Qualitätsbericht 2008 // Orthopädie. Kinderorthopädie
BEHANDLUNG DER INFANTILEN ZEREBRALPARESE
Muskeln außer Kontrolle
Unter einer Infantilen Zerebralparese (ICP) versteht man eine Schädigung des Gehirns bei Kindern. Sie wird beispielsweise bei der Geburt verursacht, wenn die Sauerstoffzufuhr des Gehirns durch einen Nabelschnurvorfall unterbrochen wird. Auch eine Hirnblutung in den ersten Lebensstunden oder -tagen kann die Gehirnfunktion des Säuglings in ähnlichem Maße beeinträchtigen. Durch die eingeschränkte Hirnfunktion ist das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln gestört. Bei den Muskeln kommen dadurch entweder andauernde oder gar keine Nervenimpulse mehr an. Die Folge sind unterschiedlich ausgeprägte Lähmungen an Armen, Beinen oder der kompletten linken oder rechten Körperhälfte. Gliedmaßen lassen sich nicht mehr koordiniert bewegen. Über einen längeren Zeitraum verändern sich die Muskeln, Sehnen und Knochen.
Mit Gift gegen Verkrampfungen
Um Muskeln wieder zu entspannen, setzen Therapeuten das Botulinumtoxin ein. Dieses von Bakterien produzierte Gift hemmt die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel. Nach einer genauen Untersuchung injizieren die Ärzte punktuell das Nervengift in den Muskel, um die andauernde und ungewollte Muskeltätigkeit für eine bestimmte Zeit „abzuschalten“. Nach der Behandlung können die betroffenen Gliedmaßen mit Krankengymnastik und Elektrotherapie trainiert werden, um so Verkürzung der Muskeln zu verhindern.
Ganzheitliche Intensivtherapie
Eine weitere Behandlungsmöglichkeit stellt die konservative Intensivtherapie dar. Dabei nutzen die Ärzte die Tatsache, dass bei Kindern und Jugendlichen die Synapsen, die für die Übertragung von Nervenimpulsen zuständig sind, im Gehirn noch nicht vollständig ausgebildet sind. Neben der Dehnung und Lockerung der Muskeln lernen die Kinder beispielsweise, mit Hilfe von computergestütztem Biofeedback (nach Brucker) Muskelpartien willentlich zu steuern. Auf diese Weise können sich im Gehirn neue Synapsen bilden, welche die geschädigten Gehirnpartien ersetzen.
Hervorragende Noten für die konservative Therapie
Kinder, die konservativ behandelt werden können, sind tendenziell weniger stark von der Erkrankung betroffen als Kinder, bei denen eine Operation notwendig ist. Daher werden zur Feststellung des Behandlungserfolgs vor allem die für den Alltag relevanten und wichtigen Funktionen – Stehen und Laufen – betrachtet. Weniger relevante Funktionen, wie Sitzen, Liegen oder Pfl ege, werden hier nicht bewertet.
In den relevanten Bereichen zeigen die konservativen Therapiekonzepte in der Schön Klinik München Harlaching sehr gute Ergebnisse. So können bei mehr als der Hälfte aller Kinder durch die Behandlung mit Botulinumtoxin Verbesserungen beim Stehen und Laufen erreicht werden.
[Siehe Grafik 1]
Besonders durch das gezielte Training der schwächsten Muskeln in den konservativen Intensivtherapien können das Stehen und das Laufen schon nach kurzer Zeit in ihren Abläufen geändert werden. Bei über 90 % der Kinder konnten so Verbesserungen erzielt werden.
[Siehe Grafik 2]
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BEHANDELTE PATIENTEN 2008
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Kliniken
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Fälle
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BOTULINUMTOXINBEHANDLUNG BEI ICP
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Orthopädische Klinik München-Harlaching
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79
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KONSERVATIVE INTENSIVTHERAPIE BEI ICP
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Orthopädische Klinik München-Harlaching
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269
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GESAMT
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348
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OP BEI INFANTILER ZEREBRALPARESE
Vielfältige Behandlungsmöglichkeiten: von der Krankengymnastik bis zur Operation
Je nach Phase und Schwere der Erkrankung werden die Folgen der Infantilen Zerebralparese mit unterschiedlichen orthopädischen Methoden behandelt. Wenn konservative Behandlungsmethoden an ihre Grenzen stoßen oder aufgrund der Schwere der Erkrankung keinen Erfolg versprechen, werden operative Maßnahmen notwendig. Dabei verlängern die Chirurgen operativ z.B. Muskeln, die sich durch die laufende Anspannung verkürzt haben, indem sie die Sehnen an anderen Stellen in der Muskulatur fi xieren. Außerdem werden Fehlstellungen und Fehlentwicklungen von Knochen korrigiert.
Aussagekräftige Ergebnisse
Um den Erfolg der eingesetzten Maßnahmen messbar zu machen, greifen die Ärzte auf den GMFCS-Index zurück, der Funktionen des Bewegungsapparats bei unterschiedlichen Tätigkeiten darstellt, die für den Alltag wichtig sind, wie z.B. beim Sitzen, Stehen und Laufen.
Deutliche Verbesserung bei wichtigen Bewegungsfunktionen nach der Operation
Egal wie eingeschränkt die Patienten in der Funktion ihres Bewegungsapparats vor dem operativen Eingriff sind: Über zwei Drittel können danach besser sitzen, stehen oder laufen. Auch Schmerzzustand und Pfl egemöglichkeit verbessern sich deutlich in über 50 % der Fälle, was insbesondere Angehörigen hilft, ihre Schützlinge leichter zu versorgen. Die scheinbar geringe Verbesserung beim Liegen resultiert daraus, dass dies bereits vor der Operation bei vielen Patienten weniger Probleme bereitet hat.
[Siehe Grafik 1]
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BEHANDELTE PATIENTEN 2008
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Kliniken
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Fälle
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Orthopädische Klinik München-Harlaching
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244
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Gesamt
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244
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