Indikativgruppen
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Gruppentherapie für Patienten mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Erwachsenenalter
Die Indikative Gruppentherapie für Patient/innen mit einem ADHS stellt eine problemlöseorientierte und spezifische Gruppenpsychotherapie dar und verfolgt das übergeordnete Ziel einer verbesserten Kontrolle der ADHS-Kernsymptomatik, um somit zu einer größeren Selbst-Wirksamkeitserwartung zu gelangen. Neben der Aufklärung und Wissensvermittlung über die Erkrankung (Psychoedukation) sind weitere Inhalte der Gruppentherapie der adäquate Umgang mit Emotionen, die Verbesserung der Impulskontrolle, die Erweiterung von Strategien zum Stressmanagement sowie die Verbesserung zwischenmenschlicher Fertigkeiten. Es gilt, Lösungsstrategien für die unterschiedlichen Problembereiche zu entwickeln, sie in konkreten therapeutischen Situationen immer wieder praktisch umzusetzen, um schließlich den Transfer auf andere Alltags- und Lebenssituationen zu erleichtern. Unsere stationäre Therapie soll informieren und Kontrollerfahrungen vermitteln, aber auch Raum geben zu reflektieren, was ADHS für die Biographie des Einzelnen bedeutet. In der Gruppentherapie sollen auch die „ADHS-typischen“ Ressourcen wie Neugier, Kreativität, Fantasie, rasche Auffassungsgabe und Sensibilität genutzt und gefördert werden.
Gruppentherapie für Patienten mit Adipositas und Essstörung
Dieses Behandlungsangebot zielt auf Patienten, bei denen Übergewicht bzw. Adipositas mit einem erheblich gestörten Essverhalten, einer (Binge-) Essstörung oder weiteren seelischen Beschwerden verknüpft ist. Die meisten Betroffenen haben die Erfahrung gemacht, dass insbesondere drastische Diätversuche häufig kurzfristige Erfolge bringen, jedoch auf Dauer nicht durchgehalten werden können. In der Folge führt dies Verhalten zu einer noch stärkeren Gewichtszunahme („JoJo-Effekt“). Ein unstrukturiertes Essverhalten, Heisshungeranfälle mit dem Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, oder auch häufiges nächtliches Essen bei schlechtem Schlaf („Night Eating) führen gleichfalls zu weiterem Gewichtsanstieg. Misserfolge und wiederkehrende Selbstvorwürfe, aber auch diskriminierende Erfahrungen im Alltag fördern oft ein Gefühl anhaltender Unzulänglichkeit, Scham und Ängstlichkeit. Aufgabe der Therapiegruppe ist es u.a., Zusammenhänge zwischen problematischem Essverhalten und eigenem (oft negativem) Befinden herauszuarbeiten sowie über eine geregelte und ausreichende Mahlzeitenstruktur, aber auch mehr Aktivität, nachhaltige Veränderungen einzuleiten. Intensiv wird zum Beispiel an Verhaltensalternativen zu Essanfällen oder zu übermäßigem „emotionalem Essen“ gearbeitet, um innere Anspannung abzubauen. Wir unterstützen unsere Patienten darin, das eigene Essverhalten über gezielte Selbstbeobachtung umfassend und wiederholt zu analysieren. Darauf basierend werden sinnvolle, individuelle Veränderungsmöglichkeiten abgeleitet. Weitere Therapieschritte dienen dem Aufbau von Körper- und Selbstakzeptanz wie auch von mehr Selbstbewusstsein. Therapeutisch geleitet findet ein intensiver Austausch in der Gruppe statt, sodass die Mitglieder untereinander von ihren Erfahrungen lernen können und sich auch gegenseitig unterstützen. Ein wichtiger Behandlungsbaustein in der Gruppentherapie ist die Vermittlung aktueller Erkenntnisse zur Entstehung und zum langfristigen Verlauf von Adipositas und Essstörung. Bekanntlich bleibt auch nach Besserung einer Essstörung die Gewichtsentwicklung langfristig meist unter den Erwartungen. Im Einzelfall werden daher auch fachübergreifende Behandlungsmöglichkeiten bis hin zu Adipositas - chirurgischen Maßnahmen erläutert.
Gruppentherapie für Patienten mit Angststörungen (Panikstörung/Agoraphobie)
Der Schwerpunkt der störungsspezifischen Gruppe für Angsterkrankungen liegt in der Behandlung von Panikattacken und Phobien. In dieser Gruppe sollen die PatientInnen vor allem den „Teufelskreis der Angst“ kennenlernen und auf dieser Basis ihr langfristig ungünstiges Vermeidungs- und Sicherheitsverhalten zu reduzieren beginnen. Die IG-Angststörungen verfolgt das Konzept, dass sich Angststörungen nicht „auf der Couch“ behandeln lassen, sondern der aktiven Veränderung von Verhalten bedürfen. Letztlich soll durch die Gruppentherapie Motivation aufgebaut werden, sich angstbesetzten Situationen auszusetzen und so Gewöhnung und Angstreduzierung zu erleben (Expositionstherapie). Deshalb beginnt jede Gruppenstunde zunächst mit der Besprechung der aktuell laufenden Expositionsübungen. Es wird Wissen zu Angststörungen und zu den psychophysiologischen Zusammenhängen anhand der Beispiele von Teilnehmern vermittelt. Im weiteren Verlauf erarbeitet sich jeder Patient ein individuelles Störungsmodell, das ursächliche, auslösende und aufrechterhaltende Faktoren beinhaltet. Bisherige Bewältigungsversuche werden gemeinsam besprochen. Ziel ist es, langfristig günstigere Strategien zu erarbeiten und die Ängste zu überwinden. Hierfür ist eine ausführliche Aufklärung über die Wirkungsweise von Expositionsübungen notwendig. Gleichzeitig geht es darum, ungünstige und unrealistische Gedanken und Annahmen zu überprüfen und durch realistischere zu ersetzen. Zur Vorbereitung auf den heimischen Alltag wird ein Plan zum Umgang mit evtl. auftretenden wiederauftretenden Panikattacken erarbeitet (Rückfallprophylaxe).
Gruppentherapie für Patienten mit Burnout-Syndrom
In der Indikativen Gruppentherapie zur Behandlung des Burnout-Syndroms wird auf folgende Inhalte besonderer Wert gelegt: Nach der Vermittlung der theoretischen Grundlagen zum Burnout-Syndrom, wird der individuelle Burnout-Prozess der Teilnehmer unter Einbeziehung des jeweiligen Lebenslaufs und der Einordnung in die jeweilige Lebenssituation erarbeitet. Im weiteren wird ein Schwerpunkt auf die Erarbeitung und später auch die Korrektur dysfunktionaler Leitsätze gelegt, da diese den Betroffenen häufig nicht geläufig sind und einen großen Anteil an der Aufrechterhaltung des Burnout-Prozesses haben. Im letzten Teil der Gruppe liegt ein Schwerpunkt auf der Erarbeitung der individuellen „Frühwarnsignale“ und der zukünftige Umgang mit ihnen.
Warum dieses Vorgehen?
Eine langfristige Veränderung ist nur dann möglich, wenn die Leitsätze („Innere Antreiber“) bekannt sind und korrigiert werden: es ist kaum möglich, Verhalten zu ändern, wenn dies unseren innersten Leitsätzen widerspricht.
Ein typisches Beispiel für einen Leitsatz bei Burnout Betroffenen ist : „Ich bin es nur wert, Zuwendung zu bekommen, wenn ich eine optimale Leistung erbracht habe“.
Aufgrund dieser Leitsätze werden Warnsignale oft so lange ignoriert, bis die völlige körperliche und emotionale Erschöpfung erfolgt. Daher wird diese von den Betroffenen häufig als sehr plötzlich empfunden. Ein weiteres Ziel ist es deshalb, den vorausgegangenen Prozess zu erkennen. um (Früh-) Warnzeichen für die Zukunft zu erarbeiten (Rückfallprophylaxe).
Gruppentherapie für Patienten mit chronischen Schmerzen
Im Rahmen der stationären interdisziplinär und multiprofessionell ausgerichteten Behandlung für Patienten mit chronischen Schmerzen bildet die indikative Gruppentherapie einen wichtigen Teil der verhaltensmedizinischen Behandlung. Die Gruppe arbeitet themenzentriert, d.h. es gibt einen „Themenfahrplan“. Wichtige Themen der Schmerzbewältigungsgruppe sind beispielsweise die Psychophysiologie des Schmerzes und psychosoziale Folgewirkungen des Chronifizierungsprozesses, aktive Aufmerksamkeitsumlenkung und Achtsamkeit, Gedanken und Gefühle in schmerzverstärkenden Situationen und deren Veränderung sowie der Aufbau von Perspektiven unter besonderer Berücksichtigung der Rückfallprophylaxe. Die Gruppe ist interaktionell orientiert, d.h. die aktive Mitarbeit der Teilnehmer und das Einbringen individueller Erfahrungen ist dringend erforderlich.
Gruppentherapie für Patienten mit Depressionen
Diese spezifische Therapiegruppe beinhaltet die Vermittlung von Informationen über das Krankheitsbild und dessen Behandlung. Wichtiges Ziel ist zu verstehen, wie sich die Erkrankung auf den Betroffenen selbst auswirkt und welche Einflüsse sie auf die Interaktionsgestaltung mit anderen Menschen haben kann. Insbesondere der durch Therapeuten geleitete Austausch mit anderen Betroffenen ermöglicht ein praktisches Verstehen „depressiver Denk- und Verhaltensweisen“. Wir versuchen nach den Prinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie mit Ergänzung durch Bausteine aus anderen Therapieschulen Veränderungen anzustoßen, die zu mehr positiven Aktivitäten, konstruktiverem Denken, verbesserter Stimmung und Befinden auch in zwischenmenschlichen Kontakten führt. Hierzu können in der Therapiegruppe durch Hinterfragen depressiver Denk- und Verhaltensweisen erste eigene Erfahrungen gemacht werden. Das Erarbeiten biologischer, psychischer und sozialer Faktoren bei der Depressionsentstehung ermöglicht zu verstehen, wie es zu der Erkrankung kam und wie sie beeinflusst werden kann. Die Selbstbeobachtung des eigenen Verhaltens und die Diskussion der selbstgesteckten Ziele in Verhaltensexperimenten im Vergleich zum Ergebnis ermöglichen konkret das Erkennen eigener Veränderungsmöglichkeiten. Ein weiteres wichtiges Ziel der Gruppentherapie ist, ein ausgewogenes Maß zwischen Aktivität und Selbstfürsorge zu finden, was langfristig stabilisieren kann.
Gruppentherapie für Patienten mit Essstörungen Anorexia nervosa und Bulimia nervosa
Zentrale Ziele in der Behandlung essgestörter Patienten sind – vor dem Hintergrund der Entwicklung eines individuellen, spezifischen Krankheitsmodells der Störung - die Schaffung guter motivationaler Voraussetzungen, eine Gewichtszunahme sowie Normalisierung des Essverhaltens, Verbesserung der Körperwahrnehmung und Förderung der Körperakzeptanz, Bearbeitung zugrundeliegender Konflikte und Planung und Umsetzung eigenverantwortlicher Veränderungsschritte zur Förderung von Autonomie und Selbständigkeit. Neben spezifischen Interventionen zur Normalisierung des Essverhaltens, zur Gewichtssteigerung und Förderung der Körperakzeptanz stellt die Bearbeitung aufrechterhaltender Faktoren jenseits der primären Essstörungssymptomatik einen mindestens ebenso wichtigen Teil der Therapie dar. Die Bearbeitung dieser Problembereiche geschieht neben der Einzeltherapie vorwiegend im gruppentherapeutischen Setting. Die typischen Schwierigkeiten bei denen viele essgestörte Patienten auf Hilfe durch die Therapeuten und die Mitpatienten angewiesen sind, umfassen u.a. mangelndes Selbstbewusstsein, extremes Leistungsstreben und Perfektionismus sowie ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle und Autonomie, Angst vor dem Erwachsenwerden, Abgrenzungs- und Durchsetzungsprobleme in Verbindung mit geringer Wahrnehmung eigener Gefühle und Bedürfnisse und Probleme im Bereich der Sexualität. Diese Problembereiche lassen sich in einer offenen und wertschätzenden Atmosphäre gut in Gruppen bearbeiten. Die Patienten erleben es als besonders hilfreich, wenn sie erkennen, dass sie nicht alleine davon betroffen sind, gemeinsam erste Lösungsansätze erarbeiten und diese auch schon während des Aufenthaltes erproben können.
Psycho-Physiologische Informations-Gruppe
In dieser Gruppe werden mit den Patienten in einem theoretischen und einem praktischen Teil die Zusammenhänge und die Wechselwirkungen zwischen Gedanken, Gefühlen (Psyche) und körperlichen Vorgängen (Physiologie) erarbeitet.
Im praktischen Teil wird für jeden Patienten ein Stressprofil am Biofeedbackgerät erstellt. Daran kann jeder Patient sehen, wie er/sie auf Stressoren reagiert bzw. wie sich das individuelle Entspannungsmuster darstellt.
Was ist überhaupt Biofeedback?
Mit dem Begriff Biofeedback (engl.: Rückmeldung biologischer Signale) wird ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren bezeichnet, bei dem wir eine Rückmeldung über körperliche Vorgänge – wie z.B. Muskelanspannung oder Herzschlag – bekommen, die wir gewöhnlich gar nicht oder nur ungenau wahrnehmen. Diese werden gemessen und am Computerbildschirm sichtbar gemacht.
Dadurch, dass man am Monitor diese Rückmeldung bekommt, kann man z.B. schrittweise Strategien erarbeiten, um die Selbstwahrnehmung zu verbessern und die Anspannung bewusst zu reduzieren.
Gruppentherapie für Patienten mit Posttraumatischer Belastungsstörung
Das gruppentherapeutische Angebot wendet sich an Patienten, die unter den Folgen schwerer, belastender Erfahrungen leiden. Ziel der Gruppentherapie ist, Menschen zu ermutigen, Hilflosigkeit zu überwinden und psychosomatische Beschwerden und Einschränkungen in ihrem Alltag zu verändern. Diese Erfahrung ist deshalb besonders wichtig, da Opfer schwerer Belastungen häufig keine Möglichkeiten der Einflussnahme auf das hatten, was mit ihnen geschah. Unser Gruppentherapiekonzept ist begründet in den Modellen der Kognitiven Verhaltenstherapie, die im Bereich der Psychotraumatologie wissenschaftlich als hilfreich erforscht wurden. Zu den zentralen Anliegen der Behandlung gehört die Förderung von Einsicht in die z.T. komplexen Beschwerden mit dem Ziel, wieder mehr Kontrolle über die Vorgänge im eigenen Körper entwickeln zu können. Der Auseinandersetzung mit aktuellen wiederkehrenden Erinnerungen, schützenden Reaktionen sowie mit verändertem körperlichen Erleben kommt im weiteren Verlauf große Wichtigkeit zu, da hier häufig zusätzliche Belastungen für Betroffene entstehen.
Mit Hilfe der Psychotherapeuten und der anderen Betroffenen wollen wir Patienten in der Gruppe unterstützen, über ihre aktuellen Belastungen ins Gespräch zu kommen und das Leiden unter dem Schweigen und dem Gefühl der Isolation zu durchbrechen. Ergänzend werden Möglichkeiten aufgezeigt, sich mit belastenden Gefühlen und Anspannungszuständen anders als bisher auseinanderzusetzen, um wieder mehr zu sich selbst und dem eigenen Erleben stehen zu können. Themen wie Schuldzuweisungen an die eigene Person, Gefühle von Scham, der Selbstabwertung oder Ekel stehen häufig im Mittelpunkt der gruppentherapeutischen Behandlung. In der Gruppe der Mitpatienten kann es erleichternd sein, andere Sichtweisen für sich zu erarbeiten. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit traumatisch erlebten Erfahrungen der Vergangenheit geschieht allerdings nicht in der Gruppe, sondern im Schutz der Einzeltherapie. Unser Blick in der Behandlung ist darauf gerichtet, inwieweit zunächst die Stabilisierung eines Patienten unterstützt werden muß oder eine vertiefte Auseinandersetzung mit traumatischen Erfahrungen erforderlich ist. Wichtig ist, alles zu tun, um aktive Schritte der Veränderung im Umgang mit sich und der Umwelt zu fördern.
Gruppentherapie für Patienten mit Somatoformen Störungen
Bei PatientInnen mit somatoformen Störungen stehen körperliche Symptome ohne ausreichende medizinische Erklärung im Vordergrund. Meist haben diese PatientInnen einen langen Weg mit umfangreicher medizinischer Diagnostik hinter sich. Sie sind häufig ratlos, verunsichert und resigniert. Zudem werden in dieser Gruppe PatientInnen mit gesundheitsbezogenen Befürchtungen, d.h. ausgeprägten, aber objektiv nicht begründbaren Krankheitsängsten, behandelt. Die Gruppentherapie soll vor allem dazu dienen, ein psychosomatisches Verständnis für die körperlichen Symptome zu entwickeln und erste Schritte der Linderung einzuleiten. Im therapeutischen Verlauf geht es zunächst darum, zu verstehen, wie alltäglicher Stress körperliche Symptome produzieren kann und was passiert, wenn die Wahrnehmung zunehmend auf diese Symptome fokussiert wird. PatientInnen werden motiviert, sich im Rahmen angeleiteter Selbstbeobachtung wieder aktiv auf alle vier Wahrnehmungsqualitäten (Gedanken, Verhalten, Gefühlen und Körperreaktionen) und nicht nur auf Körpersymptome zu konzentrieren. In den weiteren Sitzungen wird ein individuelles Störungsmodell erarbeitet. Der Schwerpunkt der Behandlung liegt auf der Bearbeitung der aufrechterhaltenden Faktoren und den Verstärkern. Hierbei wird gezielt an der ungünstigen Wahrnehmungsfokussierung gearbeitet. Es werden verstärkende ungünstige Leitsätze und Verhaltensweisen thematisiert, aber auch mögliche Vorteile für die Aufrechterhaltung des aktuellen Denkstils diskutiert. Bei entsprechender Indikation werden Expositionen bezüglich Krankheitsbefürchtungen besprochen und durchgeführt sowie gemeinsam Methoden zur Aktivierung von Gefühlen geplant, durchgeführt und Strategien zum Umgang mit den Emotionen erarbeitet.
Gruppentherapie für Patienten mit Sozialen Ängsten
Die Indikative Gruppe „Soziale Phobie“ richtet sich an Patienten, die befürchten, sich in öffentlichen Situationen zu blamieren oder von anderen negativ bewertet oder kritisiert zu werden. Aufgrund dieser oft sehr ausgeprägten Ängste vermeiden Patienten Situationen wie Sprechen oder Essen vor anderen Menschen, Besuch von Veranstaltungen, Äußern der eigenen Meinung etc. In der Gruppentherapie werden Methoden und Strategien zur Bewältigung bzw. zur Verminderung sozialer Ängste vermittelt. So wird zunächst ein Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung dieser Erkrankung vermittelt. Ebenso werden typische ungünstige Leitsätze wie „Ich darf keine Schwäche zeigen!“ oder „Ich versage immer!“ diskutiert und verändert. Die Gruppenteilnehmer erstellen schließlich eine persönliche Hierarchie der sie ängstigenden Situationen und erhalten genaue Anleitung, wie diese in sog. “Expositionen“ bewältigt werden können. Hierbei wird mit leichten Aufgaben in der Gruppe begonnen und die Hierarchie bearbeitet, bis zuletzt auch schwierige Situationen selbständig gemeistert werden können.
Gruppentherapie für Patienten mit Zwangsstörungen
Zwangsstörungen sind gekennzeichnet durch „unsinnig oder übertrieben“ erscheinende Gedanken, die sich nicht kontrollieren lassen. In den meisten Fällen resultieren daraus häufig wiederkehrende Zwangshandlungen wie z.B. Kontroll- oder Waschrituale erheblichen Ausmaßes. Sie können nur unter extremer Anspannung oder Angst unterlassen werden. Die Betroffenen fühlen sich den Symptomen hilflos ausgeliefert und sind in vielen Lebensbereichen massiv eingeschränkt. In der Zwangsbewältigungsgruppe erarbeitet jeder Patient, wie sich seine persönlichen Teufelskreise aus Gedanken, Gefühlen und Zwangshandlungen entwickeln, und mit welchen therapeutischen Strategien er dagegen angehen kann. Die ursprünglich als sinnlos erlebten Zwänge werden so verstehbar und bewältigbar. Ein zentraler Bestandteil der Gruppentherapie ist die Erarbeitung eines individuellen „Expositionsplanes“. Durch schrittweise Annäherung an zwangsauslösende Situationen lernen die Teilnehmer, die zuvor erarbeiteten Strategien auf ihre Zwangssymptomatik anzuwenden und diese nach und nach abzubauen. Sie werden dabei aktiv von anderen Gruppenmitgliedern unterstützt und ermutigt. Jeder entscheidet selbst, welchem Schwierigkeitsgrad er sich dabei stellen möchte. Im Rahmen des Stationskonzeptes werden die Expositionssituationen zunächst mit therapeutischer Begleitung aufgesucht, bis so viele positive Erfahrungen gemacht wurden, dass die Strategien selbstständig angewandt werden können. Das Konzept folgt dabei den Prinzipien der Kognitiven Therapie mit Exposition und Reaktionsverhinderung, welches sich in internationalen Studien als am wirksamsten erwiesen hat und in den Behandlungsrichtlinien empfohlen wird.
Gruppentherapie Fertigkeitentraining
Konzeptionell orientiert sich die Indikativgruppe Fertigkeitentraining (IG-FTG) am Skillstraining der Dialektisch-Behavioralen Therapie (DBT) nach M. Linehan. Die Indikativgruppe Fertigkeitentraining ist ein Gruppenangebot für Patienten, die unter einem oder mehreren der folgenden Symptome leiden: Ausgeprägte Stimmungsschwankungen und Schwierigkeiten im Umgang mit negativen Gefühlen wie Wut und Ärger, Angst oder Depression; Schwierigkeiten bei der Bewältigung von inneren Anspannungszuständen; Auftreten von Gefühlen innerer Leere oder des Gefühls „sich nicht spüren zu können“; Neigung zu selbstschädigendem Ver-halten, z.B. sich selbst zu verletzen, zu betäuben, sich lebensgefährlichen Risiken auszusetzen oder an Selbsttötung zu denken.
Übergeordnetes Ziel der Gruppe ist der Erwerb von Fertigkeiten zur Stresstoleranz. Eine Fertigkeit zur Stresstoleranz ist jedes Verhalten, das in einer belastenden Situation die Anspannung senkt und so die Fähigkeit Stress zu ertragen erhöht, ohne langfristig zu schaden. Fertigkeiten zur Stresstoleranz sollen eingesetzt werden, wenn schmerzliche Zustände („Stress“) auftreten und deren Ursachen zum jetzigen Zeitpunkt oder grundsätzlich nicht veränderbar sind. Stresstoleranzfertigkeiten schaffen die Voraussetzung dafür, dass eine spätere Problemlösung überhaupt möglich wird. „Hinter“ dem Stress stecken meist unbewältigte Gefühle. Deshalb werden in der Gruppe auch erste Fertigkeiten zur Emotionsregulation vermittelt. Die notwendige Basis bilden die ebenfalls vermittelten Fertigkeiten zur Achtsamkeit, welche darauf zielen, mehr Bewusstheit im Alltag und somit mehr Steuerungsmöglichkeiten über sich selbst zu gewinnen.