesamt emotional stabiler zu werden. Ferner werden Techniken vermittelt, die helfen einen "inneren sicheren Ort" oder "inneren Schutzraum" entstehen zu lassen.

Selbsthilfeorientierte Übungsgruppe

Mit dem Grundgedanken der Selbsthilfe findet diese Gruppe 1x wöchentlich in Eigenregie der Patienten statt und dient der Nach- und Vorbereitung der Fertigkeiten-Trainingsgruppen.

Kunst-/Ergotherapie

2x wöchentlich bietet sich auch hier die Möglichkeit, sich in eine Gruppe zu integrieren, v.a. aber mit nichtsprachlichen Mitteln eigene Themen zu bearbeiten, kreative Ressourcen zu entdecken und Achtsamkeit einzuüben. Der therapeutische Zugang erfolgt über gestalterische Mittel wie Malen, Anfertigen von Collagen, Modellieren mit Ton u. ä.

Bewegungstherapie

In dieser 2x wöchentlichen Gruppentherapie geht es um die Wahrnehmung der Körperfunktionen und Fertigkeiten zur körperbezogenen Spannungsregulation und einen fürsorglichen Umgang mit dem eigenen Körper zu erlernen. Weitere Ziele sind der Abbau von Schamgefühlen und das körperliche Sich-Beziehen-auf-andere.

Verhaltenserprobungen im häuslichen Umfeld und Angehörigenarbeit

Zur Übertragung in den Alltag sind oft wiederholte Verhaltenserprobungen im häuslichen Umfeld sinnvoll. Ergänzend können nahe Bezugspersonen in die Therapie miteinbezogen werden in Form von Angehörigengesprächen.

Sozialberatung

Die sozialarbeiterischen Interventionen umfassen v.a. Beratung und Klärung bei finanziellen und beruflichen Schwierigkeiten, aber auch die Realisierung konkreter Nachsorgemaßnahmen.

Ihr Ansprechpartner

Armbrust

Dr. med. Michael Armbrust

Tel.: ---

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Beratung & Anfragen

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