Nicht nur Frühlingsgefühle: Für Depressive ist der Mai besonders schlimm

 

Der Monat mit den meisten und schwersten Fällen depressionsbedingter Symptomatik ist nicht etwa der November, sondern der Mai. Das belegen zahlreiche Studien. Was macht diese Zeit so belastend für die acht Prozent der Erwachsenen in Deutschland, die mit Depressionen leben?

 

Der Frühling bringt Lebenskraft, hebt die Stimmung und allen geht es gut. Bei so viel Sonne, Vogelzwitschern und farbenprächtigen Blumen! Soweit das einhellige Verständnis. Die Realität dagegen ist ernüchternd: Für Menschen mit Depressionen beginnt im April die kritischste Zeit des Jahres. Im Mai erreicht sie sogar ihren Höhepunkt und ebbt im Juni wieder ab. Die Studienlage bringt es bedrückend ans Licht: In keinem anderen Monat ist die Suizidrate so hoch wie im Mai. Die Gründe für den traurigen Wonnemonat sind nicht geklärt. „Die Wissenschaft diskutiert verschiedene Ursachen“, erklärt Dr. Thomas Gärtner, Chefarzt der Schön Klinik Bad Arolsen. „Im Mai scheint sich regelmäßig eine spezielle Konstellation von hormonellen und psychosozialen Faktoren einzustellen, die zu einem Anstieg von Depressivität und Suizidalität führt.“


Falsche und enttäuschte Erwartungen

So scheint im Hirnstoffwechsel dem Botenstoff Serotonin eine besondere Bedeutung zuzukommen, wobei hier vor allem der Einfluss der Lichtverhältnisse diskutiert wird. „Im Winter sinkt der Serotoninspiegel ab und steigt im Frühjahr wieder an. Genau dieser Umschwung könnte das Suizidrisiko erhöhen“, erklärt Dr. Gärtner. Denn auf der Südhalbkugel ist der für Depressive kritischste Monat der November – also ebenfalls im Frühling. „Auf psychosozialer Ebene können falsche oder enttäuschte Erwartungen eine Rolle spielen“, ergänzt der Experte aus Bad Arolsen. Kein Monat ist ähnlich klischeebelastet wie der Mai. Allein die Aussage „alles neu macht der Mai“ sorgt dafür, dass der fünfte Monat im Jahr mit großen Erwartungen überladen wird. Wenn ein depressiver Mensch nun hofft, endlich neuen Lebensschwung zu bekommen, weil der Frühling beginnt, erntet er in der Regel nichts als große Enttäuschung. „Broken-Promises-Theorie“ nennen Psychologen das Phänomen, dass enttäuschte Erwartungen zu einer Verschlimmerung von Depressionen führen.


Depressionen sind Ganzjahresthema

Der Kontrast zwischen Selbstwahrnehmung und dem, was um einen herum stattfindet, könnte für Betroffene kaum stärker sein, wenn sich für andere das Glücksversprechen des Wonnemonats erfüllt. Bekommen sie permanent vor Augen geführt, wie gut es den anderen im Frühling geht, fühlen sie sich erst Recht vereinzelt, noch kränker und fehl am Platz. Nicht selten kommen dann auch noch Kommentare hinzu wie „Schau mal, wie die Sonne scheint, jetzt muss es dir doch besser gehen“. Wer ohnehin schon belastet ist, kann in dieser Zeit eine Verschlimmerung der Symptomatik erleben. Allerdings haben bei weitem nicht alle Menschen mit Depressionen im Frühsommer den Höhepunkt ihrer Erkrankung. Die Jahreszeit ist zwar ein gut nachgewiesener Einfluss, aber insgesamt nur einer von vielen Faktoren, die zum Auftreten oder zur Verschlimmerung von Depressionen führen können. Neben Veranlagung können Traumatisierungen, Verlusterleben und andere kritische Lebensereignisse, auch körperliche Erkrankungen und Medikamente, eine ursächliche oder auslösende Rolle spielen. „Depressionen sind das ganze Jahr ein Thema“, stellt Dr. Gärtner klar. “Und ob Betroffener, Angehöriger oder Mediziner, jeder kann zu jeder Jahreszeit etwas dazu beitragen, dass kritische Phasen besser überstanden werden.“


Weitere Informationen:

  • Depressionen und Schön Klinik: Die Schön Klinik Gruppe ist Marktführer im Bereich der stationären Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen. Allein mit der Diagnose Depressionen behandelt die Klinikgruppe jährlich zwischen 5.500 und 6.000 Patienten. Die Erfolge des Behandlungskonzepts sind nachhaltig – das ergeben die standardisierten Qualitätsmessungen der behandelten Patienten direkt nach der Entlassung sowie sechs Monate nach der Therapie (mehr unter www.schoen-kliniken.de/qualitaet).
  • Online-Selbsttest: Habe ich eine Depression oder ist es Frühjahrsmüdigkeit? Der Selbsttest unter www.schoen-kliniken.de/test-depression gibt Aufschluss. Er beruht auf dem offiziellen Screening-Instrument PHQ-9 (Patient Health Questionnaire), ersetzt jedoch keine ärztliche Diagnose!
  • Studien (Auswahl):

Christodoulou, C. (et al.): Suicide and seasonality. Acta Psychiatrica Scandinavica. 125(2): 127-46. Februar 2012.

Dixon, P. G.; Kalkstein, A. J.: Where are weather-suicide associations valid? An examination of nine US counties with varying seasonality. International Journal of Biometeorology. 2016.

Rocchi, M. B. (et al.): Seasonality and suicide in Italy: amplitude is positively related to suicide rates. Journal of Affective Disorders. 100(1-3): 129-136. Juni 2007.

White, R. A. (et al.): Does suicide have a stronger association with seasonality than sunlight? BMJ Open. 5(6): e007403. Juni 2015.

 

 

Über die Schön Klinik Bad Arolsen

Die Schön Klinik Bad Arolsen ist eine der führenden psychosomatischen Fachkliniken in Hessen. Die Klinik deckt das gesamte Spektrum der Psychosomatik ab. Die Behandlungsschwerpunkte umfassen Depressionen, dekompensierten Tinnitus und Hyperakusis, Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom im Erwachsenenalter (ADHS), Burn-out-Syndrom, Essstörungen sowie weitere Indikationen (z.B. Angst- und Zwangsstörungen sowie Schwindelerkrankungen). Das Behandlungskonzept orientiert sich an integrativ-verhaltensmedizinischen Grundlagen. Die Klinik beschäftigt mehr als 250 Mitarbeiter.

 

www.schoen-kliniken.de/bar

 

Über die SCHÖN KLINIK

Die Schön Klinik ist eine Klinikgruppe in privater Trägerschaft (Familie Schön) mit den Schwerpunkten Orthopädie, Neurologie, Psychosomatik, Chirurgie und Innere Medizin. An 17 Standorten in Bayern, Schleswig-Holstein, Hessen, Hamburg und Nordrhein-Westfalen behandeln 10.000 Mitarbeiter jährlich mehr als 100.000 Patienten.

 

www.schoen-kliniken.de 

 
 

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