Hörtherapie – praktische und therapeutische Hilfe

Hörtherapie - den Klängen folgen...

Hörtherapie - den Klängen folgen...

Die Hörtherapie wurde in Bad Arolsen entwickelt und kommt bei Patientinnen und Patienten zur Anwendung, die unter Tinnitus, Geräuschempfindlichkeiten und/oder Hörverlust leiden.

Wenn Ohrgeräusche den Alltag bestimmen

Die Hörwahrnehmung (theoretischer Hintergrund)

Die (Hör-) Wahrnehmung ist ein vielseitiges und vollkommenes  Zusammenspiel zwischen den Sinnen (Gehör)  und dem Gehirn. Höreindrücke werden aufgenommen, weitergeleitet, verstärkt oder unterdrückt. Geräusche, die permanent präsent, aber ohne Bedeutung für uns sind, bleiben unbeachtet und werden nicht bewusst wahrgenommen, sondern nur, wenn wir uns darauf konzentrieren (z.B. auf unser Atemgeräusch). Unsere Aufmerksamkeit richtet sich also  auf Empfindungen, die eine Bedeutung für uns haben. Wenn wir etwas nicht hören wollen, weil es uns stört, bekommt es Bedeutung und somit unsere Aufmerksamkeit. Die Dominanz der Ohrgeräusche oder Geräuschempfindlichkeiten ist durch diese verstärkte Wahrnehmung und gleichzeitige Unterdrückung anderer Sinneseindrücke zu erklären. Wir haben  jedoch die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit für jeden unserer Sinne zu steuern, sodass durch bewusste Konzentration auf ausgewählte Eindrücke dieser Prozess umkehrbar ist und Tinnitus und Geräuschempfindlichkeiten in den Hintergrund treten und nicht bewusst wahrgenommen werden. Wenn der Betroffene ein Verständnis für die Bedeutung der störenden Geräusche entwickelt, wird diese Aufmerksamkeitsteuerung möglich. Die enge Zusammenarbeit mit den anderen Disziplinen (HNO-ärztliche Begleitung, Psychotherapie und Bewegungstherapie) unterstützt diesen Prozess. Am Anfang besonders durch eine ausführliche HNO-ärztliche Aufklärung.

Erfahrungslernen (Methode)

Die Hörtherapie leitet die Betroffenen an, das oben beschriebene theoretische Wissen in praktische Erfahrungen umzusetzen und so einen Umlenkprozess zu bewirken. Dies geschieht mittels verschiedenster praktischer Therapieeinheiten, in denen die Betroffenen die Möglichkeit erhalten unterschiedliche Geräusch- und Hörsituationen zu durchleben um Ihre Erfahrungen gemeinsam mit der Gruppe und den Therapeuten zu reflektieren. Die so gewonnenen Erkenntnisse können sofort in den gesamten therapeutischen Prozess integriert werden.

Beispiel Blindführübung: Durch die gegenseitige Führung mit geschlossenen Augen im Freien treten nur solche Sinneswahrnehmungen in den Vordergrund die der Bewältigung der Situation dienen, alle anderen werden ausgefiltert.

Verbesserung der Hörsituation bei Hörminderung

Bei Personen mit zusätzlicher Hörminderung entstehen Kommunikationsprobleme durch teilweisen Verlust des Sprachverstehens. Desweiteren kann es zu Unsicherheiten durch vermindertes Richtungshören (z.B. im Straßenverkehr) kommen. Häufig entstehen Tinnitus, Geräuschempfindlichkeiten, soziale Unsicherheiten die bis hin zum sozialer Rückzug und  zur Isolation führen können.

Durch das Tragen von Hörgeräten erweitert sich das Geräuschangebot von außen sowie das Sprachverständnis und das Richtungshören.

Die Hörtherapie unterstützt den Hörgeminderten im Umgang mit Hörgeräten, vermittelt Hörtaktiken (Kommunikationsempfehlungen) und beinhaltet ein Training zum Thema Geräuschzuordnung und  Geräuscherkennung.

Bewusst hören (Therapieziel)

Die bewusste Steuerung der Aufmerksamkeit auf andere (positive) Höreindrücke oder Sinneswahrnehmungen ermöglicht die Akzeptanz und Gewöhnung an störende Geräusche und lässt diese in den Hintergrund treten. Hörtaktiken und Hörgeräte ermöglichen eine Rückkehr in das kommunikative Leben. So  steigert sich die Lebensqualität der Betroffenen und  sie lernen, dass sich alle Sinnesorgane gegenseitig ergänzen und ausgleichen können. Es gelingt leichter die eigene Hörsituation zu verstehen und zu akzeptieren.

Struktur der Therapie

Die Hörtherapie ist hauptsächlich eine Gruppentherapie. Sie startet mit einer Einführungsveranstaltung, wo die Betroffenen die Möglichkeit haben über ihre Schwierigkeiten zu sprechen und erfahren wie die therapeutische Zusammenarbeit in unserem Haus aufgebaut ist. Hier werden bereits die persönlichen Ziele der Betroffenen erarbeitet. Anschließend finden acht Gruppentherapieeinheiten, jeweils 2 Einheiten pro Woche statt. Zusätzlich können, bei bestimmten Fragestellungen, auch Einzeltherapieeinheiten verordnet werden. Parallel erhalten die Patientinnen und Patienten Übungen an die Hand, die sie in ihrer therapiefreien Zeit durchführen können um den Prozess zu intensivieren.

Ihr Ansprechpartner

Wöhrmann

Ansprechpartner Christine Wöhrmann

Tel.: 05691 6238-0

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